
Einfach mal nichts tun
Mit Muße zum Geniestreich
Als der Chemiker Spencer Silver 1968 für die Firma 3M einen neuen Superkleber zusammenrühren wollte,
kam nur eine zähe Masse heraus, die zwar auf allen möglichen Flächen haftete, sich aber
leicht wieder löste. Jahre später während einer Chorprobe: Silvers Kollege Arthur Fry, dem regelmäßig
seine Lesezeichen aus den Noten fielen, erinnerte sich plötzlich an den missglückten Versuch
mit dem Haftkleber. Der Rest ist Geschichte: Fry holte sich eine Probe des Leims aus dem Labor,
trug sie auf kleine Zettel auf - und hatte die Post-its erfunden.
Muße ist für viele ein Fremdwort geworden. Dabei brauchen wir Auszeiten für unser seelisches Gleichgewicht – und auch für die Entwicklung neuer Ideen.
Als Arend Oetker einmal gefragt wurde, was der kapitalste Fehler seines Lebens gewesen sei, antwortete der Unternehmer schlicht: „Zu wenig Zeit für Freunde.“ Und als er angeben sollte, welchen völlig überflüssigen Luxus er sich gerne gönnen würde, träumte Oetker davon, „in Muße die Natur zu erleben“ und im Garten seines Elternhauses „zu beobachten, wie sich die Bäume im Badeteich spiegeln.“
Muße. Für die meisten von uns ist dieser Begriff ein Fremdwort geworden. Bloß nicht zur Ruhe kommen, lautet die Devise. „Die Konkurrenz schläft nicht“, predigt man uns, und: „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“ Müssen wir tatsächlich permanent gegen unseren vermeintlichen Hang zum Faulenzen ankämpfen? Oder sollten wir nicht eher üben, uns dem allgegenwärtigen Aktionismus zu entziehen?
Immer eingeschaltet
Befragt man Mediziner, fällt die Antwort eindeutig aus: „Wir bemerken, dass im Online-Zeitalter viele Menschen die Fähigkeit verloren haben, geistig und seelisch ‚offline‘ zu gehen, also abzuschalten“, diagnostiziert Götz Mundle, ärztlicher Geschäftsführer der Berliner Oberbergkliniken, die sich auf die Behandlung psychischer Leiden wie Sucht, Burn-out oder Depression spezialisiert haben. „Das Problem unserer Patienten ist nicht, Höchstleistungen zu erbringen. Im Gegenteil: Ihr Problem ist, einfach mal nichts zu tun.“ Seit Jahren schon steigt die Zahl psychischer Erkrankungen massiv an. Sie sind inzwischen die häufigste Ursache für Krankschreibungen und Frühverrentungen in Deutschland. Und die Weltgesundheitsorganisation WHO in Genf hat berufsbedingten Stress durch permanente Überlastung gar zu einer der größten Gesundheitsgefahren des 21. Jahrhunderts erklärt.
Da heißt es, gezielt für Auszeiten zu sorgen. „Der Mensch braucht immer beides: den Austausch mit anderen, aber auch den Bezug zu sich selbst, die innere Autonomie“, erklärt der Münchener Hirnforscher Ernst Pöppel. Gerade an Letzterem fehle es heute vielen Menschen. Auch der permanente Kommunikationsterror sei geradezu Gift. „Wenn ganz Deutschland jeden Tag für eine Stunde nicht kommunizieren würde“, sagt der Psychologe, „dann hätten wir hier den größten Innovations- und Kreativitätsschub, den man sich vorstellen kann.“ Pöppel selbst zieht sich jedes Jahr für einige Wochen bewusst zurück, reist in den Schwarzwald und geht dort täglich drei bis vier Stunden spazieren. „Muße hat für mich viel mit Gehen zu tun“, erläutert Pöppel. „Dabei kommen mir die besten Ideen.“
Doch nicht nur im Gehen findet man zu sich selbst. Auch beim Musizieren, Malen oder Tanzen kann man Muße erleben. Voraussetzung ist allerdings, dass wir bei der Ausübung dieser Beschäftigungen keinem äußeren Zwang folgen, sondern nur unserem ureigensten, innersten Bedürfnis Rechnung tragen. Wer meint, dieses Bedürfnis nicht zu kennen, sollte einmal in sich hineinhorchen. Es meldet sich meist von selbst. Ihm den nötigen Freiraum zu schaffen, erfordert allerdings einige Anstrengung – vor allem Widerstand gegen das Leistungsprinzip, alles, was man tut, müsse „nützlich“ sein. Wir können uns dabei auch an den griechischen Philosophen der Antike orientieren. Muße bedeutete für sie nicht Däumchendrehen, sie war vielmehr die höchste Form geistigen Lebens. Durch musische Tätigkeiten in der Kunst, Musik, Philosophie oder durch das Feiern religiöser Feste erlebte man Momente der Seelenruhe und der Zeitlosigkeit, die den eigentlichen Sinn des Lebens darstellten.
Wem das zu abgehoben scheint, dem sollte zumindest das Argument zu denken geben, dass wir Zeiten der Ruhe und der Zurückgezogenheit nicht nur für unser seelisches Gleichgewicht brauchen, sondern auch für die Entwicklung neuer Ideen. Wie Mediziner gezeigt haben, ist unser Denkorgan beim Nichtstun keinesfalls untätig; manche Hirnregionen sind beim Tagträumen, Schlafen oder Meditieren sogar besonders aktiv. In diesem „Leerlauf“ reagiert das Gehirn nicht auf Reize von außen, es widmet sich vielmehr seiner inneren Dynamik. Dabei werden Netzwerke aus Nervenzellen neu organisiert, das Gedächtnis sortiert sich und Gelerntes wird verarbeitet. Und dies scheint, ähnlich wie der wöchentliche Hausputz in der Wohnung, unabdingbar für das reibungslose Funktionieren unseres Denkens zu sein.
Zugleich wird all jenes aufgeschnappte, zufällige und längst vergessene Wissen geordnet, das sich in unserem Unterbewusstsein angesammelt hat und im Allgemeinen nie die Schwelle zum Bewusstsein überschreitet. Dabei kann das Gehirn auch neue Verbindungen knüpfen und ganz von selbst unerwartete Gedanken und Ideen produzieren. Manche haben solche „Aha-Erlebnisse“ unter der Dusche oder in der Badewanne. So wie der griechische Mathematiker und Physiker Archimedes, dem beim Planschen plötzlich das Prinzip des Auftriebs klar wurde. Andere haben ihr „Heureka-Erlebnis“ hingegen beim Musikhören, während einer Bahnfahrt oder abends beim Schlafengehen.
Der Selbsttest
Zwar geht genialen Einfällen fast immer eine Zeit gezielten, intensiven Nachdenkens voraus. Doch man kann es mit dem Grübeln auch übertreiben. Denn das bewusste Denken folgt meist nur den bekannten, ausgetretenen Pfaden. Wer auf diese Weise allzu verbissen nach der Lösung sucht, würgt häufig seine Kreativität regelrecht ab – dann wird es Zeit, das Hirn zu „lüften“ und sich der unbewussten Weisheit des Leerlaufs zu überlassen. „Setzen Sie sich erst bewusst-rational mit den Argumenten auseinander, aber vertagen Sie die Entscheidung. Lenken Sie sich ab, schlafen Sie darüber. Die vorbewussten, intuitiven Netzwerke in Ihrer Großhirnrinde erledigen den Job für Sie“, rät daher der Hirnforscher Gerhard Roth.
Wer übrigens wissen will, wann er für eine Auszeit reif ist, für den hat Roths Kollege Pöppel eine einfache Faustregel parat: Führen Sie sich abends Ihren Tag vor Augen und fragen Sie sich, was Sie Kreatives geleistet haben. „Kreativität ist ein wichtiges Merkmal eines ausgeglichenen Menschen“, sagt der Wissenschaftler. „Wer nur noch erledigt, abarbeitet, reagiert, braucht definitiv eine Pause.“
Musik im Kopf
Manche Melodien setzen sich schon nach einmaligem Hören im Kopf fest. Bei welchen Liedern bekommen wir einen Ohrwurm – und warum?
Eine Warnung vorab: Was Sie nun lesen werden, kann ansteckend sein! Womöglich lässt es Sie für Stunden oder den Rest des Tages nicht mehr los, vielleicht sitzen Sie auch morgen am Frühstückstisch und haben immer noch einen Ohrwurm. „Hast du etwas Zeit für mich, dann singe ich ein Lied für dich“ – kommt Ihnen das bekannt vor? Genau, der große Hit „99 Luftballons“ von Nena aus dem Jahr 1983: Hören Sie die Melodie gerade in Ihrem Kopf und summen mit? Oder sind Sie einfach nur genervt und wollen die Musik im Kopf abschalten?
Einmal tief einatmen
„Ein Ohrwurm entsteht vor allem bei Titeln, die dem Zuhörer gefallen. Es ist aber auch zu beobachten, dass Menschen ein Musikstück nicht mehr loswerden, obwohl es sie nervt“, sagt Jan Hemming, Professor für Musikwissenschaft an der Universität Kassel. Zahlreiche Wissenschaftler verschiedener Fakultäten haben schon herauszufinden versucht, wie ein Ohrwurm entsteht und was ihn auszeichnet. So hat etwa ein Team um den US-amerikanischen Neurologen David Kraemer vom Dartmouth College in New Hampshire mittels Magnetresonanztomografie erkannt, dass er sich in der Großhirn-rinde, im sogenannten neuronalen Kortex, einnistet. Um das herauszufinden, wurden Versuchspersonen Ausschnitte aus verschiedenen Liedern vorgespielt, wobei ihre Gehirnaktivität aufgezeichnet wurde. Kannten sie die Titel, nahmen sie Unterbrechungen der Musik gar nicht wahr. Das Gehirn „sang“ sozusagen die fehlenden Teile mit. Bei unbekannten Liedern dagegen ging auch die Hirnaktivität zurück, sobald die Wissen-schaftler die Stopptaste drückten.
Hemming konzentrierte sich in seinen Untersuchungen auf die psychologische Wirkung von Musik: Zehn Tage, nachdem seine Probanden 20 ausgewählte Titel gehört hatten, sollten sie angeben, welche Melodien sie in ihrem Alltag weiter begleitet hatten. Ganz oben auf dieser Ohrwurm-Hitliste landeten etwa die Titel „Der Nippel“ von Mike Krüger und „Son of a preacherman“ von Dusty Springfield.
Was haben solche Songs, was die anderen nicht haben? Da ist in erster Linie der Text. Er wirkt als zentrale Gedächtnisstütze. Nüchtern betrachtet ist ein Ohrwurm nämlich nichts anderes als eine unwillkürliche Gedächtnisleistung. Deshalb sollten die Titel eine bestimmte Länge auch nicht überschreiten: „Die Stelle, die als Ohrwurm in Erscheinung tritt, kann man meistens komplett singen, wenn man einmal tief eingeatmet hat“, sagt Hemming.
Keine „Ohrwurmformel“
Besonders hartnäckig sind Lieder mit simpler Grundstruktur und einfachen, sich häufig wiederholenden Textpassagen und Rhythmen. Oft sind es auch die Umstände, die uns ein Lied gedanklich in Endlosschleife hören lassen. Zu mehr als 70 Prozent entsteht ein Ohrwurm laut Hemming in Alltagssituationen – etwa beim Abwaschen oder Aufräumen, „wenn das Gehirn zum Teil im Leerlauf ist“, hat der Musikwissenschaftler festgestellt.
Eine „Ohrwurmformel“ sucht man bislang allerdings vergeblich. Online-Befragungen, Akkordabfolgen, Hirnscans – der Ohrwurm bleibt ebenso ungreifbar wie beharrlich. Aber gerade das macht auch seinen Zauber aus. Er befällt uns, zunächst meist zu unserem Entzücken, und begleitet uns im Alltag. Ihn wieder loszuwerden, ist allerdings schwierig. Andere Lieder hören, um ihn zu verdrängen; sich ablenken, damit Körper und Gehirn beschäftigt sind und kein Platz mehr für den Ohrwurm ist; das Lied bewusst öfter abspielen und sich daran „satt hören“ – alle diese Empfehlungen scheinen in der Praxis offenbar nur mäßig erfolgreich zu sein.
So bleibt häufig nichts anderes übrig, als es einfach geschehen zu lassen. „Let it be, let it be ... let it be, let it be“, auch die Beatles wurden vor allem deshalb zur Band des vergangenen Jahrhunderts, weil ihre Melodien so eingängig waren. Spüren Sie schon, dass etwas hängen geblieben ist in Ihrem Ohr?
Die Welt von oben
Bei einer Fahrt im Heißluftballon ist der Weg das Ziel. fondsmagazin-Autor Christian Haas hat es getestet und ging am Chiemsee in die Luft.
„Los, klingel schon!“, knurre ich das Telefon an. Doch das schweigt seit Tagen. Die Wetterlage ist zu instabil. Dann der ersehnte Anruf: „Morgen geht es in die Luft – 18.30 Uhr ist Treffpunkt in Hittenkirchen!“ Beschwingt von der Nachricht suche ich den Ort auf der Karte und male mir aus, wohin es den Ballon in den knapp zwei Stunden wohl treibt. Schön ist es rund um den Chiemsee überall: Neben dem „Bayerischen Meer“ sorgen weitere Seen für Glanz, dazu Moore, Alpengipfel und malerische Dörfer.
In Hittenkirchen nahe dem Luftkurort Prien geht es beschaulich zu. Zumindest bis sich vor den Garagen des Luftfahrtunternehmens Szemborski um halb sieben eine kleine Schar versammelt – neun Novizen, zwischen zehn und 50 Jahre alt und kurz vorm Abheben. Nach einer Inforunde steigen wir in den Bus. „Wir starten nicht hier?“ „Nein, der Platz ist zu schräg“, erklärt Manfred Szemborski, der routinierte Chef. In der Umgebung befinden sich mehrere Startplätze, die je nach Windrichtung angesteuert werden. Heute fällt die Wahl auf Arbing. Dort öffnet Szemborskis Kollege Jochen Veit die Klappe des Busanhängers. „Alle Mann anpacken!“, ruft er die Ballonfahrer herbei. Mit vereinten Kräften und der Hilfe einer Winde wird der massive Korb heruntergehievt, es folgt der Sack mit der Ballonhülle.
Im Expresstempo
Heiße Luft: Wenn sich der Ballon gefüllt hat, muss alles ganz schnell gehen.
Als die Ballonprofis zwei Bodenventilatoren anwerfen, wird es laut und stürmisch. Wir halten die Ballonhülle weit auf, und nachdem sich diese schon etwas hebt, heißt es, schnell den Korb aufzurichten und hineinzuklettern. Denn Pilot Manfred kann den Ballon, der mittlerweile mit Heißluft aus dem Brenner gefüllt wird, nicht ewig am Boden halten. „Wir fliegen“, ruft einer der Youngster, einer der Älteren korrigiert lächelnd: „Fahren – nicht fliegen! Auf diesen Unterschied legen die Ballonfahrer viel Wert.“
Manfred betätigt den Gashebel, große Flammen züngeln in den Ballon. Rasant wie in einem Expressfahrstuhl steigen wir auf. Bereits zwei, drei Minuten später befinden wir uns 2.500 Meter über dem Startplatz. Ein Anflug von Schwindel ergreift mich, schließlich ist der Korb weder mit Gittern noch mit Glasscheiben gesichert. Aber schon bald werden statt Adrenalin Glückshormone ausgeschüttet, denn uns offenbart sich eine grandiose Fernsicht. „Da hinten liegt München“, erklärt Manfred, „dort sieht man Salzburg.“
Auch in 2.500 Metern Höhe reicht ein T-Shirt - im Ballonkorb weht kein Wind.
Noch feiner aber ist die Nahsicht, etwa zu den Alpengipfeln, wo die Kampenwand zum Greifen nah scheint. Umwerfend auch der Blick nach unten: Die Landschaft sieht wie eine Modellbauanlage aus – da der Chiemsee mit seinen Inseln, dort eine Gleisanlage samt einfahrenden Zügen und daneben ein belebter Biergarten. Trotz der neun Passagiere wird es nicht eng im Korb. Jeder kann einige Schritte gehen, um alle Himmelsrichtungen zu erkunden. Im Gegensatz zu einem Flugzeug liegt der Ballonkorb ganz ruhig in der Luft – da wackelt oder ruckelt nichts. Nur der Brenner reißt mich mit seinem sekundenlangen, laut fauchenden „Bchrrrrrr“ im Abstand von einigen Minuten aus meiner Tagträumerei.
Manfred hält Funkkontakt zum Kollegen am Boden. Sie tauschen sich, unterstützt durch Messgeräte, über Windströmungen und Geschwindigkeiten aus. Da der Pilot nur die Höhe, nicht aber die Fahrtrichtung bestimmen kann, muss er die Route immer wieder neu berechnen – gerade an den Bergen können die Winde für unangenehme Überraschungen sorgen. Dazu kommt es heute nicht. Nach 90 Minuten schweben wir sanft wie eine Feder erdwärts. Besonders beeindruckt mich die präzise Landung auf einem schmalen Feld. Wir stellen uns rückwärts zur Fahrtrichtung auf und halten uns an den Schlaufen fest – zur Sicherheit. Doch nach zwei kleinen Hüpfern steht der Korb wie eine Eins.
Adelstitel inklusive
Nun ist es amtlich: Der Inhaber dieser Urkunde ist mit dem Ballon gefahren und somit adelig.
Bevor wir uns auf die Schulter klopfen können, müssen wir den Ballon einpacken. Im letzten Sonnenlicht rollen Jochen und Manfred zwei Teppiche auf dem Feld aus und bedeuten uns, niederzuknien. Wir lauschen Manfreds launiger Kurzfassung der bewegten Ballonfahrtgeschichte, die darin mündet, dass wir feierlich getauft und in den Adelsstand erhoben werden – da das Ballonfahren einst Adligen vorbehalten war, musste sich das Volk mit diesem Trick behelfen. Also träufelt Jochen jedem ein paar Spritzer Schampus aufs Haar. Schließlich überreicht Manfred den Ballonfahrern ihre Taufurkunde und verkündet den Adelstitel. Meiner lautet: „Freiherr Christian, verwegener, unter dem tosenden Brenner hoch hinaufgefahrener Himmelsstürmer querab der Fraueninsel“. Ich bin gerührt. Und alles andere als geschüttelt.
Apropos erneuerbare Energien
Wussten Sie eigentlich, dass ...
... wir uns bald mit Solarflugzeugen und -schiffen fortbewegen können?
Der Luftfahrtpionier Bertrand Piccard schaffte es mit seinem Flugzeug-Prototyp „Solar Impulse“,
26 Stunden durch die Lüfte zu schweben. Und das ohne Treibstoff und Schadstoffausstoß. Nun baut Piccard den nächsten Prototyp, mit dem er 2013 die Welt umrunden will. Auch auf See ist Solarantrieb ein Thema: So startete die 31 Meter lange und 15 Meter breite „MS Turanor Planet Solar“ 2010 zu einer Weltumrundung. Das weltweit größte Solarschiff hat bereits die Hälfte der geplanten Strecke hinter sich. 38.000 Solarzellen auf dem Deck treiben vier Elektromotoren an. Integrierte Akkus speichern überschüssige Energie und sorgen dafür, dass der Katamaran auch drei Tage ohne Sonne fahren kann.
... es Clubs gibt, in denen die Partygäste beim Tanzen Strom produzieren?
Tanzen, Spaß haben und ganz nebenbei Energie sparen – wenn das keine revolutionäre Idee ist. In den sogenannten Sustainable Dance Clubs tanzen die Gäste auf kleinen Platten, die bei jedem Schritt nachgeben. Durch die Bewegungen wird Strom erzeugt, mit dem die Tanzfläche beleuchtet wird. Auf einer Anzeige sehen die Tänzer, wie viel Strom sie gerade produzieren. Mittlerweile gibt es die Strom sparende Tanzfläche in Deutschland, den USA und Brasilien. In Toulouse sind die Platten nun auch in einer Fußgängerzone getestet worden. Die Hersteller wollen sie weiterentwickeln, um in Zukunft mit flanierenden Spaziergängern Straßen beleuchten zu können.
... ein Wolkenkratzer gebaut wird, der seinen Energiebedarf komplett selbst decken soll?
Das erste Null-Energie-Hochhaus wird in der chinesischen Stadt Guangzhou gebaut. In der Mitte des Pearl River Tower sollen Windtunnel bis zu
1 Million Kilowattstunden Strom erzeugen, indem sie den Wind in das Gebäudeinnere zu den Energie umwandelnden Turbinen leiten. Doch das Architekturbüro Skidmore, Owings & Merrill aus Chicago setzt nicht nur auf Windkraft: Solaranlagen sollen für zusätzlichen Strom und Warmwasser sorgen. Und wenn es einmal regnet, kann man das auch gleich nutzen: Regenwasseraufbereitungs-anlagen helfen, Wasser zu sparen. So wird das knapp 310 Meter hohe Gebäude bei Fertigstellung in diesem Jahr der energieeffizienteste Wolkenkratzer der Welt sein.