Coronavirus Überfall auf die Weltwirtschaft

Die Deka-Volkswirte sehen die Wirtschaft vor einer weltweiten Rezession. Ähnlich tief wie zu Lehman-Zeiten, aber kürzer. Anlegern raten sie zur Besonnenheit.


TEXT: Olivier Löffler

Solange das Coronavirus noch ausschließlich in China wütete, zeigten sich die Börsen erstaunlich immun. Das änderte sich rasant, nachdem die Pandemie auch die westliche Welt erreichte. „Der zeitversetzte Shutdown in Asien, Europa und Amerika führt zu einer weltweiten Rezession, deren Ausmaß am ehesten mit der Lehman-Rezession vor etwa zehn Jahren vergleichbar ist“, sagt Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater.

Blitzartig in die Rezession

Allerdings gibt es zwischen Lehman und Corona auch erhebliche Unterschiede. Falls die Pandemie in Europa und in den USA ähnlich rasch und ähnlich erfolgreich wie in China bekämpft werden könne, dürfe man darauf hoffen, dass die Rezession auch deutlich schneller wieder vorbei ist als zu Zeiten der Finanzkrise.

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Infektionszahlen sind der Schlüssel

„Wichtig ist, dass die Folgewirkungen der wirtschaftlichen Einschränkungen in Gestalt von Arbeitsplatzverlusten oder Firmenpleiten so gering wie möglich gehalten werden. In Deutschland hat die Bundesregierung hierfür die richtigen Weichen gestellt“, so Dr. Kater. Die Blitzrezession habe dabei an den Aktienbörsen zu einem Blitzcrash geführt, bei dem die Kurse in Europa die Rezession inzwischen schon eingepreist hätten. In den USA sei das noch nicht der Fall, da erst einmal höhere Bewertungen abgebaut werden mussten.

„Wann sich die Kurse erholen, hängt zunächst am Verlauf der Infektionszahlen. Hier liegt der Schlüssel zu einer Beruhigung der Lage“, erklärt Dr. Kater. Aber natürlich enthält eine Situation wie die jetzige auch unmittelbare Risiken. Eine Ansteckung des Bankensystems etwa oder die Wiederkehr des Virus dort, wo er jetzt als eingedämmt gilt: „Dies ist noch nicht die Zeit, neue Mittel auf einen Schlag zu investieren.“

Licht am Ende des Tunnels

Während sich die Lebenswirklichkeit in kürzester Zeit dramatisch verändert, wird eines wohl konstant bleiben: die Nullzinszeiten halten an. „Das Zinsniveau wird durch das Geschehen langfristig eher weiter gedrückt, selbst wenn zwischenzeitlich bei Bundesrenditen Anstiege zu verzeichnen waren“, so der Deka-Chefvolkswirt.

„Verluste werden dadurch erst Realität, dass man an solchen Tiefpunkten verkauft.“Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka

Wertpapiersparern könne man in einem solchem Umfeld nur zu „stoischer Besonnenheit" raten: „Verluste werden dadurch erst Realität, dass man an solchen Tiefpunkten verkauft. Denn dann hat man nicht mehr die Chance, an der Erholung der Märkte teilzunehmen, wie sie auch nach diesem Kursrutsch wieder stattfinden wird.“

Stand: 30.03.2020