Corona Kampf gegen die zweite Welle

Das Coronavirus ist wieder zum beherrschenden Thema geworden. Viele Unternehmen und Anleger können dennoch gefasster in die Zukunft blicken als noch im Frühjahr.


TEXT: Heinz-Peter Arndt und Peter Weißenberg

Es ist nur eine Momentaufnahme, doch der Blick auf die Coronazahlen macht zu Beginn des Winterhalbjahrs auf der Nordhalbkugel deutlich: Die Pandemie ist wieder auf dem Vormarsch – früher und dynamischer als von vielen Wissenschaftlern erwartet. In den USA ist sogar noch die nur geringfügig eingedämmte erste Welle unterwegs. Weltweit infizieren sich so täglich rund 450.000 Personen; Tendenz steigend.

Angesichts der auch in Europa deutlich wachsenden Ansteckungszahlen ist es unvermeidlich, dass nun in vielen Ländern vor allem Europas erneut Lockdowns – unterschiedlicher Ausprägung – mit entsprechenden wirtschaftlichen Folgen in Kraft sind. Fakt ist: Kein deutsches Nachbarland ist derzeit ohne Risikogebiet. Und die Belege auch in Deutschland, dass die Pandemie immer schneller um sich greift, unterstreichen zusätzlich die alternativlosen Entscheidungen für die Politik.

Die Folge: Profi-Sportveranstaltungen finden nun vor leeren Rängen statt, Amateursport gar nicht, Privatfeiern sind nur noch sehr eingeschänkt möglich, Großveranstaltungen abgesagt und Sperrstunden erlassen. Angesichts der starken regionalen Konzentration von Corona-Hotspots könnten auch noch weitergehende Ausgangssperren für das gesamte Ruhrgebiet oder eine einsame Weihnacht für Oberbayern nicht mehr nur wilden Fantasien entsprungen sein. Und auch Handel, Touristik, Veranstaltungswesen oder Gastronomie werden extrem hart getroffen.

Das geht auch an den Fiinanzmärkten nicht spurlos vorbei: Der Deutsche Aktienindex (DAX) etwa hat so an den ersten drei Tagen der letzten Oktoberwoche rund 1.000 Punkte eingebüßt. Neben der Gewinnwarnung des Schwergewichts SAP sind es vor allem die Corona-Sorgen, die wieder das Ruder an den Börsen übernommen haben. Schwächere Konjunkturindikatoren wie der Rückgang beim ifo-Geschäftsklima für den Oktober gehören dazu. Maßgeblich sind freilich die überall in Europa angekündigten Lockdown-Maßnahmen. Sie lassen Erinnerungen an die Börsenentwicklung im Frühjahr aufkeimen.

Drei Stützen für Konjunktur und Kurse

Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater stellt fest, dass „die zweite Corona-Welle früher kommt als erwartet, und das Infektionsgeschehen sich leider dynamischer als gedacht zeigt." Der Experte erläutert aber, warum die Vergleiche zum Frühjahr mit seiner historischen Rezession und dem heftigem Börseneinbruch im Ausmaß zu weit gehen. Das habe vor allem drei Gründe:

Erstens – die Lage ist differenzierter: Die neuen Lockdown-Regeln in Deutschland etwa seien flexibler und gezielter als im Frühjahr. Die Wirtschaft hat sich überdies mit besseren Arbeitssicherheitskonzepten auf eine Produktion unter Corona-Bedingungen eingestellt und die weltweite Nachfrage sieht dank eines stabilen chinesischen und US-Marktes besser aus.

Zweitens – die Politik stützt weiter massiv: „Expansive Geld- und Finanzpolitik war und bleibt wichtig für die Erholung von Konjunktur und Aktienmärkten", so Kater. In Deutschland werden beispielsweise die Umsatzverluste kleiner Unternehmen durch Schließungen im November nennenswert finanziell kompensiert. Frankreich und Schweden haben jüngst bereits umfangreiche Konjunkturpakete geschnürt, in den USA wird darüber gerade verhandelt. Und der Experte erwartet, dass die Europäische Zentralbank ihr Anleiheankaufprogramm (PEPP) zeitlich verlängern und im Volumen erhöhen wird. Das gebe Konjunktur und Märkten letztlich Halt und Orientierung – und trägt zu positiven Umsatz- und Gewinnperspektiven der Unternehmen für das kommende Jahr bei.

Drittens – die Hilfe kommt näher: Gerade bei den Impfstoffen kommen die Testphasen gut voran. Neben der Verfügbarkeit wird die Impfung selber einen großen logistischen Aufwand bedeuten und Zeit brauchen. Damit kann die Corona-Pandemie nicht auf einen Schlag beendet werden. Doch die weiteren Perspektiven werden sich mit dem medizinischen Fortschritt bei der Bekämpfung des Virus verbessern.

Das Virus lässt nicht nach

Gerade diese medizinische Hilfe wird dringend gebraucht. Auch für die Deka-Volkswirte war immer klar, dass ohne Impfstoffe und Medikamente das Winterhalbjahr 2020/21 mit einer zweiten Welle der Pandemie einhergehen und die Konjunkturerholung zäh, langwierig und mit Blick auf die Volkswirtschaften sehr heterogen ablaufen würde.

Was bedeutet jetzt die Rückkehr des Covid-19-Virus für die Konjunktur- und Kapitalmarktperspektiven? „Aus den Erfahrungen des Frühjahrs zeichnet sich ab, dass insbesondere Unternehmen des produzierenden Gewerbes ebenso wie Kitas und Schulen nach Möglichkeit geöffnet bleiben sollten. Rasche, überwiegend lokale und zeitlich eng begrenzte Beschränkungen des öffentlichen Lebens könnten dafür sorgen, eine ‚angeordnete‘ heftige Rezession wie im Frühjahr zu vermeiden“, betont Kater.

Die konjunkturelle Erholung wird holpriger

Nicht zuletzt die Übung im Umgang mit dem Virus in der Bevölkerung und auch im Gesundheitssystem spricht aus seiner Sicht nach wie vor mit der höchsten Wahrscheinlichkeit für ein Szenario, in dem sich die konjunkturelle Erholung fortsetzt – wenn auch holpriger als zuvor gedacht. Diese Perspektive ist für die Kapitalmärkte wichtig. Denn die derzeit robuste Verfassung der Aktienmärkte resultiert unverändert aus der Erwartung, dass bei Bedarf zusätzliche Unterstützung seitens der Geld- und Finanzpolitik kommen wird – bis dann im kommenden Jahr die Entwarnung dank bereitstehender Impfstoffe ansteht.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Die Kosten im Umgang mit dem Virus schätzt das Bundesfinanzministerium für 2020 und 2021 auf 620 Milliarden Euro, wobei dieser Betrag noch nicht die Kreditgarantien in Höhe von 756 Milliarden Euro beinhaltet. Hohe Staatsausgaben und Haushaltsdefizite würden so auf Sicht der kommenden Jahre anhalten. Dabei dürfte die Finanzierung zum Teil über den EU-Wiederaufbaufonds erfolgen; der soll voraussichtlich als dauerhafte Institution etabliert werden – das hat zumindest EZB-Chefin Lagarde kürzlich in der französischen Zeitung Le Monde gefordert.

Neben der aktuellen Wirtschaftskrise lauert am Horizont eine weitere Herausforderung: Läuft etwa die Aussetzungsfrist der Insolvenzantragspflicht zum Jahresende ab, könnten viele Unternehmen schließen und die Kreditinstitute vor weitere Herausforderungen stellen. „Die Ausnahmen werden bereits langsam zurückgenommen – aber das ist auch richtig“, so der Deka-Chefvolkswirt. Denn eine Abwärtsspirale wäre zwar fatal, eine „Einbalsamierung der Wirtschaft“ aber auch.

Die Deka-Experten gehen so davon aus, dass die Politik der lokalen Beschränkungen zu einer Pause im ansonsten kräftiger als erwartet ausgefallenen Erholungsprozess seit Mai führt. Nach der starken Erholungsrate im dritten Quartal dürfte die zweite Welle und der weitgehende Lockdown zu einer Stagnation der Konjunktur in Deutschland führen – schlimmstenfalls erwarten die Volkswirte eine leicht negative Quartalsrate.

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Insgesamt könnte die zweite Welle für die Wirtschaft dennoch glimpflicher ausfallen als die erste. Denn aus der ersten Phase der Pandemie im Frühjahr gibt es vielfältige Erkenntnisse. Mediziner und Politiker können die Bedrohungslage besser einschätzen und differenzierter reagieren. „Aus unserer Sicht wird sich die weitere wirtschaftliche Erholung zäher gestalten, aber einen Einbruch wie im Frühjahr erwarte ich nicht“, erklärt Kater und fügt an: „Die gegenwärtige Covid-19-Welle trifft Europa zwar besonders hart. Für die gesamte Weltwirtschaft wird die Erholung aber weitergehen, wenn auch stark verlangsamt oder sogar für einige Wochen ganz unterbrochen."

„Am langfristigen, trendmäßigen Aufwärtspfad der Weltwirtschaft kann diese zweite Coronawelle nicht rütteln.“ Ulrich Kater, Deka-Chefvolkswirt

Und was bedeutet das alles für den Anleger? Da rät Experte Kater, „weiter im gewohnten Umfang Aktien zu halten und zu akkumulieren, Sparpläne beizubehalten und nicht übermäßig auf vermeintliche Krisenanlagen zu spekulieren". Denn das Börsenwetter mag in den Winter hinein Corona bedingt ungemütlich bleiben, und begrenzte weitere Kursrückgänge erscheinen möglich. Doch sei das unmittelbare Rückschlagpotential begrenzt. Grundsätzlich gelte ohnehin für den breit diversifizierten Anleger, der langfristige Perspektive habe: „Am langfristigen, trendmäßigen Aufwärtspfad der Weltwirtschaft kann diese zweite Coronawelle nicht rütteln."

Die enthaltenen Meinungsaussagen geben die aktuelle Einschätzung der DekaBank zum Zeitpunkt der Erstellung wieder. Diese kann sich jederzeit ohne Ankündigung ändern. Die Angaben wurden sorgfältig zusammengestellt.

Stand: 29.10.2020

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