Interview „Aktienmarkt bleibt attraktiv“

An den europäischen Börsen sieht Deka-Experte Joachim Schallmayer weiterhin gute Chancen für Anleger – auch wenn der Leiter Kapitalmärkte und Strategie dieses Jahr mit höheren Schwankungen, zwischenzeitlichen Kursrücksetzern und insgesamt nur leichten Zuwächsen rechnet.


TEXT: Antje Schmitz

Herr Schallmayer, die Börsen haben sich über ein Jahr auf breiter Front gut entwickelt. Nun dieser deutliche Rücksetzer: Sollen Anleger dennoch in Aktien investieren?
Aktien sind ein unentbehrlicher Baustein beim langfristigen Vermögensaufbau, die Betonung liegt auf langfristig. Alle Statistiken zeigen, dass die deutschen Sparer eher deutlich zu wenig als zu viel in Aktien investiert sind. Bevor sich also die Frage stellt, wann der vermeintlich beste Zeitpunkt für ein Engagement am Aktienmarkt sein könnte, sollten langfristig orientierte Anleger lieber die grundsätzliche Entscheidung treffen, sich in Form von Aktien am Produktivvermögen einer Wirtschaft zu beteiligen. Richtig ist aber sicherlich auch, dass Anleger die fulminanten Kurszuwächse der vergangenen Jahre in dieser Form nicht linear auf die Zukunft übertragen sollten.

Deka-Experte Schallmayer

Das hat sich Anfang Februar eindrucksvoll gezeigt. 
Ja, das passt aber zu unseren Erwartungen. Wir rechnen damit, dass die Kurszuwächse in den kommenden Jahren insgesamt niedriger ausfallen und auch wieder etwas größeren Schwankungen unterworfen sein dürften. Einen ersten eindrucksvollen Vorgeschmack auf die ansteigenden Schwankungsbreiten erleben wir aktuell. Ähnliche Kursbewegungen werden sich im Laufe dieses Jahres noch öfter wiederholen. Dennoch bleibt der Aktienmarkt in der Kombination aus moderaten Kurszuwächsen und einer stabilen bis leicht anwachsenden Dividendenausschüttung gegenüber anderen Anlagealternativen attraktiv.

2017 hat die Konjunktur positiv überrascht, ein Baustein für ein besser als erwartetes Börsenjahr. Kann sich das 2018 fortsetzen?
Wir erwarten 2018 keine Trendumkehr bei den volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen, eine über die aktuellen Erwartungen hinausgehende Beschleunigung im Wachstum dürfte allerdings ebenfalls kaum noch möglich sein. Die für den Kapitalmarkt so wichtigen positiven Datenüberraschungen werden 2018 für weniger starke Impulse sorgen als dies im vergangenen Jahr der Fall war.

Welche Bereiche bleiben interessant oder gewinnen vielleicht sogar an Attraktivität? 
Unter den großen globalen Aktienmärkten ist der europäische Aktienmarkt eindeutig der Nachzügler. Dies lässt sich deutlich am Kursverlauf der letzten drei oder sechs Monate ablesen. Aber auch mit Blick auf die Profitabilität und die erzielten Ergebnisse sind die europäischen Unternehmen in einer Nachzügler-Rolle. Sobald sich die derzeitigen Kursturbulenzen legen, wird sich der Fokus wieder verstärkt auf die fundamentalen Entwicklungen richten, und diese sind sowohl für die Konjunktur als auch für die Unternehmensgewinne unverändert stabil. Somit bleiben wir für die Aktienmärkte der Region positiv gestimmt. Dies gilt auch für den deutschen Aktienmarkt.

Und die außereuropäischen Märkte? 
Dem US-Aktienmarkt messen wir aufgrund der mittlerweile sehr hohen Bewertungsrelationen weniger Potenzial bei. Aktien der Schwellenländerunternehmen bedürften nach den fulminanten Kursanstiegen einer Verschnaufpause, bieten längerfristig aber weiter sehr vielversprechende Perspektiven.

Welchen Einfluss haben der Brexit und die Unberechenbarkeit der US-amerikanischen Regierung auf die Märkte? 
Politische Risikofaktoren sind ein steter Begleiter an den Kapitalmärkten. Dabei gehen die Kapitalmärkte, aber auch die Unternehmen selber meistens deutlich unaufgeregter mit politischen Themen um, als dies emotionalisierte Nachrichtenschlagzeilen vielleicht erwarten lassen. Die vergangenen zwei Jahre sind der beste Beweis dafür. Allerdings bleibt das politische Gefahrenpotenzial vergleichsweise hoch. Da sind zum einen die Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit dem Brexit-Entscheid und den Details bezüglich der Trennung von UK und EU. Die Unsicherheit führt zu Investitionsverlagerungen und wird insbesondere bei stark durch Handel oder Produktion mit UK verwobenen Unternehmen belastend auswirken. Auch gesamtwirtschaftlich wird dies in UK deutliche Bremsspuren hinterlassen. Zum anderen gibt es nach wie vor zahlreiche Konfliktherde sowohl diesseits und jenseits des Atlantiks als auch in Asien und dem Nahen und Mittleren Osten. Nachdem die vielfältigen politischen Gefahrenquellen aufgrund der hervorragenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zuletzt etwas in den Hintergrund gedrängt wurden, könnten diese im Laufe des Jahres wieder verstärkt in den Fokus der Investoren rücken.

Welche weiteren Risiken kommen auf die Anleger zu? 
Der größte Unsicherheitsfaktor geht von den Notenbanken aus, denn die Tage der massiven unkonventionellen Notenbankunterstützung sind gezählt. Bislang halten die Käufe der Notenbanken die Volatilitäten am Kapitalmarkt auf ungewöhnlich niedrigen Niveaus. Die Normalisierung der Geldpolitik dürfte zumindest zeitweise mit einem Anstieg der Verunsicherung einhergehen. Die Kapitalmärkte werden den Zinsausblick der Notenbanken, insbesondere den der EZB, zunehmend in Zweifel ziehen. Wir rechnen mit einem Auslaufen der Anleihekäufe im vierten Quartal dieses Jahres und mit einer ersten Einlagenzinsanhebung ab Mitte nächsten Jahres.

Muss ich diese Risiken in Kauf nehmen? 
Als Anleger am Kapitalmarkt sind Sie verschiedensten Risiken ausgesetzt. Sie müssen ermitteln, welches Risiko Sie tragen wollen und können, um gerade in schwankungsreicheren Zeiten nicht auf dem falschen Fuß erwischt zu werden. Möglicherweise sollten Sie das Portfolio absichern. Allerdings gilt es bei der Betrachtung von Risiken auch immer die verpassten Chancen mit einzubeziehen. Um eine positive reale Rendite zu erzielen, werden Anleger auch in Zukunft nicht um die Übernahme von Risiko herumkommen.


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Stand: 07.02.2018