Börsenunruhe Eine Kurve der Hoffnung

Die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten zehren an den Nerven der Anleger. Es gibt aber auch Gründe für Zuversicht – das Kurstal könnte bald erreicht sein.


TEXT: Daniel Evensen

Krisen gehören zur Wirtschaft dazu und haben doch oft ihre Besonderheiten. So auch beim Problemmix der Coronapandemie: Hier werden die Nachfrage- und die Angebotsbedingungen gleichzeitig in die Zange genommen. Auf der einen Seite bricht der private Konsum ein, weil Einkaufszentren, Restaurants und Freizeiteinrichtungen geschlossen werden. Auf der anderen Seite leidet auch die Produktion, denn die Lieferketten sind an vielen Stellen unterbrochen.

Und so ist auch die Stimmung in der deutschen Wirtschaft auf einen Tiefpunkt gesunken. Der ifo-Geschäftsklimaindex, eine Umfrage unter 9.000 Unternehmen, musste im März einen Einbruch um 8,4 auf 87,7 Punkte verkraften. „Der Rückgang toppt alles, was wir bislang in der Geschichte des Indikators gesehen haben“, sagt Deka-Volkswirt Andreas Scheuerle.

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Der ifo-Index liegt auch nur noch knapp über seinem historischen Tief von 84,6 Punkten im Dezember 2008 – zu Zeiten der Finanzmarktkrise. Damals rutschte die deutsche Wirtschaft in eine beispiellose Rezession, das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte 2009 um gut 5 Prozent. Mit ähnlichen Dimensionen muss nach Einschätzung der Deka-Volkswirte auch jetzt wieder gerechnet werden – wobei die Prognosen wegen des schwer absehbaren Verlaufs der Coronapandemie mit vielen Unwägbarkeiten behaftet sind.

Für Anleger ist der Vergleich mit der Finanzmarktkrise noch aus einem weiteren Grund wichtig: Der DAX brach im Jahr 2008 so stark wie selten zuvor ein, das Rezessionsjahr 2009 beendete er allerdings mit einem deutlichen Plus. Der Grund: In den Aktienkursen werden Entwicklungen in der Zukunft oft sechs bis zwölf Monate vorweggenommen. Die Investoren preisen Rezessionen, aber auch das Ende von Flauten, frühzeitig ein.

Panikstimmung an den Märkten

Wie pessimistisch die Marktteilnehmer die Konjunktur aktuell bereits beurteilen, zeigen nicht nur wiederkehrende Kursverluste bei DAX und Dow Jones von mehr als 5 Prozent an einem Tag. Auch Indikatoren für die Stimmungslage der Anleger signalisieren große Angst, ja sogar Panik. In der Vergangenheit war nach solchen Zeiten des Ausverkaufs das Kurstief oftmals nicht mehr weit entfernt. Denn sobald in einer Krisenlage der erste Silberstreif am Horizont erscheint, können Aktienkurse wiederum auch eine allgemeine Besserung vorwegnehmen.

Extreme Angst an den Märkten

„Den Infektionszahlen kommt dabei eine zentrale Rolle zu, denn sie bestimmen über das Ausmaß der Quarantänemaßnahmen und deren Dauer“, so Volkswirt Scheuerle. „Diese beiden Faktoren sind auch für die Wirtschaft entscheidend.“

Betrachtet man die Zyklen der Anlegeremotionen, dann ist auf der Stufe der Panik ein Ausstieg aus dem Aktienmarkt eine denkbar schlechte Option. Denn auf dieser Stufe haben die Aktien bereits viel an Wert verloren – und Anleger würden eine nachfolgende Kurserholung verpassen. Wer dagegen das Kurstief aussitzt, ist auch beim kommenden Aufschwung wieder mit dabei. Risikofreudige Naturen können die Panik der anderen auch dazu nutzen, um antizyklisch – also gegen den Trend – Positionen auf- oder auszubauen. Denn so günstig wird man manche Aktien in Zukunft wohl eher nicht mehr kaufen können, wenn sich die
Märkte erst erholen.

Möglichst breit streuen

Die Deka hält den Zeitpunkt allerdings für zu früh, um mit vollem Einsatz auf Aktien zu setzen. Deka-Volkswirt Scheuerle: „Aber Einstiegsstrategien in Form von disziplinierten Käufen können in den kommenden Wochen gestartet werden.“ Dabei sollten Anleger möglichst breit streuen, denn nicht jedes Unternehmen wird gestärkt aus der Krise hervorgehen. Mit Fondssparplänen können Anleger ganz einfach und regelmäßig in breit aufgestellte Aktienportfolios investieren.

Der Zyklus der Anlegeremotionen

Stand: 30.03.2020