12.7.2021 | INTERVIEW „Die Zusammenarbeit von KI und Mensch kann Leben retten“

Wer Künstliche Intelligenz (KI) in seine Produkte und Dienstleistungen bringt, eröffnet seinem Unternehmen mehr Chancen – und dem Anleger auch. Bernd Köcher, Senior Portfolio Manager bei der Deka Investment, über die Auswahl der Firmen im neuen Aktienfonds Deka-Künstliche Intelligenz.


TEXT: Peter Weißenberg

Fast ein Jahr lang haben Sie sich täglich mit Unternehmen beschäftigt, die für den neuen Fonds Deka-Künstliche Intelligenz in Frage kommen könnten. Welche Anwendung hat Sie am meisten begeistert?
Schwere Frage – denn da werde ich immer wieder neu verblüfft. Eine KI mit Namen GPT-3 etwa schreibt spannende Kurzgeschichten, richtig gute Songtexte oder eine Harry-Potter-Fortsetzung. Ein anderes Programm vernetzt Roboter, die neue Arbeitsschritte selbstständig lernen und sie sich gegenseitig beibringen, manche Chat-Programme reden schon mit ganz normaler Stimme und führen mich durch meine Steuersoftware… Aber wenn ich mich entscheiden muss, dann für diese: ein Programm, das anhand von Handy-Fotos Hautkrebs diagnostizieren kann; das schlägt bereits manche Medizinerin oder manchen Mediziner. Und die Zusammenarbeit von KI und Mensch kann wirklich Leben retten.

Andererseits wird Ihnen wahrscheinlich auch manches als KI angepriesen, was bei näherer Betrachtung einfach nur viele Daten, noch mehr Rechenleistung und intensive Auswertung verbindet.
Stimmt; so einfach ist KI nicht.

Bernd Köcher, Deka-Fondsmanager

In der Werbung wird ja beinahe schon jeder Schokoriegel als “jetzt mit KI” gepusht. Wie erkennen Sie die echte, die wirkliche Künstliche Intelligenz?
Dabei helfen uns auch Experten aus der IT-Welt, die im Zweifel ihre fachliche Einschätzung dazu geben. Die eine KI, die alle Probleme löst, die gibt es nicht. Wer sich damit beschäftigt, der merkt schnell, dass es eine Unmenge an Anwendungsmöglichkeiten gibt und KI erst ganz am Anfang ihres Potenzials steht. Eine Basisdefinition ist aber: KI ist der Versuch, die kognitiven Fähigkeiten des Menschen durch Computer oder Maschinen nachzuahmen – zum Beispiel das menschliche Lernen oder das Lösen komplexer Probleme, aber auch die Fähigkeit, Prognosen zu erstellen und mögliche Handlungsoptionen vorzuschlagen. Maschinen sollen also eine Annäherung an wichtige Funktionen des menschlichen Gehirns schaffen – Lernen, Urteilen und Problemlösen. Da sehen Sie auch schon, dass das keine Zukunftsmusik ist: Schon heute hat KI viel Raum in unserem Leben. Zum Beispiel, wenn uns auf Internetseiten Produkte empfohlen werden, die uns interessieren könnten, oder Siri oder Alexa mit uns sprechen, die Assistenten von Apple oder Amazon.

Solche Firmen sind also für den neuen Fonds besonders interessant?
Auch – aber nicht nur diese Konzerne. Da KI so universell einsetzbar ist, kann sie einen Schub für alle Wirtschaftsbereiche geben: IT genauso wie Medien oder Gesundheitswesen, Telekommunikation wie Auto- oder Finanzindustrie. Dazu kommen die Unternehmen, die die Basis schaffen: Cloudanbieter, Hardware-Hersteller, Netzwerkfirmen oder Chiphersteller.

Wie viel Potenzial steckt in der neuen Technologie?
Das Umsatzpotenzial von Verfahren wie „Maschinelles Lernen“ oder „Tiefes Lernen“ wird auf bis zu 60 Milliarden US-Dollar allein in 2021 geschätzt; bis 2025 wird sich diese Zahl noch einmal mehr als verdoppeln. Aber trotz der hohen Zuwächse befinden wir uns immer noch am Anfang der Entwicklung. Schaut man sich nämlich die weltweit jährlichen Ausgaben in Informationstechnologien an, so betragen die 5 Billionen US-Dollar. Das heißt, die Ausgaben von KI machen gerade mal 1 Prozent dieses Betrags aus. Die Beratungsgesellschaft Accenture hat berechnet, dass sich beim vollen Einsatz von KI ab 2030 das Wirtschaftswachstum verdoppeln könnte. Das ist also eine Entwicklung, die sich Anlegerinnen und Anleger nicht entgehen lassen sollten. Gerade wenn sie langfristig orientiert sind. Mit einem Sparplan können sie zum Beispiel an dieser dynamischen Entwicklung kontinuierlich teilhaben.

KI ist ja schon seit vielen Jahren ein Thema – warum legt die Deka denn eigentlich gerade jetzt den Fonds dazu auf?
Aus drei Gründen: Zum Ersten die Verfügbarkeit von extrem großen Datenmengen – zum Beispiel die Clicks im Internet, Aktivitäten in sozialen Medien, Bilder, Videos, Sprachdateien, aber auch Daten, die von Kameras und Sensoren eingefangen werden. Das ist der Treibstoff für die KI-Systeme. Sie werden zum Training mit Daten gefüttert; und je mehr Daten vorliegen, desto besser kann man die Künstliche Intelligenz trainieren. Zweitens: Die Computerleistung verdoppelt sich weiterhin circa alle 18 Monate und kann daher diese großen Datenmengen auch verarbeiten. Und drittens wurden neue Methoden und Verfahren wie Maschinelles Lernen und im Besonderen Tiefes Lernen – das ist eine Art Neuronales Netz mit einem Kurzzeitgedächtnis – jetzt auch praktisch eingesetzt: etwa bei der Google-Spracherkennung und bei der Übersetzung von Texten und Sprache. KI ist darum in den letzten Jahren von einem Nischenthema zu einem Hauptanlagethema geworden; und aktuell werden mit diesen drei Voraussetzungen viele neue Anwendungsfelder getestet. Eine Fülle von Chancen für alle, die mit diesem Schwerpunkt ihr Vermögen vermehren wollen.

Wie wählen Sie die Titel im Fonds konkret aus?
Der Deka-Künstliche Intelligenz hat drei Schwerpunkte: Erstens die KI-Infrastruktur – alles, was mit Wahrnehmung zu tun hat. Also etwa Kamerasysteme und Sensoren oder Mikrofone. Aber natürlich auch die Rechnerleistung, um KI-Systeme zum Laufen zu bringen: also Computerchips, Infrastrukturplattformen als auch Betreiber von Rechenzentren. Die machen rund 20 Prozent des Fonds aus. Weitere 25 Prozent investieren wir in Firmen, die KI-Anwendungen bereitstellen, also zum Beispiel in Unternehmen für Büroautomatisierung, KI-Beratung, Sicherheits- oder Spracherkennungssoftware.

Und die restlichen 55 Prozent?
Da liegt der Schwerpunkt auf Firmen, die von KI profitieren: also jene, die sie besonders gut einsetzen, um Produkte und Dienstleistungen zu verbessern, Abläufe zu optimieren oder Kosten zu senken. Ziel dieser Firmen ist es, sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil zu erarbeiten oder diesen zu verteidigen. Daher können die KI-Profiteure aus allen Branchen kommen. Das ermöglicht es, den Fonds sehr breit aufzustellen.

Gibt es dabei regionale Schwerpunkte?
Mittel- bis langfristig liegen die in den USA und China, da beide Länder sehr stark in das Thema KI investieren, komplettiert wird dies durch Europa. Zum Start werden rund 60 Titel im Fonds vertreten sein. Das grundsätzliche Anlageuniversum ist mit circa 250 Titeln etwas enger als bei anderen Produkten, allerdings wächst dieses dynamisch durch weitere Börsengänge. Und der Fonds hat grundsätzlich viele Freiheiten und ist etwa nicht an eine Benchmark gebunden. Wir können weltweit in alle Unternehmensgrößen investieren, sofern genügend Liquidität im Handel mit der jeweiligen Aktie vorhanden ist.

Klingt nach einer anspruchsvollen Auswahl-Arbeit.
Das ist so. Es hilft uns daher ungemein, mit den Managern direkten Kontakt zu haben, aber auch Fachkonferenzen zum Thema zu besuchen und unabhängige Experten aus der IT-Welt zu befragen. Das ist eben die Stärke eines aktiven Managements. Dazu kommt die akribische Auswertung der Zahlen in der quantitativen Analyse.

Im Deka-Künstliche Intelligenz steckt also ganz viel menschliche Denkleistung von Ihnen und Ihrem Team. Nutzen Sie zusätzlich eigentlich auch Künstliche Intelligenz im KI-Fonds?
KI hilft bereits bei einigen Anwendungen. In unseren Monatsauswertungen sind etwa Programme im Einsatz, die selbstständig Zahlen auswerten und interpretieren. Und auch die Nachrichten in unseren Informationssystemen erstellt der externe Dienstleister dort bereits automatisch durch KI.

Hier finden Sie einen weiteren Beitrag zum neuen Fonds.

Stand: 12.7.2021