Innovation Die Zukunft ist jetzt

Bahnbrechende Neuheiten sind der Motor der Wirtschaft. Was früher Dampfmaschine, Fließband oder Computer waren, sind heute Smartphone, Genom-Analyse oder Satellitennavigation. Unsere Welt ändert sich rasant, Digitalisierung und Vernetzung sind die Basis zahlloser Innovationen. fondsmagazin zeigt, was auf Anleger zukommt.


TEXT: Peter Weißenberg

Wer die Heilsbringer der Zukunft kennenlernen will, sollte mal wieder ins Grüne gehen. Genauer gesagt in ein kleines Wäldchen, gleich hinter einem mächtigen Büroblock am Amphitheatre Parkway 1600, Mountain View, Kalifornien. Nach ein paar Minuten stößt der Besucher unvermittelt auf einen schmucklosen Zweckbau mit abgedunkelten Glasscheiben. Keine Aufschrift, keine Hausnummer.

Die mehreren Hundert Menschen, die hier hinter einer doppelt gesicherten Eingangsschleuse forschen, legen offenbar keinen Wert auf Öffentlichkeit. Noch nicht. Die Mediziner, Biologen, Chemiker oder Elektroingenieure wollen erst Diabetes, Herzinfarkt oder Krebs in die Schranken weisen. Ihre Ideen: spezielle Diagnostik-Smartwatches, die den Gesundheitszustand überwachen und menschliche Schwächen vorausahnen, bevor sie zu Krankheiten werden; Kontaktlinsen, die ständig den Blutzucker in der Augenflüssigkeit messen und dem ­Diabetiker melden; winzige Nanoroboter, die durch die Blutbahn rasen – um im Kampf gegen Krankheiten und deren Träger einen Schritt schneller zu sein.

Pilotiertes Fahren

Willkommen in der Medizinwelt der Zukunft, ­hallo Google! Verily Life Sciences, eine Tochter des Suchmaschinen-Giganten, arbeitet hier an digital vernetzten Heilmethoden. Der Softwarekonzern ist keine Ausnahme: Auch Microsoft, Apple oder Amazon investieren Milliarden in ähnliche Abteilungen – und arbeiten inzwischen auch mit traditio­nellen Pharmakonzernen zusammen.

Marion A. Weissenberger-Eibl überrascht die neue Stoßrichtung der Medizin nicht. Die Zukunftsforscherin ist Chefin des Karlsruher Fraunhofer-­Instituts für System- und Innovationsforschung und sieht in den Lifesciences einen Kernbereich der nächsten industriellen Revolution, der aus der Vernetzung gigantischer Datenmengen entsteht.

Auch Jennifer Jürgens, Pharma-Fondsmanagerin bei der Deka, erkennt bereits einen „rapiden Fortschritt“ – etwa durch die Möglichkeit, das Genmaterial zu analysieren: „Es wird immer besser möglich, Ursachen für Erkrankungen zu erkennen und diese genauer zu spezifizieren.“ Das ist eine Grundlage, um heutige Geißeln der Menschheit wie Krebs, Alzheimer und zahlreichen anderen Erkrankungen den Kampf anzusagen. „Wer hier als Unternehmen Erfolg hat, erfreut nicht nur seine Aktionäre, sondern hilft zugleich den Menschen“, betont die Deka-Expertin. Auch darum macht Jürgens die ­Suche nach den Top-Unternehmen für die Fonds der Deka so viel Freude.

Medizintechnik ist aber nicht der einzige Nutznießer der neuen Welle industrieller Innovationen: Die ständige und nahtlose Vernetzung von Menschen­ und Dingen, künstliche Intelligenz, neuartige Produktionsmethoden, nachhaltige Energieerzeugung oder virtuelle Realität schieben einen grundlegenden Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft an und können für einen Wohlstandsschub sorgen.

Kondratieff-Zyklen: Die Konjunktur schwankt in jahrzehntelangen Wellen


Das hat die Geschichte gezeigt. Hier ­waren­ es neue Ideen wie die Dampfmaschine, das Fließband oder das Automobil, die immer wieder alte Techniken verdrängten, Kunden begeisterten, neue Firmen formten und für Wohlstand sorgten. Der russische Ökonom Nikolai Kondratieff entdeckte so bereits in den 1920er-Jahren wiederkehrende Zyklen, die auf ­sogenannten Super-Innovatoren – also auf grundlegend neuen technischen Erfindungen – basieren. Immer wieder erneuern diese die Marktwirtschaften über Zeiträume von vier bis sechs Jahrzehnten, ehe sie ausgereizt sind.

„Das Sammeln, Vernetzen und Auswerten von Daten, also die Digitalisierung der Welt, ist jetzt so ein Game-Changer“, sagt Deka-Autoexpertin Senta Graf. Sie hat täglich mit den Auswirkungen zu tun, denn die Autoindustrie steckt mitten drin in der Innovationswelle. „Autos sind heute Hochleistungscomputer, die sich in die mobile Umwelt, das Web, aber auch ins Smart Home des Besitzers einfügen“, sagt Graf. Wer in Zukunft vorne dabei sein will, müsse mehr als nur gute Autos bauen. „Ich schaue mir daher sehr genau an, was die Hersteller und Zulieferer etwa bei Sharing-Angeboten, Elektrifizierung, Datenvernetzung oder eigenen Navigationsdiensten zu bieten haben. Denn das sind die Geschäftsmodelle der Zukunft“, erläutert Graf.

Die Vernetzung erfasster Daten ist die Kern­innovation beinahe aller Branchen. Dadurch wird es möglich, dass Daten ständig miteinander in Verbindung stehen und im Fluss bleiben. So wird das Wissen der Welt überall verfügbar. Peter Diamandis, Weltraumforscher, Unternehmer und einer der wichtigsten Vordenker der US-Technologiebranche, sagt: „Den Menschen ist gar nicht klar, wie schnell die Digitalisierung unsere Welt wandelt.“ 2010 etwa waren weltweit rund zwei Milliarden Geräte im Internet – mehr als zwei Drittel stationäre PCs –, heute sind es mehr als das Zehnfache, die meisten sind mobil: Smartphones, Tablets, aber auch Autos. Und 2030 werden laut einer PwC-Studie eine halbe Billion Dinge untereinander Daten austauschen. Aus dem Internet of Things wird das Internet of Everything.

Internet der Dinge


Längst revolutioniert das die Wirtschaftswelt. Diamandis nennt das Beispiel Youtube: Die drei Gründer Chad Hurley, Steve Chen und Jawed ­Karim haben die Video-Abspielplattform im Februar 2005 mit ein paar Tausend Dollar ins Leben gerufen; die digitale Innovation zog schon nach wenigen Monaten Millionen Nutzer und die werbetreibende Industrie an. Nur 18 Monate später wurde das Unternehmen von Google für mehr als 1,3 Milliarden Euro gekauft. „Das ist exponentielle Wertschöpfung, genau wie die Entwicklung der Rechenleistung“, sagt Diamandis.

Digitale Helfer verlangen Gehör

Doch die Zukunft hält noch mehr Innovations­schübe bereit, etwa bei den digitalen Sprach­assistenten: Siri, Alexa und Co sind bereits in mehr als einer Million deutscher Haushalte immer ­ansprechbar – aber ­eigentlich doch nur bessere Spielzeuge im ­Vergleich zu den Helfern, die jetzt Gehör verlangen: Ein digitales System wie Watson, der cloudgestützte Superrechner von IBM, kann etwa die Daten von Millionen Kone-Aufzügen weltweit in Echtzeit analysieren und möglichen Problemen schon im Vorfeld begegnen.

Die Assistenten werden zudem immer proaktiver, weil sie unser Verhalten aus Millionen gesammelter Daten erkennen, vernetzen und interpretieren – vom Einkauf über die Bahnfahrt bis zum Suchverhalten oder den Blutdruck. Sie wissen dank künstlicher ­Intelligenz, was man tun wird oder möchte. Intelligente digitale Assistenten helfen mit einer breiten Palette von Angeboten: von den eigenen Finanzen, wo intelligente Haushaltsbücher oder Depot-Programme das Vermögen automatisch kategorisieren und optimieren, über die Gesundheitskontrolle bis zur Wahl des passenden Inhalts im Kleiderschrank.

Dazu kommen digitale Haushaltshelfer. Der Saugroboter ist dabei erst der Anfang. Eine riesige­ Indus­trie entsteht gerade rund um das Smart Home – ­neben klassischen Anbietern wie Vorwerk, Winkhaus oder Miele sind auch Chipfabrikanten, Start-ups oder IT-Konzerne im Spiel. Sie vernetzen die Dinge mit anderen Anwendungen und machen sie dadurch intelligenter.

Sogar Superroboter werden ganz alltäglich. Schwer heben oder die Querschnittslähmung überwinden, auch das ist keine Utopie mehr: ­Exoskelette können die Kräfte ihrer Träger vervielfachen und werden längst eingesetzt – so am Flughafen Tokio, in der Logistik oder Fahrzeugproduktion. Gebaut werden diese etwa vom Autokonzern Hyundai, der mit seiner Robotikabteilung Wachstumschancen nutzen will.

Exoskelett


„Ich liebe solche Zeiten, die alles verändern“, sagt Deka-Expertin Senta Graf. Denn zum einen bereichert eine Vielzahl neuer Entwicklungen auch aus anderen Branchen ihr Fachgebiet: „Der Austausch mit dem Deka-Technologie-Team oder den Chemie-Experten wird wichtiger.“ Zum anderen steigt auch die Bedeutung des aktiven Fonds­managements. „Fundamentaldaten oder die heutige Bedeutung in einem Index reichen nicht, um die Zukunftschancen im Portfolio optimal abzubilden. Messen und Unternehmen besuchen, Marktforschung studieren, Newcomer und sich wandelnde Konzerne im Blick haben – das sorgt für die optimale­ Anlagemischung“, ist Graf überzeugt.
Zu dieser neuen Wirklichkeit kommt die Vernetzung mit der virtuellen Welt: Augmented Reality und Virtual ­Reality verschmelzen mit der analogen Wirklichkeit. Kürzlich hat auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas der Hersteller Vuzix eine Augmented-­Reality-Brille präsentiert. Sie blendet auf Zuruf auf dem Inneren des Brillenglases Informationen ein, die nur vom Träger der Brille gesehen werden können: ­Sehenswürdigkeiten, Einkaufspreise oder den Weg zum nächsten Starbucks.

Daten statt Waren schicken

„Die besten Unternehmen schaffen es, neue Technologien mit Digitalisierung, Robotik und der vernetzten Fabrik zu kombinieren und dem Kunden einen Mehrwert zu bieten“, beschreibt Zukunftsforscher Diamandis das unternehmerische Erfolgsrezept. Die Speedfactory ist ein Beispiel dafür. Hier hat Adidas eine Fabrik in Betrieb genommen, die innerhalb von 24 Stunden einen komplett individualisierten Schuh produzieren und dem Kunden liefern kann. Airbus-Chef Tom Enders setzt den 3-D-Druck für extrem teure Ersatzteile ein. Für ­einen liegen gebliebenen Airbus in Alaska werden die Daten einfach an einen nahegelegenen Hightech­drucker gesendet und dort ausgedruckt. An dieser Technologie arbeitet bei Airbus inzwischen eine eigene Tochtergesellschaft. Andere Kollegen entwickeln zeitgleich den ersten autonom fliegenden Elektro-Hubschrauber, der emissionslos Passagiere über verstopfte Megacities transportieren wird. Ein erster Prototyp hat 2018 bereits abgehoben.

Dieser Technologiesprung ist ein Beispiel für die vielleicht wichtigste Zukunftsvision: die absolut nachhaltige Welt. Das ist ein Megatrend, um den sich mehr und mehr Ideen entwickeln, die die Welt bewegen: Null-Energie-Häuser und -Fahrzeuge, nachhaltige Energieerzeugung, CO²-neutrale Produkte, aber auch soziale Nachhaltigkeit. Die Deka hat dazu eine eigene Fondsfamilie mit vier Produkten geschaffen – für Anleger, die gezielt einen Schwerpunkt auf die Firmen setzen wollen, deren Innovationen oder deren Kultur die Welt ein bisschen besser machen.

Ganz generell gilt: Fonds bieten viele Möglichkeiten, an den großen Megatrends teilzuhaben, die unsere Wirtschaftswelt bewegen. Diese Form der Geldanlage ist ein kraftvoller ­Hebel im Maschinenraum der Ökonomie. „Im Schnitt sind zum Beispiel deutsche Fonds an den Aktien deutscher Firmen zu 10 Prozent beteiligt. An Daimler etwa hielt allein die deutsche Fondsbranche im vergangenen Jahr 15 Prozent der Aktien, bei Siemens waren es 12 und bei Bayer rund 9 Prozent“, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI.

Fondssparer unterstützen auf diesem Weg also in der ganzen Breite die Innovatoren der Zukunft – und können kräftig an deren Erfolgen mitverdienen. Vor dieser Zukunft muss niemand bange sein.