Corona-Virus Auch die Wirtschaft leidet

Noch ist die konjunkturelle Stimmung gut – doch die Folgen des Corona-Virus könnten sich bald schon verstärkt auch in der Weltwirtschaft zeigen. So sollten sich Anleger verhalten.


TEXT: Peter Weißenberg

Er ist unsichtbar, kaum jemand hierzulande fühlt ihn – doch der Corona-Virus ist in Europa angekommen. Auch wenn die gesundheitlichen Folgen sich hoffentlich in Grenzen halten, so sind wirtschaftliche Auswirkungen unabwendbar. Die Kurseinbrüche an den Aktienmärkten zeugen von dieser Erkenntnis.

Wegen der wochenlangen Lieferwege aus China sind bisher die Zulieferungen nach Europa noch weitgehend unbeeinflusst. Lediglich einzelne Firmen wie Jaguar in England oder Apple in Kalifornien bemerken Engpässe. Doch mit dem Fortdauern der Lieferketten-Unterbrechungen könnte die deutsche Wirtschaft wie auch viele andere globale Abnehmer leiden. „Erste Unternehmen mussten Umsatzwarnungen aussprechen“, erklärt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der Deka.

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Reale und psychologische Effekte

Auch Absatzeinbußen sind laut Schallmayer zu erwarten, denn China sei mit einem Anteil von 7,1 Prozent an den deutschen Ausfuhren der drittwichtigste Abnehmer, Italien mit 5,3 Prozent der fünftwichtigste. Hinzu kommen psychologische Effekte. Trübt sich die Stimmung bei Unternehmen und Verbrauchern ein, dann wird bei großen Anschaffungen auf die Bremse gedrückt.

Die Pekinger Zentralbank hat darum bereits reagiert – und Milliarden in den Finanzmarkt gepumpt, um schlingernde Unternehmen mit Krediten zu versorgen und die Börsen zu stützen. Auch die US-Notenbank Fed steht offenbar vor Zinssenkungen, die EZB könnte ebenfalls eingreifen.

Erhöhte Kursschwankungen bleiben

Entscheidend ist aber, wann die Ausbreitung des Virus gestoppt wird. Bisher rechnet etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) damit in den kommenden Wochen – sodass danach die Wirtschaft aufatmen kann.

„Viele Szenarien können sich abspielen – je nachdem, wie schnell das Virus eingedämmt wird.“ Kristalina Georgiewa, Chefin des Internationalen Währungsfonds

IWF-Chefin Kristalina Georgiewa prognostiziert nur einen leichten Rückgang des globalen Wirtschaftswachstum um 0,1 auf 3,3 Prozent wegen Corona. Sie schränkt inzwischen aber ein: „Viele Szenarien können sich abspielen – je nachdem, wie schnell der Virus eingedämmt wird.“

Volkswirt Andreas Scheuerle von der Deka gibt zudem zu bedenken, dass bereits vor Corona „in den vergangenen Monaten die Stimmung in der Bauwirtschaft und im Einzelhandel spürbar gelitten hat“. Auch der Umbau der Automobilindustrie, drohende Handelskonflikte mit den USA und der immer noch mögliche harte Brexit sind potenzielle Belastungsfaktoren.

Die nächsten Wochen werden darum an den Börsen noch von Unwägbarkeiten geprägt sein. „Es ist mit erhöhten Kursschwankungen bei Aktien zu rechnen“, analysiert Deka-Stratege Schallmayer. Anleger sollten aber nicht in Corona-Panik verfallen: „Die Aktienmärkte werden nach einer Phase der Verunsicherung wieder auf die allgemeinen Rahmenbedingungen schauen – und diese sind, den temporären Corona-Effekt einmal ausgeblendet, insgesamt weiter konstruktiv.“ Deshalb besteht trotz vorübergehend möglicher Rücksetzer für langfristig orientierte Privatanleger zurzeit kein Handlungsbedarf.

Stand: 27.02.2020