Coronakrise Corona und kein Ende?

Eine sachliche Analyse und der Blick in die Vergangenheit zeigen, wie es nach dem Kursrutsch an den Aktienmärkten weitergehen könnte.


TEXT: Daniel Evensen

Weil sich das Coronavirus inzwischen auch in Europa und den USA in hoher Geschwindigkeit ausbreitet, werden die wirtschaftlichen Folgen gravierender ausfallen als noch Anfang Februar angenommen.
Nach Einschätzung der Deka sind Länder wie Japan, Italien, Frankreich und auch Deutschland wegen der Folgen der Coronapandemie bereits tief in die Rezession abgerutscht.

Dieser Sicht der Dinge entspricht auch der Kurseinbruch an den Aktienmärkten. So verlor etwa der DAX seit Jahresanfang nahezu 30 Prozent (Stand: 27.03.). Doch wer langfristig und kontinuierlich sein Vermögen mit Wertpapieren vermehrt, für den sind selbst solche zwischenzeitlichen Entwicklungen nicht unbekannt.

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Die letzten scharfen Korrekturen traten beim DAX 2011 (Eurokrise) und 2008 (Finanzmarktkrise) auf. Beide Male stoppte der Abwärtstrend ungefähr auf Höhe der Buchwerte der DAXUnternehmen, die ihren Vermögenswerten abzüglich Verbindlichkeiten entsprechen. Eine Bewertung des DAX auf Buchwert spiegelt eine extrem pessimistische Sichtweise der Anleger wider, da keinerlei zukünftige positive Entwicklung eingepreist ist.

Buchwert als Haltemarke

Nicht nur derartige Kursrückschläge, sondern auch negative Börsenjahre sind eher die Ausnahme als die Regel, wie auf der folgenden Grafik zu sehen ist. Seit seinem Start hat der DAX daher langfristig stark zugelegt. fondsmagazin hat weiter unten bei Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der Deka, nachgehört, wie er den weiteren Verlauf der gegenwärtigen Börsenbaisse einschätzt.

Wie könnte es weitergehen?

Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der Deka, gibt Antworten auf diese Frage und sagt, worauf Anleger jetzt achten sollten.

Werden die Aktienkurse mit der Ausbreitung des Coronavirus immer weiter fallen?
Holger Bahr: Das aktuelle Kursniveau berücksichtigt schon jetzt Vieles an möglichen schlechten Nachrichten, die noch kommen könnten, inklusive Rezessionen in verschiedenen Ländern, so auch in Deutschland. Wir halten die Coronapandemie zwar für ein schwerwiegendes, jedoch temporäres Problem. Deshalb bestehen gute Aussichten, dass wir nach einigen Monaten eine langsame Erholung an den Börsen erleben werden. Bis dahin müssen Anleger allerdings noch mit stark schwankenden Kursen rechnen.

Holger Bahr, Leiter Volkswirtschaft der Deka

Wie sollen Anleger auf diese Marktlage reagieren?
Anleger sollten die Nerven behalten. Also sich am besten nicht stündlich mit den neuesten Coronazahlen und Börsenkursen beschäftigen, sondern den Blick weiten: Wie stellen sie sich die Welt in ein oder zwei Jahren vor? Dann haben wir hoffentlich längst einen Impfstoff, die Coronakrise ist Geschichte und der Konjunktureinbruch überstanden. Bei so einer Betrachtung wird klar, dass langfristig orientierte Wertpapieranleger investiert bleiben können. Sie können an ihrem Fondsportfolio festhalten und vor allem auch ihre Fondssparpläne weiterlaufen lassen. Denn die gegenwärtige Marktlage bietet langfristig orientierten Wertpapiersparern auch Einstiegsgelegenheiten. Da allerdings niemand weiß, ob wir schon wirklich die Tiefstkurse gesehen haben oder es noch etwas weiter runtergeht, empfiehlt es sich, Einmalanlagen in kleinere Portionen aufzuteilen und sukzessive zu investieren.

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Im vergangenen Herbst hat die Deka in einem langfristigen Ausblick betont, dass Aktien in der neuen Dekade die besten Renditeaussichten haben. Bleibt es dabei?
Auf jeden Fall, an Aktien geht gerade in der Niedrigzinszeit für den langfristigen Vermögensaufbau kein Weg vorbei – selbst wenn unvorhergesehene Ereignisse immer wieder einmal zu Rückschlägen führen können. Die Börsianer haben in den vergangenen Jahrzehnten eine ganze Reihe von Schocks und Krisen durchstehen müssen und trotzdem ist zum Beispiel der DAX von 1.000 Punkten bei seinem Start 1988 in der Spitze auf 13.800 Punkte gestiegen und liegt jetzt bei rund 9.000. Wir sehen bei unserem Ausblick auf die gesamten 20er-Jahre weiterhin Aktien mit einem Potenzial von 5 Prozent Rendite per anno klar an der Spitze. Die aktuell niedrigen Indexstände bieten eher die Chance, dass es etwas mehr werden wird.

Stand: 30.03.2020