Katers Welt Die Kapitalmärkte schlagen sich wacker

Politische Themen und Risiken drängten sich in den vergangenen Tagen mit aller Macht immer mehr in den Vordergrund der Börsen.


Allein in Europa sind die Regierungskrise in Österreich und der angekündigte Rücktritt der britischen Regierungschefin Theresa May wenig hilfreich für die Kapitalmärkte. Überschattet wird dies freilich noch von der Verschärfung des Handelsstreits der USA mit China durch Präsident Donald Trump. Dabei bestätigen sich erstmals die Belastungen für die US-Wirtschaft: Nun soll den von bilateralen Zöllen geschädigten Farmern mit einem Hilfspaket in Höhe von 16 Milliarden US-Dollar unter die Arme gegriffen werden.

Kurzum: die Nachrichtenlage ist desaströs, und doch haben sich die Aktienmärkte insgesamt wacker geschlagen. Bei allenfalls gemischt ausgefallenen Konjunkturindikatoren lassen sich die Börsen weiter von der Hoffnung auf unterstützende Notenbanken tragen.

Märkte müssen Europawahl verarbeiten

Auch in der kommenden Woche dürften die Märkte eher weniger von Konjunkturdaten getrieben werden als von den politischen Ereignissen. Es gibt immerhin am Freitag Inflationsdaten, die die Markterwartungen an die Notenbanken auffrischen können. Wichtiger dürften die Ergebnisse der Europawahl sein, was die Märkte erst einmal verarbeiten müssen. Bedeutsam wird sein, wie stark rechtspopulistische Parteien abschneiden werden und ob handlungsfähige Koalitionen rasch zusammenfinden.

Unabhängig davon lasten politische Risiken auf den Unternehmensgewinnen. Analysten dürften ihre Gewinnschätzungen für das zweite Quartal tendenziell zurücknehmen. Allerdings zeigte sich in der Vergangenheit stets: Politische Börsen haben kurze Beine. Das sollte auch dieses Mal der Fall sein.

Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen; Stand: 25.05.2019