Märkte & Chancen

 

Altersvorsorge

Bereit für den Wandel

Deutschland altert, die Rentenleistungen werden bescheidener ausfallen – so viel steht fest. Aber wer in sich und seine Zukunft investiert, kann der demografischen Entwicklung gelassener entgegensehen.
Von „Schock“ und „ungebremstem Fall“ war zu lesen, als im September Berechnungen aus dem Bundesarbeitsministerium zur gesetzlichen Rente publik wurden. Bis 2025 werde das Rentenniveau im Vergleich zu heute um etwa 10 Prozent nachgeben, so die Kalkulation. Keine erfreulichen Aussichten, wenn man bedenkt, dass die durchschnittlichen Bezüge in Westdeutschland schon gegenwärtig mit 969 Euro für Männer und 500 Euro für Frauen alles andere als üppig sind. Im Osten sind es 1.019 beziehungsweise 700 Euro. Dennoch machte das Ministerium zu Recht darauf aufmerksam, dass die zu erwartenden Rückgänge bereits lange bekannt sind.
Seit im Jahr 2005 der Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt wurde, der bei Rentenanpassungen das Verhältnis von Beitragszahlern zu Beziehern berücksichtigt, steigen Renten langsamer als Einkommen. „Das ist faktisch die größte Rentensenkung der deutschen Geschichte“, meint der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen. Dafür sind aber, urteilt der Experte, „drei Viertel des Reformwegs“ der Rentenversicherung geschafft. Bis 2030 hält er keine einschneidenden Maßnahmen mehr für notwendig. Die Leistungen von morgen sind zwar begrenzt, aber kalkulierbar – jeder hat genügend Zeit, um sich auf die Entwicklung einzustellen.
„Je früher und gezielter man Vorsorge betreibt, desto geringer ist der Aufwand für einen finanziell sorgenfreien Lebensabend“, erklärt Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der DekaBank. Welche Aspekte rund um die Themen Ruhestand und Vorsorge besonders wichtig sind, beleuchtet fondsmagazin in zehn Punkten.

1. Ziele bestimmen

Wofür will ich eigentlich vorsorgen? Idealerweise steht diese Frage am Anfang der Planung. Altersarmut zu vermeiden, ist das Minimalziel, aber der Mensch strebt nach mehr: unabhängig bleiben, tun und lassen, was man will, Hobbys pflegen, reisen, sich selbst und anderen Wünsche erfüllen. Viele Ziele hängen auch von den finanziellen Reserven ab. Wer sich diese Tatsache konkret ins Bewusstsein ruft, wird das langfristige Projekt der Altersvorsorge motivierter angehen. Er oder sie lässt sich nicht so leicht vom Weg abbringen und plant ambitionierter: Was soll wann auf welche Weise erreicht werden?

2. Jünger, aktiver, zufriedener

Der Lebensabend kann ganz schön lang werden, das sollte man bei der Planung der privaten Altersvorsorge nicht vergessen. Denn die durchschnittliche Rentenbezugsdauer ist von gut zehn Jahren 1960 auf über 18 Jahre 2010 gestiegen – der höheren Lebenserwartung sei Dank. Und die Senioren genießen die gewonnene Zeit. Das Deutsche Zentrum für Altersfragen konstatiert: „Die meisten Menschen in der zweiten Lebenshälfte sind zufrieden.“ Vor allem die über 55 – und das, obwohl wir Deutschen doch bisweilen den Ruf haben, freudlose Nörgler zu sein. Alter ist ohnehin relativ, stellt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung fest: Wer über 70 ist, fühlt sich im Schnitt 13 Jahre jünger. Entsprechend agil ist die „Generation Silber“. Zu ihren häufigsten Aktivitäten gehören Ausflüge, Freunde oder Verwandte besuchen, einkaufen und sich in Gruppen engagieren, hat die Gesellschaft für Konsumforschung ermittelt. Die Rentner von morgen werden noch aktiver als die jetzigen sein. Der „Herbst des Lebens“ ist nicht trist und grau.

3. In Form bleiben

Für einen bunten Lebensabend ist eine gute Konstitution von Vorteil. Zukunftsforscher Matthias Horx vertritt seit Jahren die Meinung, dass Senioren zunehmend selbst Verantwortung für sich und ihren Körper übernehmen: „Aus Patienten werden gesundheitsbewusste Konsumenten.“ Zahlen bestätigen seine Einschätzung: Eine Befragung im vergangenen Jahr kam zu dem Ergebnis, dass 34 Prozent der Deutschen sehr auf ihre Gesundheit achten. Zehn Jahre zuvor waren es erst 24 Prozent. Wer es sich leisten kann, legt im Alter noch mehr Wert auf gesunde Ernährung, treibt Sport, nimmt vorbeugende Behandlungen in Anspruch oder verbringt seinen Urlaub im Wellnesshotel.

4. An die Arbeit

Nichtstun kann krank machen, hat das Deutsche Zentrum für Altersfragen ermittelt. Je früher Menschen vor der Altersgrenze in Rente gehen und je unfreiwilliger der Ruhestand einsetzt, desto größer ist die Gefahr gesundheitlicher Schäden. Überhaupt verliert ein frühes Rentnerdasein an Reiz. Die Quote der 55- bis 64-Jährigen, die noch in Lohn und Brot stehen, stieg von 37,7 Prozent im Jahr 1998 auf 57,7 Prozent 2010. Viele arbeiten länger – auch für eine höhere Rente. Übrigens ist niemand gezwungen, seinen Rentenantrag mit 65 zu stellen. Sind sich Chef und Arbeitnehmer einig, können sie den Arbeitsvertrag verlängern. Auf diese Weise steigt zugleich der Rentenanspruch um 0,5 Prozent pro Extramonat. Um dem demografischen Wandel Paroli zu bieten, reicht das jedoch bei Weitem nicht.

5. Fakten erkennen

Wenn ab 2018 die Babyboomer, die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1965, in Rente gehen, wird sich der Wandel in der Bevölkerungsstruktur immer deutlicher zeigen. 2030, so eine Studie der Statistikbehörde Eurostat, hat Deutschland dann den höchsten Rentneranteil in der Europäischen Union – mehr als 28 Prozent der Bürger werden zu diesem Zeitpunkt über 65 Jahre alt sein. Heute gehören 21 Prozent zu dieser Altersgruppe. Die Schwierigkeit für das Rentensystem: Die Beiträge der Berufstätigen fließen unmittelbar an die Rentner – Umlageverfahren heißt dieses Prinzip. Wenn es nun immer mehr Menschen gibt, die aus dem Topf bedient werden, aber weniger, die einzahlen, gerät das System in Schieflage. Im Jahr 2010 musste der Bund bereits mehr als 80 Milliarden Euro zuschießen, um das Gleichgewicht wiederherzustellen. Aber Deutschland ist hochverschuldet, die Grenzen der Leistungsfähigkeit sind erreicht, Eigenverantwortung rückt in den Mittelpunkt.
Belastung für das System: Künftig müssen weniger Beitragszahler für mehr Rentner aufkommen. Das Rentenniveau sinkt.

6. Alle Hebel in Bewegung

Die Rentenlücke fällt umso größer aus, je höher das Gehalt ist. Das „Handelsblatt“ rechnete kürzlich Beispielfälle durch, unter anderem von einer Familie mit Kind und einem 50-jährigen Alleinverdiener, der aktuell auf ein Jahresgehalt von 66.000 Euro brutto kommt. Strebt dieser Mann 3.870 Euro (70 Prozent seines letzten Nettolohns vor dem Ruhestand) monatlich als Alterseinkünfte an, müsste er gut 2.000 Euro pro Monat durch private Vorsorge beisteuern. Bei derartigen Größenordnungen ist strategisches Vorgehen gefragt, um die finanziellen Reserven optimal einzusetzen. Genau dies leistet das Sparkassen-Finanzkonzept. Auf eine Analyse der finanziellen Ausgangssituation folgt eine ganzheitliche Beratung, welche Maßnahmen den größten Erfolg versprechen. Wer seinen persönlichen Vorsorgeaufwand ermitteln will, kann den neuen „Kurzrechner Rentenlücke“ nutzen.

7. Chancen nutzen

Das Manko in Deutschland ist nicht der fehlende Wille, Geld beiseitezulegen. 81 Prozent der 30- bis 59-Jährigen, also die Rentner von morgen, beschäftigen sich mit „Maßnahmen zur Absicherung ihrer finanziellen Zukunft“, so das Vermögensbarometer des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands. Die Wahl fällt allerdings oft einseitig auf sicherheitsorientierte Sparformen wie Tagesgeld. Damit ist aber in der anhaltenden Niedrigzinsphase ein realer Vermögenszuwachs fast unmöglich. Mit Fondssparplänen gehen zwar Kursrisiken einher, doch auf lange Sicht zahlen sie sich meist aus. So konnten Anleger mit Sparplänen auf deutsche Aktienfonds nach 30 Jahren selbst dann noch durchschnittlich 6,4 Prozent Rendite pro Jahr erwirtschaften, wenn sie diese zum Jahreswechsel 2008/2009 aufgelöst hätten – mitten in der Finanzmarktkrise.** Sparraten von 100 Euro monatlich wären zu einem Vermögen von über 105.000 Euro angewachsen. Läge die Rendite beispielsweise bei 3 Prozent, kämen wenig mehr als 58.000 Euro heraus.
** Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.

8. Fördern und fordern

Sparer sollten neben der Rendite auch auf steuerliche Regeln achten. Seit sechs Jahren ist die „nachgelagerte Besteuerung“ in Kraft. Für 2011 sind demnach 62 Prozent der Altersbezüge zu versteuern. Bis zum Jahr 2040 steigt dieser Anteil schrittweise auf 100 Prozent. Im Gegenzug fördert der Staat während des Erwerbslebens die Zahlungen an die gesetzlichen Rentenkassen, an die Krankenkassen aber auch Beiträge für Rürup-Renten und in bestimmten Fällen für Riester-Renten mit einem Sonderausgabenabzug. Die geförderten Beitragshöchstgrenzen liegen für Ledige bei 20.000 Euro pro Jahr, für Ehepaare bei 40.000 Euro. 2011 können davon 72 Prozent abgesetzt werden. Bis zum Jahr 2025 steigt der Anteil jährlich um 2 Prozentpunkte auf 100 Prozent.
  Arbeitnehmerbeitrag zur RV 4.975 €
+ Arbeitgeberbeitrag zur RV 4.975 €
+ Jahresbeitrag zur Deka-BasisRente 2.400 €
=   12.350 €
  davon 72 % im Jahr 2011 8.892 €
- Arbeitgeberbeitrag 4.975 €
= absetzbarer Vorsorgeaufwand 2011 3.917 €
Der Sonderausgabenabzug: Das Beispiel zeigt, wie eine ledige Angestellte mit 50.000 Euro brutto pro Jahr ihre Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und zu einem Rürup-Vertrag absetzen kann.

9. Tempo machen

Riester-Verträge punkten mit ihrer staatlichen Förderung: 154 Euro Grundzulage plus 185 Euro Kinderzulage beziehungsweise 300 Euro für ab 1.1.2008 geborene Kinder. 200 Euro einmaligen Bonus erhalten Riester-Sparer unter 25. Sparer, die bis zum 31.12.2011 einen Riester-Vertrag abschließen, können nach Vollendung des 60. Lebensjahrs mit der Auszahlungsphase starten. Wer bis zum 1.1.2012 wartet, beginnt frühestens am 62. Geburtstag. Diese Änderung gilt auch für Riester-Sparpläne, bei denen keine Zulagen fließen. Hier liegt die Förderung für den Sparer darin, dass nach mindestens zwölf Jahren Laufzeit der Wertzuwachs nur zur Hälfte mit dem persönlichen Einkommensteuersatz zu versteuern ist.*** Außerdem genießt auch dieser „12/60-Sparer“ in der Ansparphase vollen Kapitalschutz auf alle Einzahlungen, und Erträge werden abgeltungsteuerfrei wieder investiert. Während mit Deka-ZukunftsPlan die Anlage täglich kundenindividuell kontrolliert und bei Bedarf umgeschichtet wird, ist Deka-BonusRente eine Lösung für Sparer mit klar gegliedertem Anlagemodell nach Restlaufzeit.
*** Bei Nichteinhaltung der Voraussetzungen erfolgt eine volle Versteuerung der Erträge mit dem individuellen Steuersatz.

10. Innovative Antworten

Die Kapitalmärkte machen es Anlegern derzeit nicht einfach, Vermögen aufzubauen. Die DekaBank hat deshalb mehr als ein Jahr an einer neuen Generation des Vermögensmanagements gearbeitet: Deka-Vermögenskonzept. Dieses streut breit über Anlagen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Immobilien. Die Mischung kann immer wieder an das Marktumfeld oder die aktuellen Bedürfnisse des jeweiligen Anlegers angepasst werden. Das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Sparer wird ebenfalls berücksichtigt: Jederzeit zu- und wieder abschaltbare Depotstrategien wie etwa Kapital- oder Gewinnerhalt können in kritischen Marktphasen eingesetzt werden, um erzielte Erträge abzusichern. Das innovative Vermögensmanagement folgt einer Maxime, die generell zur privaten Vorsorge passt: alle Register ziehen, um die eigenen Ziele zu erreichen. Egal, ob es um die Traumreise geht oder darum, später tun und lassen zu können, was man will – der Aufwand lohnt sich.
Aussagen gemäß aktueller Rechtslage, Stand Oktober 2011. Die steuerliche Behandlung der Erträge hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Anlegers ab und kann auch rückwirkenden Änderungen (z. B. durch Gesetzesänderung oder geänderte Auslegung durch die Finanzverwaltung) unterworfen sein.
 

Interview

„Altersvorsorge braucht einen langen Atem“

Gelassen betrachtet der Ökonom Axel Börsch-Supan den demografischen Wandel. Mit konsequenter Vorsorge sei dieser gut zu meistern.
Prof. Axel Börsch-Supan ist Direktor des MEA – Munich Center for the Economics of Aging am Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik.

Gerade junge Menschen haben kaum Vertrauen in die gesetzliche Rentenversicherung. Bei einer Umfrage unter Studenten sagten 93 Prozent, sie glaubten nicht, dass die gesetzliche Rente ihre Grundversorgung decken wird. Ist dieser Pessimismus gerechtfertigt?

Ganz und gar nicht. Es wird ja nur das relative Rentenniveau – Durchschnittsrente geteilt durch Durchschnittslohn – gekürzt, nicht die Rente selbst. Die Kaufkraft wird sich sogar erhöhen, eben nur nicht so sehr wie die Kaufkraft der Löhne. Aber auch das relative Niveau lässt sich halten, indem man etwa konsequent eine Riester-Rente bespart.

Wann wird der Tiefpunkt beim relativen Niveau der gesetzlichen Rente erreicht?

Das wird in Deutschland voraussichtlich im Jahr 2035 sein, danach werden die Leistungen in etwa konstant bleiben. Ruheständler müssen dann im Vergleich zu heute mit Abschlägen von ungefähr 18 Prozent rechnen. Gleichzeitig werden die Erwerbstätigen circa 3 bis 4 Prozentpunkte höhere Rentenversicherungsbeiträge zahlen müssen. Das ergibt eine finanzielle Belastung ähnlich der, die auch die Rentner tragen. Ich denke daher, dass ein gerechter Ausgleich zwischen den Generationen gefunden wurde.

Ist unser Rentensystem zukunftsfest, oder bleiben Aufgaben für den Gesetzgeber?

Erstens sind die Reformen von 2001 bis 2005 teilweise noch nicht umgesetzt. So wurde durch die Rentengarantie 2009 der Nachhaltigkeitsfaktor ausgesetzt, dessen Wirkung in den kommenden Jahren nachgeholt werden müsste, damit die notwendige Anpassung an den demografischen Wandel auch funktioniert. Zweitens ist Altersarmut zwar heute noch kein sozialpolitisches Problem – so ist derzeit die Armutsgefahr etwa für Alleinerziehende viel größer. Dennoch muss die Politik hier ein wachsames Auge haben.

Was halten Sie vom Vorschlag, angesichts der alternden Gesellschaft das Renteneintrittsalter von 67 auf 69 Jahre anzuheben?

Wir sollten erst einmal die Rente mit 67 umsetzen. Es ist fair, wenn Menschen, die länger leben, auch etwas länger arbeiten. Man darf nicht vergessen: Bis zum Jahr 2030, wenn das Rentenalter 67 Jahre beträgt, dürfte die Lebenserwartung um drei Jahre gestiegen sein. Die durchschnittliche Rentenbezugsdauer wird sich also trotz der Anhebung des Rentenalters um etwa ein Jahr verlängern.

Die Erkenntnis, dass private Vorsorge wichtig ist, hat sich durchgesetzt. Gilt das genauso für die Umsetzung in die Praxis?

Nicht immer. Insbesondere im unteren Einkommensbereich gibt es Nachholbedarf bei der Riester-Rente. Hier werden Chancen und Subventionen nicht hinreichend genutzt, insgesamt ist die Tendenz aber positiv. Die Riester-Rente ist zu einem international gewürdigten Modell dafür geworden, wie behutsam etwas mehr Kapitaldeckung in ein umlagefinanziertes Rentensystem eingeführt werden kann. Solch ein Übergang braucht rund 30 Jahre. Davon waren die ersten zehn sehr erfolgreich, weil sich schon über die Hälfte der Haushalte daran beteiligt.

Viele Sparer sind aufgrund der Marktturbulenzen der vergangenen Jahre vorsichtig, was Aktieninvestments angeht. Halten Sie diese Zurückhaltung für berechtigt?

Nein, denn langfristig ist die Rendite von Unternehmensbeteiligungen so hoch wie die Produktivitätsgewinne dieser Unternehmen. Und ich bin davon überzeugt, dass die Unternehmen ihre Produktivität steigern werden. Es braucht jedoch einen langen Atem: Altersvorsorge ist nichts, um kurzfristig Geld zu scheffeln, sondern um die Versorgung im Alter abzusichern.

Schlagworte wie „demografischer Wandel“ oder „Alterung der Gesellschaft“ wecken oft negative Assoziationen. Hat der demografische Wandel denn keine guten Seiten?

Der demografische Wandel hat sogar vorwiegend gute Seiten: Wir leben länger und bleiben länger gesund. Leider werden diese erfreulichen Aspekte bei uns zu oft durch die von Ihnen angesprochenen fälschlich negativen Assoziationen überdeckt. Die positiven Seiten helfen uns ja gerade, dass wir uns an dieses längere Leben anpassen können.

Was sind die größten Unterschiede zwischen den Senioren von gestern und heute?

Die 70-Jährigen von heute sind so fit wie die 60-Jährigen vor vier Jahrzehnten – und es ist kein Ende dieser positiven Entwicklung abzusehen.
 

Pharmabranche

Bis ins Detail

Die großen Entwicklungen der Zukunft, die sogenannten Megatrends, eröffnen Absatzchancen für zahlreiche Unternehmen. Davon profitieren auch die Pharma- und die Medizintechnikbranche.
Es rauschte im Ohr, knackte und pfiff. Besonders schön sahen die fleischfarbenen Plastikteile hinterm Ohr auch nicht aus, und oft störten sie mehr, als dass sie halfen. „Dann doch lieber nicht so genau verstehen, was um mich herum geredet wird“, dachten sich in der Vergangenheit viele Betroffene und verschoben die Anschaffung eines Hörgeräts auf später. „Heute haben Hörgeschädigte Minicomputer im Ohr, in denen Hochtechnologie eingebaut ist“, sagt Jakob Stephan Baschab, Hauptgeschäftsführer der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker. Moderne Hörhelfer passen sich den Geräuschumgebungen an, und spezielle „In-Ohr-Modelle“ verschwinden unauffällig im Gehörgang. „Dank kleiner Chips und neuer Materialien ist die Bereitschaft, Hörgeräte zu kaufen, deutlich gestiegen – und mit ihr die Lebensqualität der Betroffenen“, erklärt Michael Schneider, bei der Deka Investment verantwortlich für das Management des Aktienfonds Deka-MegaTrends.

Medizintechnik für mehr Rendite

Schneider kennt die Trendbranchen gut, analysiert er doch die Unternehmen bis ins Detail, bevor er Aktien für seinen Fonds kauft. Einer der Gewinner im Portfolio ist das Schweizer Unternehmen Sonova. Während der Hersteller von Hörgeräten und -implantaten vor fünf Jahren noch einen Umsatz von umgerechnet mehr als 820 Millionen Euro erzielte, stiegen die Erlöse im abgelaufenen Geschäftsjahr 2010/11 auf mehr als 1,3 Milliarden Euro. „Aufgrund der demografischen Entwicklung stehen die Chancen gut, dass Sonova auch in den kommenden Jahren kräftige Wachstumsraten aufweisen wird“, meint Fondsmanager Schneider.
Die Demografie – bis 2050 wird die Weltbevölkerung voraussichtlich von rund 7 auf 9,3 Milliarden Menschen wachsen – spielt sowohl der Pharma- als auch der Medizintechnikbranche in die Karten. Zumal auch die Lebenserwartung angestiegen ist und Prognosen zufolge weiterhin zulegen wird. In den Industrieländern nahm sie im Verlauf des 20. Jahrhunderts um mehr als 30 Jahre zu. Zudem leben die Menschen heute gesundheitsbewusster. „Ihre Bereitschaft, verstärkt in die eigene Gesundheit zu investieren, steigt“, erwartet Holger Fechner, Aktienanalyst der Nord/LB.
In den Schwellenländern sollte die Gesundheitsbranche davon profitieren, dass sich mit steigendem Wohlstand mehr Menschen überhaupt eine medizinische Versorgung leisten können. Beispiel Indien: Dort kommen erst rund 20 Prozent der etwa 1,2 Milliarden Einwohner in den Genuss einer ärztlichen Versorgung. „Mit der positiven Wirtschaftsentwicklung wird sich dieser Anteil schnell vergrößern und entsprechende Wachstumschancen für die Industrie bieten“, ist Analyst Fechner überzeugt.

Risiken und Nebenwirkungen

Wo Wachstumschancen locken, lauern auch Gefahren – das gilt insbesondere für die Pharmabranche. Problematisch ist, dass allein in den kommenden sechs Jahren weltweit Patente im Wert von etwa 190 Milliarden Euro auslaufen und günstigere Generika den Markt überschwemmen werden.
Zu schaffen macht den Pharmaunternehmen auch, dass sich die bereits existierenden Technologien und Medikamente nur noch in kleinen Schritten verbessern lassen, was zudem sehr kostspielig ist. „Die Ausgaben für Forschung und für die Entwicklung neuer Produkte sind in den vergangenen Jahren bereits kräftig angestiegen und werden auch künftig zulegen“, so Fondsmanager Schneider. Nur wer mit Innovationen und passenden Geschäftsmodellen aufwarten kann, wird auch in Zukunft Gewinne erzielen.
Norbert Hültenschmidt, Leiter Global Healthcare bei der Unternehmensberatung Bain & Company, erwartet in der Gesundheitsbranche „in den nächsten zehn Jahren mehr Veränderungen als in den 50 Jahren zuvor“. Als Wachstumstreiber gelten Fusionen und Übernahmen. Nicht von ungefähr liegt der Akquisitionsfokus der großen Pharmakonzerne auf Biotechnologie-Unternehmen. Beispielsweise erwartet der französische Anbieter Sanofi durch die Übernahme des US-amerikanischen Biotech-Unternehmens Genzyme im Frühjahr 2011 eine Gewinnsteigerung von 15 Prozent in den nächsten zwei Jahren. Nicht ganz so kräftig wird wohl das Wachstum der etablierten Pharmakonzerne ausfallen. „In den kommenden zehn Jahren wird es in etwa dem weltweiten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts entsprechen“, schätzt Fondsmanager Schneider. Die Schwellenländer könnten der Entwicklung Auftrieb geben. So werden 2011 laut einer Prognose der Beratungsgesellschaft IMS Health die Pharmamärkte in prosperierenden Staaten wie Brasilien, China oder Indien im Durchschnitt um 15 bis 17 Prozent zulegen.

Investment mit Zukunft

Die Demografie mit ihrer steigenden Bedeutung für die Gesundheitsbranche ist nur einer von mehreren Megatrends der Zukunft. Für Anleger, die die gesamte Bandbreite aussichtsreicher Branchen abdecken möchten, bietet sich ein breit streuender Fonds wie Deka-MegaTrends an. Der Aktienfonds investiert in Unternehmen, die von globalen Megatrends besonders profitieren. Dazu zählen etwa Konzerne aus dem IT-Bereich und dem Gesundheitssektor sowie Unternehmen, die in der Landwirtschaft oder in der Energiebranche tätig sind. Fakt ist: An der Börse werden die einzelnen Megatrends nicht jederzeit gleichermaßen honoriert, sodass auch Verluste möglich sind. Ein auf mehrere Zukunftsthemen verteiltes Investment kann das Verlustrisiko zwar nicht ausschließen, aber eindämmen und deshalb unter dem Strich die bessere Wahl sein.
Fondsauswahl

Deka-MegaTrends

Der Aktienfonds investiert weltweit in Unternehmen, die von globalen Trends profitieren. Durch die Fokussierung des Anlageuniversums kann der Fondspreis erhöhten Schwankungen unterliegen.
Konditionen: Deka-MegaTrends CF (ISIN DE0005152706), Ausgabeaufschlag 3,75 %, Verwaltungsvergütung 1,25 % p.a., laufende Kosten 1,44 %;
Deka-MegaTrends TF (ISIN DE0005152714), kein Ausgabeaufschlag, Verwaltungsvergütung (einschließlich Vertriebsprovision) 1,97 % p.a., laufende Kosten 2,22 %

Sie möchten weitere Infos? Dann mailen Sie Ihre Anschrift und als Stichwort den Fondsnamen an fondsmagazin@deka.de. Oder besuchen Sie www.deka.de.

 

Roundtable

Neue Regeln für Europa

Drei Experten der DekaBank und die Berliner Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot diskutieren über Wege aus der Schuldenkrise. Stand der Diskussion ist Ende Oktober 2011 – kurz nach dem zweiten Gipfeltreffen zum Rettungsschirm EFSF.

Die Teilnehmer von links: Dr. Ulrich Kater (Chefvolkswirt der DekaBank), Joachim Schallmayer (Aktien Global Developed Markets, Deka Investment), Gerald Goedel (Renten Euroland/Europa, Deka Investment) und Politikwissenschaftlerin Dr. Ulrike Guérot, Leiterin des Berliner Büros des European Council on Foreign Relations.

fondsmagazin: Die 17 Euroländer haben sich auf die Erweiterung des Rettungsschirms geeinigt. Wendet sich das Blatt nun zum Positiven?

Ulrich Kater: Die Beschlüsse gehen in die richtige Richtung, sie stellen aber keinen Durchbruch dar. Vielmehr bleiben sie innerhalb des bisherigen Musters kleiner bis mittelgroßer Schritte – die Politiker probieren Anti-Krisenmaßnahmen aus und überarbeiten sie wieder. Damit ist auch jetzt zu rechnen, denn bei den beschlossenen Maßnahmen steckt der Teufel im Detail. Die Hebelung des EFSF wollen die Politiker beispielsweise erreichen, indem sie internationale Großinvestoren mit ins Boot holen. Ob diese sich im gewünschten Umfang am Rettungsschirm beteiligen werden, hängt aber von den noch nicht im Detail definierten Konditionen ab.
Gerald Goedel: Was bisher zur Ausgestaltung des Hebels bekannt ist, erscheint jedenfalls kompliziert und nicht unbedingt attraktiv für Investoren. Auch zum freiwilligen Schuldenschnitt Griechenlands und zur Rekapitalisierung der Banken bleiben Fragen offen. Erst wenn die Antworten geliefert werden, lassen sich die Ergebnisse abschließend bewerten. Deshalb würde ich noch nicht von einer Wende sprechen. Dafür fehlt es mir auch an einer grundlegenden Vision für die Europäische Union. Wohin steuert Europa?
Ulrike Guérot: Die Politik macht mit Zwischenschritten weiter, bis die Folgen einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands besser abschätzbar sind. Dann wird wohl versucht, das übrige System mit Eurobonds – also Anleihen, für die alle Euromitglieder haften – hermetisch gegen den Druck der Finanzmärkte abzuriegeln. Damit einher geht die Schaffung einer Fiskalunion in der Eurozone. Ich veranschlage den Zeitrahmen dafür auf etwa zwei Jahre, was sich von wichtigen politischen Terminen ableiten lässt: Den französischen Präsidentschaftswahlen 2012, den Bundestagswahlen 2013 und dem Start des dauerhaften Rettungsmechanismus ESM im Juni 2013.
Joachim Schallmayer: Bei den Eurobonds möchte ich widersprechen. In Deutschland werden sie nur schwer durchzusetzen sein. Andererseits kann die Aufstockung des Rettungsschirms EFSF alleine die Märkte wohl auch nur vorübergehend beruhigen.
Ulrich Kater: Drei Worte von der EZB würden den Druck an den Kapitalmärkten vermindern: „Wir kaufen unlimitiert.“ Die Bundesbank stemmt sich jedoch mit aller Macht dagegen. Sie argumentiert: „Wenn wir diese drei Worte aussprechen, dann werden die Länder der Südschiene jegliche Motivation verlieren, einen Konsolidierungskurs einzuschlagen oder beizubehalten.“ Und dieser Konsolidierungskurs ist wichtig. Die Vergangenheit hat eben gezeigt, dass die Zusammenarbeit souveräner Staaten in einer Währungsunion nicht funktioniert, wenn diese sich nicht an die Regeln halten. Wir brauchen neue Regeln, oder wir lassen den Euro sein.
Ulrike Guérot: ... mit schwerwiegenden Folgen für Deutschland. Es gibt Berechnungen, dass uns die Rettung Griechenlands wesentlich günstiger kommt als das Ende des Euro. Scheitert der Euro, könnten wir bis zu 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verlieren.
Joachim Schallmayer: Ich sehe kein Scheitern der Gemeinschaftswährung. Man darf nicht vergessen: Griechenland macht nur 2 Prozent des Sozialprodukts der Eurozone aus. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass wir innerhalb kurzer Zeit eine Fiskalunion auf den Weg bringen. Denn wir reden da von einem sehr komplexen System mit einheitlicher Steuererhebung.
Ulrike Guérot: Die Tabuthemen gehören dennoch auf den Tisch. Das Recht der nationalen Parlamente, ihre Haushalte alleine zu bestimmen, müssen wir zumindest partiell durchbrechen. Im Vertrag von Maastricht wurden Währung und Markt auf die europäische Ebene gehoben, der Staat aber auf der nationalen Ebene belassen. Das führte zu extremen Verwerfungen. Natürlich lässt sich das nicht über Nacht beheben. Für Eurobonds müsste man das Grundgesetz ändern, und sie wären nur mit einer Überarbeitung der europäischen Verträge zu haben, also mit einem Prozess von Ratifikationen in allen Euroländern.
Ulrich Kater: Ich sehe ein politisches Vakuum. Niemand erklärt dem Bürger, warum das alles geschehen soll. Stattdessen wird er medial mit Zahlungsaufforderungen für Europa überschüttet. Denn es ist absehbar, dass die staatlichen Bürgschaften teilweise zu Zahlungen führen werden.

Brauchen wir eine gemeinsame europäische Wirtschaftsregierung?

Ulrike Guérot: Der Begriff Wirtschaftsregierung greift zu kurz. Wenn der französische Präsident 1 Million Euro pro Tag für den Militäreinsatz in Libyen ausgibt, dann wirkt sich das auf den Haushalt aus. In einer Währungsunion müsste also auch gemeinsam über Krieg und Frieden entschieden werden, weil Kriege budgetrelevant sind.
Ulrich Kater: In jedem Fall muss der Pfad der politischen Integration Europas vorangetrieben werden – unter demokratischen Regeln. Und wir brauchen einen Paradigmenwechsel in der Finanz- und Wirtschaftspolitik der Euroländer. Denn die eigentlichen Ursachen für die Krise in der Eurozone sind zu hohe Staatsschulden in Kombination mit einer zu geringen Wirtschaftsdynamik. Diese Probleme lassen sich nicht auf einem Gipfeltreffen lösen.
Joachim Schallmayer: Wir verlagern mit der Aufstockung der Rettungsmaßnahmen das Problem in die Zukunft und könnten in zwei Jahren vor einem noch größeren Scherbenhaufen stehen. Die Eurozone sollte deshalb parallel auf eine strikte Einhaltung von Defizitgrenzen in den Mitgliedsländern achten, die Schuldentragfähigkeit prüfen und im Zweifel für eine geordnete Insolvenz mittels eines Schuldenschnitts votieren.

Wechseln wir zur Anlegerperspektive: Die Eurozone ist in vielen Fondsportfolios ein Schwerpunkt. Müssen die Anleger umdenken?

Joachim Schallmayer: Es ist sehr schade, dass die europäischen Unternehmen in der Staatsschuldenkrise in Sippenhaft genommen werden. Dabei hängt ihr Wohl beileibe nicht nur von Europa ab. Vielmehr geben Länder wie China und Brasilien wichtige Wachstumsimpulse. Daher schwanken die Gewinne der Aktiengesellschaften auch nicht so stark wie ihre Kurse. Trotzdem beobachten wir selbst bei institutionellen Anlegern zurzeit sehr geringe Aktienquoten. Ich halte das für falsch, da Unternehmensbeteiligungen Realwerte darstellen, die im Moment günstig bewertet sind.

Wie ist die Situation bei Anleihen?

Gerald Goedel: Wir investieren mit unseren Rentenfonds vor allem in Kernländer wie Deutschland, Frankreich, Niederlande und Finnland, die sich 2011 positiv entwickelt haben. Selbstverständlich sind auch Anleihen aus Italien und Spanien in den Portfolios vertreten. Es gehört zum aktiven Fondsmanagement, dass wir Chancen und Risiken erkennen und die Gewichtungen stets danach ausrichten.
Ulrike Guérot: Die Europäische Union als Ganzes gibt ja durchaus ein positives Bild ab: 1.300 Billionen Euro an Liquidität, 500 Millionen Konsumenten, 85 Prozent Schuldenquote und 6 Prozent Haushaltsdefizit im Jahr 2011. Das sind bessere Daten als beispielsweise in den USA.
Gerald Goedel: Allerdings kann Wahrnehmung zur Realität werden. Und die Wahrnehmung Europas ist, vor allem beeinflusst durch angelsächsische Medien, zurzeit sehr negativ. Die Gefahr besteht, dass sich die Erwartungen selbst erfüllen. Aber ich würde auch sagen, dass die Eurozone besser dasteht als die USA, Japan oder Großbritannien.
Joachim Schallmayer: Was Kerneuropa betrifft, stimme ich zu. Für den einen oder anderen Peripheriestaat gilt das aber nicht.
Ulrike Guérot: Natürlich müssen die Griechen wieder auf Kurs kommen, effizienter Steuern eintreiben und auch produktiver werden. Aber Griechenland wird selbst nach erfolgreichen Reformen nicht dastehen wie Deutschland. So eine Erwartung ist illusorisch. Im Grunde geht es darum, dass wir die EU als einen Solidarraum begreifen, ähnlich wie die Bundesrepublik mit dem Länderfinanzausgleich.

Der Rettungstopf

Am 7. Juni 2010 wurde die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) mit Sitz in Luxemburg gegründet. Dieser Rettungsschirm vergibt Kredite an finanziell geschwächte Eurostaaten. Im Oktober 2011 wurden die Befugnisse der EFSF erweitert (siehe unten). Die Staaten der Währungsunion stellen für die EFSF Garantien von 780 Milliarden Euro bereit. Deutschlands Anteil liegt bei 211 Milliarden Euro. Die hohen Garantien und die damit verbundenen erstklassigen Ratings ermöglichen es der EFSF, Anleihen zu niedrigen Zinssätzen zu platzieren. Bis zu 440 Milliarden Euro kann die EFSF am Kapitalmarkt aufnehmen, davon stehen noch gut 250 Milliarden Euro zur Verfügung. Um die Finanzkraft auf etwa 1 Billion Euro zu hebeln, versucht die EFSF, Großinvestoren für den Kauf von Anleihen aus Krisenländern zu gewinnen. Dazu will sie den Geldgebern voraussichtlich Ausfallversicherungen in Höhe von etwa 20 Prozent des eingesetzten Kapitals bieten.
 

Szenarien für die Eurozone

In der Debatte um die Zukunft der Währungsgemeinschaft sagen Experten unterschiedlichste Entwicklungen vorher. Die Teilnehmer beim fondsmagazin-Roundtable tendieren mit ihren Aussagen in Richtung der Szenarien 2 und 3.
Szenario 1

Alles nach Plan

Dieses Szenario skizziert die Lösung der Staatsschuldenkrise, wie sie die Politiker in Euroland anstreben: Die Stabilisierungsmaßnahmen der EFSF greifen. Auch weil Hilfen an die Umsetzung strenger Spar- und Reformvorhaben geknüpft werden, gewinnen die Peripherieländer an Wettbewerbsfähigkeit. Zuerst schüttelt Irland die Krise ab, dann Portugal. Spanien sowie Italien leiten noch rechtzeitig Strukturreformen ein. Griechenland hat zwar für längere Zeit Probleme, profitiert aber vom Schuldenschnitt und von dem europäischen Infrastrukturprogramm. Nach und nach vereinbaren sämtliche Eurostaaten eine Schuldenbremse. Ein neuer Stabilitätspakt sieht schärfere Sanktionen für Defizitsünder vor. Internationale Investoren honorieren die Anstrengungen. Der Euro festigt seinen Status als zweite Weltleitwährung neben dem US-Dollar.
Szenario 2

Griechenland zahlungsunfähig

Die Rezession in Griechenland verschärft sich wegen der rigiden Sparmaßnahmen. Die Überschuldung kann trotz der Hilfen durch die EFSF und den Schuldenschnitt nicht entscheidend abgebaut werden. Griechenland muss seine Insolvenz erklären. In der Folge sei auch in Portugal ein Zahlungsausfall wahrscheinlich, urteilt Kenneth Rogoff, der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds. Rogoff sagte zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung: „Die Europäer müssen dann an einem realistischen Punkt eine Linie ziehen, um die weitere Ansteckungsgefahr einzugrenzen.“ Die Umschuldungen werden für Staaten wie Deutschland und Frankreich kostspielig. „Aber eine Bankenpanik wäre viel teurer“, so Rogoff. In den übrigen Staaten gelingt eine Stabilisierung der Lage, und die Eurozone vertieft wie in Szenario 1 die politische Integration.
Szenario 3

Die Eurobonds kommen

Die Hilfsmaßnahmen der EFSF können die Märkte nicht beruhigen. Neben Griechenland und Portugal stehen auch Italien und Spanien weiter unter Druck. Als die Mittel der EFSF zur Neige gehen, beschließen die Regierungen der Eurostaaten die Einführung von Eurobonds. Sie werden von einzelnen Ländern begeben, aber von der gesamten Eurozone garantiert. „Sie würden das System stabilisieren“, urteilte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Die Zinsen der Eurobonds liegen nicht weit über dem Niveau von Bundesanleihen – sie verursachen somit keine hohen Kosten für Deutschland. „Allerdings müsste das Europäische Parlament die Haushalte von klammen Staaten absegnen“, so der Ökonom. „Als Ultima Ratio muss es die Möglichkeit geben, ein Land rauszuschmeißen, wenn es sich nicht an die Vorgaben hält.“
Szenario 4

Aufspaltung in Nord und Süd

Trotz EFSF klafft ein immer tieferes Loch zwischen der Leistungsfähigkeit der südlichen Volkswirtschaften und Staaten Kerneuropas wie Deutschland, Österreich oder Finnland. Im Norden der Eurozone setzt sich die Erkenntnis durch, dass die gemeinsame Währung zwangsläufig in eine Transferunion mündet. „Es wäre für alle Beteiligten besser, zwei Euroblöcke einzuführen“, schrieb der frühere Chef des Bundesverbands der Deutschen Industrie Hans-Olaf Henkel in einem Gastkommentar für das Handelsblatt. Die angeschlagene Peripherie gewinnt durch den niedrig bewerteten „Südeuro“ an Wettbewerbsfähigkeit. Der „Nordeuro“ wertet zwar auf, bietet so aber einen besseren Schutz vor Inflation. Henkel fasst zusammen: „Im Vergleich zu den Alternativen ergibt sich bei der Aufspaltung in zwei Währungen das geringere Risiko eines Chaos.“
 

Diversifikation

Streu gut!

Wie Anleger ihr Fondsdepot bei widrigen Marktbedingungen wetterfest machen.
Wenn Autofahrer vom Wintereinbruch überrascht werden, kommt es regelmäßig zu Blechschäden durch überhastete Brems- oder Lenkmanöver. Ähnliches passiert in Krisenzeiten an den Kapitalmärkten: „Nur raus“, denken viele Marktteilnehmer, ohne die finanziellen Verluste insbesondere bei langfristigen Anlagestrategien zu berücksichtigen. Dabei können ausbalancierte Portfolios selbst schwierigste Marktphasen bewältigen. Andreas Beck, Vorstand des Münchener Instituts für Vermögensaufbau, hat die Wirkung von Diversifikation – der Fachbegriff für Streuung – während der Finanzmarktkrise analysiert. Sein Ergebnis: „Ein Depot mit jeweils einem Fünftel Aktien, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Geldmarktpapieren und Rohstoffen hätte zwischen Anfang 2008 und Mitte 2009 zu keinem Zeitpunkt mehr als etwa 15 Prozent nachgegeben.“ Bereits im Frühjahr 2009 wendete sich das Blatt, und die Kurse stiegen auf breiter Front.

Keine Anlagealternativen

Zudem fehlen attraktive Anlagealternativen: Tages- oder Festgeldangebote werfen rund 1,5 Prozent Ertrag pro Jahr ab. Nach Abzug von Steuern und Inflation – im September 2011 lag die Teuerungsrate in Deutschland bei 2,6 Prozent – wird daraus aber ein Minusgeschäft. Alternativen wie das Edelmetall Gold werden zwar gerne als „sicherer Hafen“ bezeichnet, aber der Kurseinbruch Ende September von 15 Prozent innerhalb von drei Tagen verunsicherte die Anleger. Und wer sich für eine einzelne Immobilie als Kapitalanlage entscheidet, hat keine Gewähr, dass die gewählte Lage in 20 Jahren weiterhin attraktiv ist. Dann doch lieber einen Offenen Immobilienfonds als Basisinvestment für das breit gestreute Depot wählen. Denn der setzt nicht auf ein einzelnes Investmentobjekt, sondern auf eine Vielzahl.
So verteilt WestInvest InterSelect das Fondskapital auf über 100 Bürogebäude, Hotels und Einzelhandelsflächen. Zwar kann es trotzdem zu Kursschwankungen kommen, die breit aufgestellten Offenen Immobilienfonds der Deka bewähren sich aber seit Jahrzehnten als Depotstabilisator mit positiver Wertentwicklung.* Während der Finanzmarktkrise wurden günstige Gelegenheiten für Zukäufe genutzt. „Inzwischen steigen in vielen Metropolen wie Paris, London oder Warschau die Mieten wieder“, konstatiert Jochen Seppik von der Deka Immobilien. Insbesondere in Zeiten steigender Inflation können Offene Immobilienfonds über indexierte Mietverträge gute Basisrenditen erzielen.
* Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.
Auch Rentenfonds haben die Aufgabe, Depots zu stabilisieren. „Sie leisten aber mehr als das“, erklärt Frank Hagenstein, Leiter des Deka-Rentenfondsmanagements. „Anleihen steuern einen wichtigen Beitrag zur Gesamtrendite eines Portfolios bei.“ Laut Statistik des Fondsverbands BVI erreichten Euro-Rentenfonds in den vergangenen 30 Jahren durchschnittlich mehr als 6 Prozent Wertzuwachs pro Jahr.* Da sie oft auch dann positiv abschneiden, wenn die Aktienmärkte den Rückwärtsgang eingelegt haben, sind sie eine gute Ergänzung zu Aktienfonds. Das gilt selbst im Jahr der Staatsschuldenkrise 2011. „Trotz der Probleme mit Staatsanleihen aus Griechenland oder Italien notieren unsere großen Euro-Rentenfonds seit Jahresanfang klar im Plus“, so Hagenstein. Denn die in diesen Fonds hoch gewichteten Schuldverschreibungen aus Kerneuropa sind gefragt. Mit Blick auf das kommende Jahr erwartet Hagenstein zwar eine Stabilisierung, aber keine dynamische Erholung der Konjunktur in Europa: „Möglicherweise werden dann Rentenmärkte, die 2011 unter Druck standen, Investmentchancen bieten.“

Knappe Ressourcen

Für die Rohstoffmärkte wäre ein moderates Wachstum 2012 zufriedenstellend. Denn die sogenannten Commodities weisen eine Besonderheit auf: Sie sind nicht in beliebiger Menge verfügbar. „Sowohl eine steigende Nachfrage als auch Angebotsengpässe können die Preise treiben“, erklärt Sandra Ebner, Fondsmanagerin von Deka-Commodities, und verweist auf das Beispiel Kupfer. So könnte sich in China, einem der wichtigsten Abnehmerländer, der Pro-Kopf-Verbrauch des roten Metalls in den kommenden 15 Jahren verdoppeln. Rohstoffmärkte gehorchen ein Stück weit anderen Gesetzen als die Wertpapiermärkte. Deshalb sind Commodities eine sinnvolle Depotbeimischung. Ebner: „Sie bieten Chancen für aktive Manager, sind wegen starker Preisausschläge aber nichts für schwache Nerven.“
Das gilt derzeit auch für den Aktienmarkt, der unter der Unsicherheit in der Eurozone leidet. „Es liegt aber in der Natur von Krisen, dass sie vorübergehend sind“, sagt Fondsmanager Thomas Ralf Meier. Sollten die Rettungsmaßnahmen für schwache Eurostaaten fruchten, würden sich die Anleger wieder auf die Bewertungen der Unternehmen konzentrieren. „Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis im Dax von weniger als 10 liegt deutlich unter dem historischen Mittel von rund 11“, erklärt Meier. „Auch die Dividendenrendite von durchschnittlich etwa 4 Prozent bei den Dax-Mitgliedern spricht für Unternehmensbeteiligungen.“ Gut möglich, dass Aktienfonds bald wieder als Renditebringer das Depot bereichern.
Und wenn doch eine Rezession kommt? Ein gut strukturiertes Fondsportfolio aus Aktien, Anleihen, Immobilien und Rohstoffen würde das nicht aus der Bahn werfen, selbst wenn es zwischenzeitlich rutschig wird. Fühlt sich ein Sparer gegenwärtig unsicher, ob sein Depot wetterfest ist, sollte er es mit seinem Sparkassenberater prüfen. Deutliche Kursveränderungen können nämlich den Charakter eines Portfolios beeinflussen, weil sich einzelne Positionen unterschiedlich im Wert entwickeln (-> „Strategie für die Zickzack-Börse“).

Günstig einkaufen

Eine ideale Lösung für schwankende Märkte sind auch Fondssparpläne. Hier legen Sparer Monat für Monat an und müssen sich keine Gedanken über den optimalen Kaufzeitpunkt machen. Da sie stets die gleiche Summe einzahlen, erwerben sie zudem bei niedrigen Kursen mehr Fondsanteile – das macht den Einkauf günstig. Vorausgesetzt, der Sparplan wird bei Schlechtwetter nicht ausgesetzt oder aufgelöst. Und auf eins ist Verlass: Der nächste Börsensommer kommt bestimmt.
* Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.
 

Katers Welt

Eine schwierige Aufgabe

Die Wirtschaftsleistung Deutschlands wird im Winter voraussichtlich zurückgehen, aber ein Einbruch wie im Jahr 2008 ist derzeit nicht zu befürchten. Doch was passiert, wenn die Banken ihre Kreditvergabe an die Wirtschaft einschränken, um den Kapitalbedarf zu senken – machen sie damit die Konjunktur doch kaputt?
Die Banken sind ins Gerede gekommen. Nicht nur in der öffentlichen Diskussion, sondern auch an den Finanzmärkten selbst. Anders als vor drei Jahren sind die Geldinstitute diesmal allerdings nicht die Hauptverantwortlichen. Diesmal sind es so „harmlose“ Anlagen wie Staatsanleihen, welche die Banken in Vertrauensschwierigkeiten bringen. Denn seit dem wirtschaftlichen Fiasko Griechenlands wissen wir, dass auch Staatsanleihen Risiken bergen. Da die Banken jahrelang auf die Seriosität von Staaten als Schuldnern vertrauten, sind ihre Bestände an staatlichen Papieren hoch. Ja, sie sind in der Vergangenheit von den Staaten sogar systematisch belohnt worden, wenn sie deren Finanzierungsinstrumente auf die eigenen Bücher nahmen. Hierfür mussten sie nämlich kein Eigenkapital vorhalten, denn Staaten galten ja als risikolose Partner. Eine unheilige Allianz, die sich da ergeben hat.
Jetzt, nachdem sich die Einsicht immer mehr durchsetzt, dass auch Staatsanleihen – etwa aus Griechenland – ausfallen könnten, drängen die Eurostaaten die europäischen Banken, Vorsorge zu treffen und Eigenkapital für den Fall der Fälle beiseitezulegen. Dieses Eigenkapital haben die Banken aber nicht. Daher spielen die Euroländer mit dem Gedanken, das Kapital selbst bereitzustellen, sich also an den Banken zu beteiligen. Eine Strategie, die nur dann Erfolg haben kann, wenn sie schnell und energisch gegen alle Einwände umgesetzt wird – und davon gibt es reichlich, von Beihilfeverboten aus Brüssel bis hin zur faktischen Enteignung von bisherigen Bankaktionären. Wenn sich aber die Diskussion hierüber noch lange hinzieht, können die Banken auch auf eine andere Strategie setzen, um ihren Kapitalbedarf zu senken: Sie könnten ihre Staatsanleihen einfach am Markt verkaufen. Das wiederum würde die betroffenen Länder noch weiter unter Druck setzen. Banken könnten darüber hinaus auch andere kapitalstrapazierende Anlagen reduzieren. Doch wenn sie dazu übergehen, ihre Kreditvergabe an die Wirtschaft einzuschränken, wird es gefährlich. Denn dann steigen die Zinsen, Investitionsvorhaben fallen aus oder – noch schlimmer – es werden unabhängig vom Preis nicht mehr genügend Kredite vergeben, um den Betrieb der Volkswirtschaft aufrechterhalten zu können. Die Politik hat auf den jüngsten internationalen Gipfeltreffen klare Ansagen gemacht, wie das Problem angegangen werden muss.
In den vergangenen Monaten hat die Konjunktur dem rauen Klima an den Finanzmärkten getrotzt. Es geht zwar nicht mehr ganz so geschmeidig zu wie noch zu Beginn dieses Jahres. Damals wussten viele Unternehmen gar nicht, wie sie die große Zahl an Aufträgen in ihren Büchern bewältigen sollten. Die Dynamik jedoch hat sich verlangsamt, und das nicht nur in Europa, sondern auch in anderen Teilen der Welt. Im Winter wird die Wirtschaftsleistung in Deutschland voraussichtlich zurückgehen. Dennoch erleben wir zurzeit keinen Wirtschaftseinbruch, der mit dem im Jahr 2008 vergleichbar wäre, als ebenfalls Sorgen um das Finanzsystem die Wirtschaft fest im Griff hatten. Ein solcher Wirtschaftseinbruch in Europa ist zum jetzigen Zeitpunkt weit weniger wahrscheinlich, denn die Politik hat erkannt, dass die Stabilität des Bankensystems erhalten bleiben muss. Ebenso wichtig ist es aber, eine schleichende Aushöhlung des Kreditangebots in den kommenden Jahren zu verhindern. Keine leichte Aufgabe.