Aktienmärkte Was die Kurskorrektur zu bedeuten hat

Seit Anfang August kommt es bei Aktien auf breiter Front zu einem spürbaren Kurseinbruch. Dahinter steckt mehr als der Handelsstreit der USA mit China.


TEXT: Olivier Löffler

Von den Kursrückgängen werden derzeit alle globalen Aktienmärkte erfasst. Das Ausmaß fällt von Region zu Region aber sehr unterschiedlich aus. Trotz der erst im Juli erreichten Allzeithöchststände kommen die US-Aktienmärkte nur unter moderaten Abgabedruck. Die Aktienmärkte in Deutschland und in Europa, die bereits seit einigen Monaten eher seitwärts laufen, müssen etwas deutlicher Federn lassen. Besonders stark sind die Aktienmärkte in der Region Asien-Pazifik betroffen, die schon seit Jahresanfang der Aufwärtsbewegung der restlichen Aktienmärkte hinterherhinken und jetzt erneut unter erheblichem Abgabedruck sind.

Vermeintlicher Auslöser für die Kurskorrektur an den Aktienmärkten war die erneute Eskalation in den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China. Einen Teil seiner Drohungen hat Trump zwar inzwischen schon wieder zurückgenommen, was den Kursen aber nur sehr kurzzeitig geholfen hat. „Das liegt auch daran, dass die medienwirksam geführte Zolldebatte lediglich ein Mosaikstein in einem sich strukturell verändernden gesamtwirtschaftlichen Gefüge ist“, sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie der Deka. Und auf das schaut der Markt mittlerweile deutlich kritischer als noch zum Jahresanfang.

Schwierigkeiten waren ausgeblendet

Die fulminante Kursrallye am Jahresanfang war vor allem von den Notenbanken getrieben. 2018 hatten deren geldpolitische Normalisierungsversuche die Aktienmärkte noch ausgebremst. Als zum Jahreswechsel plötzlich erneut eine expansive Ausrichtung signalisiert wurde, reagierten die Märkte wie elektrisiert auf diese Kehrwende. Der Hauptbelastungsfaktor des Vorjahres fiel weg und die Kurse konnten in die Höhe schnellen. In der euphorischen Antizipation auf neue geldpolitische Maßnahmen wurde aber verdrängt, dass sich das fundamentale wirtschaftliche Umfeld stetig eingetrübt hat.

„Die Schwäche im verarbeitenden Gewerbe sowie die anhaltend schwierige Lage im globalen Handel wirken sich belastend auf Volkswirtschaften und Unternehmen aus. Konjunkturelle Erwartungen mussten seit Jahresanfang deutlich nach unten angepasst werden, gleiches gilt für die in diesem Jahr zu erwartenden Unternehmensgewinne. Die neuerliche Zollankündigung von Donald Trump war somit lediglich der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte“, so Schallmayer: „Wichtig für die Aktienmärkte ist aber auch, dass diese Probleme auf die Außenwirtschaft konzentriert sind. Die binnenwirtschaftlichen Sektoren – wie etwa Bau oder Dienstleistungen – sind in den USA und Euroland sehr robust. Daher erwarten wir im kommenden Jahr weder für Euroland noch für die USA eine Rezession.“

Was ist mittlerweile eingepreist?

Die politischen Risiken – neben den Handelskonflikten auch wieder stärker Brexit und Italien – sorgen dafür, dass die Stimmung in den kommenden Wochen angespannt bleiben dürfte. Allerdings haben viele Marktteilnehmer inzwischen schon ihre Erwartungen an die Unternehmensgewinne massiv nach unten angepasst. „Im kommenden Quartal dürften mäßig ausfallende Unternehmensberichte daher keine deutlich negativen Kursreaktionen mehr nach sich ziehen. Die Aktienmarktbewertung wird im aktuellen Umfeld zwar nicht ansteigen, allerdings müssen auch keine Überbewertungen abgebaut werden und relativ zu anderen Anlageklassen ist die Bewertung des Aktienmarktes vollkommen unauffällig“, sagt Schallmayer.

Ausblick bleibt mittelfristig moderat positiv

„Da wir keine weltweite Rezession am Horizont sehen und die Geldpolitik weiter unterstützt, sollte sich das Kursgeschehen mittelfristig beruhigen“, so der Leiter Kapitalmärkte und Strategie der Deka. In den kommenden Wochen sei aber damit zu rechnen, dass die Aktienmärkte – vor allem wegen der Verwerfungen an den Rentenmärkten – weiter ihre Richtung suchen. „Das sollte zu einer Konsolidierung auf den derzeitigen Kursniveaus führen, auf denen dann wieder eine konstruktive Bewegung aufbauen kann. Unser mittelfristiger Ausblick für die Aktienmärkte bleibt moderat positiv.“

Stand: 16.08.2019