Corona-Zwischenbilanz Die Hoffnung verstärkt sich

Das Corona-Virus und die Folgen haben die Weltwirtschaft seit fast einem halben Jahr im Griff. Eine neue Analyse der Deka sieht aber positive Signale für Wirtschaft und Anleger.


TEXT: Peter Weißenberg

„Die Börsen sind nach wie vor ein guter Indikator“, sagt Joachim Schallmayer. Der Leiter Kapitalmarkt und Strategie der DekaBank ist zuversichtlich, dass die Aktionäre mit der massiven Kurserholung seit dem Einbruch vom März auch beim Aufschwung eine Entwicklung antizipieren, die bald in der Realwirtschaft ankommen wird.

Diese optimistische Sicht hat Schallmayer zusammen mit Ulrich Kater, dem Chefvolkswirt der DekaBank, jetzt bei einer aktuellen Zwischenanalyse nach den ersten Monaten der Corona-Krise vorgelegt. Noch müssten demnach zwar die Unternehmen weltweit ihre Gewinnerwartungen zurückschrauben.

Die Hoffnung verstärkt sich, dass der Tiefpunkt bei den Gewinnerwartungen erreicht ist“Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmarkt und Strategie der DekaBank

Doch bei diesem Trend sei eine Bodenbildung zu erwarten. „Die Hoffnung verstärkt sich, dass der Tiefpunkt bei den Gewinnerwartungen erreicht ist“, beobachtet der Deka-Stratege. Sollte das Virus weitgehend unter Kontrolle bleiben, werde sich schon im dritten Quartal eine massive Erholung im Wirtschaftsleben zeigen.

Diese Erwartung nehmen die Börsen teilweise bereits vorweg - auch, wenn es in den kommenden Wochen durchaus noch Korrekturen geben werde. Doch die Richtung stimme, so Schallmayer. Dafür sorgen auch „die schnellen und entschlossenen Eingriffe der Notenbanken”. Sie haben den Boden für die Rallye an den Aktienmärkten bereitet. Allerdings werde es noch etwas dauern, bis die Gewinne wieder Vorkrisenniveau erreichen.

Stark angestiegen seien hingegen die Unternehmensbewertungen. Wurde der DAX Ende 2019 noch mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 14,2 gehandelt, liege dieses derzeit bei einem geschätzten KGV von 17,1. Damit seien die Aktien im Moment zwar nicht mehr billig, Grund zur Sorge sieht Schallmayer aber nicht: „Aktuell sind die Kurse den erwarteten Gewinnentwicklungen etwas vorausgeeilt, so dass die Bewertungen die Kursdynamik nach oben etwas abbremsen können.“ Allerdings würden steigende Unternehmensgewinne auch weiter steigende Aktienkurse fundamental rechtfertigen, so der Experte.

Breite Streuung bleibt wichtig

Wie soll der Anleger mit Blick auf eine langfristige Vermögensbildung in dieser Situation handeln? Aufgrund der vielfältigen Unsicherheiten seien eine breite Streuung und aktive Aktienauswahl wichtiger denn je, so Schallmayer. Während die USA von der Stärke und Stabilität einiger weniger Technologie-Zugpferde profitieren, würden sich sowohl in Europa als auch in den Schwellenländern zyklische Chancen ergeben.

In den kommenden Monaten erwarten die Deka-Volkswirte auf breiter Front den Beginn einer konjunkturellen Aufholjagd. Staaten wie China, die das Virus schon sehr früh erfolgreich eingedämmt haben, können sogar wieder mit einem realen Wachstum rechnen; die Weltwirtschaft insgesamt werde 2020 allerdings mit einem Rückgang von 3,5 Prozent zu kämpfen haben. In Deutschland wird es bis zum Herbst 2021 dauern, bis „die Wirtschaft wieder auf dem Vorkrisenniveau produziert“, prognostiziert Kater. Im Jahr 2021 sei aber hierzulande bereits wieder mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung von 5,6 Prozent zu rechnen.

„Wir rechnen eher mit steigenden Preisen von Aktien und Immobilien als von Konsumgütern“Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Ein Schlüssel für die nachhaltige Erholung ist die Zuversicht: „Wichtig für die schnelle Rückkehr zur Normalität ist, dass die Verbraucher und Unternehmen wieder Vertrauen schöpfen und aus dem Corona-Alptraum erwachen“, erklärt der Chefvolkswirt.

Trotz des enormen Umfangs der Wirtschaftspakete und dem damit verbundenen „Geldregen“ geht Kater indes von keiner unmittelbaren Inflationsgefahr aus. Zwar steige die Kreditvergabe und die breite Geldmenge deutlich an, aber auf absehbare Zeit hielten die Konsumenten lieber weiterhin ihr Geld, als es auszugeben. Kater: „Wir rechnen eher mit steigenden Preisen von Aktien und Immobilien als von Konsumgütern.“ Gute Aussichten für Geldanleger in den entsprechenden Fonds.

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Stand: 25.06.2020