Anlagestrategie Anlegen mit der Formel 50-24-1

Mit dem richtigen Konzept kann man an den Aktienmärkten auch in schwierigen Zeiten zum Erfolg kommen. Sparkassenberater David Söller weiß wie.


TEXT: Daniel Evensen

Im Iran werden Öltanker attackiert, Großbritannien steuert auf den harten Brexit zu, Italien baut weiter an seinem schiefen Schuldenturm und auch im vertrackten Handelskonflikt zwischen den USA und China keine Lösung in Sicht. Die lange Liste politischer Probleme stiftet Verunsicherung, die inzwischen auch erkennbare Spuren in der Konjunktur hinterlässt. Von einem „Aprildesaster“ spricht Deka-Volkswirt Andreas Scheuerle mit Blick auf die aktuellsten Zahlen aus der deutschen Wirtschaft. „Die Industrieproduktion sank um 2,5 Prozent im Vergleich zum März, der Export brach sogar um 3,7 Prozent ein.“

Nicht der Zeitpunkt, sondern die Zeit entscheidet

Die Delle kommt nicht ganz überraschend. Die Experten der Deka hatten die wachsende Unruhe an den Aktienmärkten erwartet, glauben aber an ein vorübergehendes Phänomen – ohne jedoch mit Gewissheit sagen zu können, wann der Trend wieder dreht und für Anleger der beste Zeitpunkt für den Einstieg gekommen ist. Niemand kann das. Aber eigentlich müssen sich Anleger darüber auch nicht den Kopf zerbrechen, findet David Söller von der Kreissparkasse Ahrweiler.

„Natürlich fragen mich Kunden derzeit häufig, ob wir an den Märkten gerade eher oben oder unten stehen“, sagt der Leiter des Beratungscenters Niederzissen. „Aber das ist gar nicht so sehr der Punkt. Wichtiger ist, wie die Kunden damit umgehen, dass sie die Marktrichtung in den kommenden Monaten eben nicht kennen.“

David Söller: Es geht klar aufwärts

Als erstes verweist Söller dabei auf den Faktor Zeit. Rückschläge habe es an den Börsen schon immer gegeben, aber auf lange Sicht seien die Kurse dennoch gestiegen – egal, wann man gekauft hat. „Wenn ich meinen Kunden einen 15-Jahres-Kursverlauf des DAX oder irgendeines anderen Aktienindizes zeige, dann geht es da ganz klar aufwärts“, so Söller. Deshalb empfiehlt der Sparkassenberater, die Wertpapieranlage immer als Projekt von Dauer zu betrachten.

Eine Hälfte sofort investieren

Das Argument überzeugt und dennoch möchte kein Anleger sein ganzes Geld genau dann investieren, wenn die Kurse kurz darauf erstmal auf Tauchstation zu gehen drohen. Daher setzt der Anlageexperte der Kreissparkasse Ahrweiler auf die Formel 50-24-1: „50 Prozent der geplanten Summe legen die Kunden sofort an. Sollten die Kurse steigen, sind sie mit diesem Geld schon mal dabei. Die andere Hälfte investieren sie Zug um Zug über 24 Monate verteilt. Falls die Märkte abwärts rauschen, kaufen sie mit diesem Teil ihres Vermögens günstig Fondsanteile nach und verbilligen so den Durchschnittspreis.“

Man muss gar nicht weit zurückblicken, um die Vorteile dieser Formel in der Praxis zu erkennen: Vor zwölf Monaten stand der Deutsche Aktienindex DAX bei 13.000 Punkten, rückblickend betrachtet kein glücklicher Zeitpunkt für einen Investmenteinstand. Denn im Anschluss ging es ruckartig einige Etagen tiefer – bis auf 10.000 Punkte am Jahresende 2018. Dann drehte der Trend und nun hat der DAX wieder die Marke von rund 12.000 Zählern erreicht. Der Einmalanleger hätte komplett bei DAX 13.000 gekauft, mit der 50-24-1-Formel hätte er hingegen auch Fondsanteile zu viel günstigeren Kursen als aktuell erworben.

Immer mit Fondssparplan

Eine gute Sache, doch was bedeutet eigentlich die 1 bei 50-24-1? Sie steht für einen Fondssparplan, der die Einmalinvestition langfristig ergänzt. Die Kurse an den Wertpapiermärkten schwanken immer wieder einmal stärker. Für Anleger ist es daher generell von Vorteil, wenn sie regelmäßig Wertpapiere kaufen, denn das stabilisiert die Rendite.

Je länger, desto zuverlässiger

Die 50-24-1-Formel ist clever, doch sie ist keine Garantie für Gewinne. Sparkassenberater Söller: „Zum Beratungsgespräch gehört selbstverständlich der Hinweis, dass Kursschwankungen sich auch negativ auf die Anlage auswirken können.“ Und einige seiner langjährigen Kunden mussten dies tatsächlich sehr eindrücklich miterleben: Im Jahr 2009 verlor der DAX gut 40 Prozent an Wert und somit verzeichneten auch Aktienfonds herbe Einbußen. Söller: „So bitter dieses Jahr war, meine Kunden haben die damaligen Verluste lange wieder aufgeholt.“ Er stellt in seiner Kundschaft eine breite Zufriedenheit mit Wertpapierinvestments fest – und die Zahl seiner Fondskunden wächst auch in unruhigen Marktphasen.

Stand: 26.06.2019