Geldanlage Doppelte Dividende

Nachhaltigkeitsfonds können gute Renditeaussichten bieten – und ein gutes Gewissen. Das werden 2020 noch viel mehr Anleger erfahren.


TEXT: Daniel Evensen

Eine Kundin kommt in den Supermarkt. Kaum hat sie sich ihren Einkaufswagen geholt, begrüßt sie schon ein Angestellter mit einem fröhlichen: „Hallo, darf es denn auch Bio oder Fairtrade sein?“ Als sie „Ja, gerne“ antwortet, begleitet der Verkäufer die Kundin praktischerweise gleich zu den passenden Regalen. Was heute noch Fiktion ist, soll im kommenden Jahr bereits Wirklichkeit werden – allerdings nicht im Lebensmittel-Einzelhandel, sondern in der Anlageberatung. Wenn Kunden sich dann in ihrer Sparkasse für Wertpapiere interessieren, werden die Berater sie fragen: Möchten Sie nach nachhaltigen Kriterien anlegen? Das sieht der für Ende 2020 geplante „Geeignetheitstest“ vor.

Die Idee zum Test stammt aus dem EU-Aktionsplan für nachhaltiges Wachstum in Europa und könnte zum „entscheidenden Game Changer“ in der Wertpapieranlage werden, so Hussam Masri: „Wir wissen aus Umfragen, dass bis zu drei Viertel aller Sparkassenkunden sehr offen für nachhaltige Geldanlagen sind – viele kennen sich damit nur noch nicht aus“, sagt der Leiter Produktmanagement der Deka. „Das wird sich grundlegend ändern, sobald Sparkassenberater die Kunden direkt darauf ansprechen und ihnen die Möglichkeiten aufzeigen.“

Hussam Masri: „Wir sind kurz vor dem Punkt, an dem die verwalteten Vermögen von Nachhaltigkeitsfonds schnell um viele Milliarden Euro steigen können“

Noch sind nicht alle Details des Geeignetheitstests geklärt: Auf welche Weise genau ermitteln die Berater zum Beispiel die Präferenz ihrer Kunden? Oder nach welchen Kriterien werden einzelne Fonds eingruppiert? Trotz offener Punkte ist aber schon jetzt klar, dass ökologische, soziale und ethische Aspekte bei der Geldanlage künftig kräftig an Bedeutung gewinnen: Bankberater werden landauf, landab im Thema Nachhaltigkeit geschult. Fonds- und Zertifikateanbieter werden mehr nachhaltige Produkte anbieten und Aktiengesellschaften verstärkt darauf achten, dass sie bei Nachhaltigkeitsratings gut abschneiden – andernfalls laufen ihnen immer mehr fürs Thema sensibilisierte Anleger davon.

Nachhaltigkeit zeigt Wirkung

Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka, kommt da auf den Vergleich mit dem Supermarkt zurück: „Vereinfacht gesprochen: Es ist eine gute Sache, wenn Verbraucher Bio-Eier oder Schokolade aus fairem Handel kaufen. Einen noch größeren Einfluss im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaft üben sie aber aus, wenn sie sich als Anleger für nachhaltige Fonds entscheiden.“

Dafür müssen interessierte Anleger nicht bis 2020 warten – sie können sofort starten. Deka-Produktchef Masri: „Die Deka hat bereits heute ein gut sortiertes Angebot an unterschiedlichen Nachhaltigkeitsprodukten, das wir in den kommenden Monaten weiter ausbauen werden.“ Und was nachhaltig anlegen eigentlich konkret bedeutet, wie es funktioniert und was die Anleger und unser Planet konkret davon haben, erklärt fondsmagazin hier und jetzt.

Die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit

ESG – dieses Kürzel begegnet einem automatisch, wenn man sich mit nachhaltiger Geldanlage beschäftigt. Es steht für „environmental“, „social“ und „Governance“ oder zu deutsch: Ökologie, Soziales und gute Unternehmensführung. Im Bereich der Ökologie betrachtet der nachhaltige Anleger unter anderem, ob sich Unternehmen für den Umwelt- und Klimaschutz einsetzen, wie sie mit natürlichen Ressourcen umgehen oder welche Bedeutung der Artenschutz für sie hat. Im Sektor Soziales spielt die Achtung der Menschen- und Arbeitsrechte eine essenzielle Rolle.

Wichtig ist dabei, wie sich Unternehmen für die Sicherheit und Gesundheit ihrer Mitarbeiter einsetzen oder auch, dass sie hohe Sozialstandards in der Lieferkette gewährleisten. Eine verantwortungsvolle Unternehmensführung zeichnet sich dadurch aus, dass sie langfristige Erträge dem schnellen Gewinn vorzieht, transparent ihre Vergütung und Zukunftspläne kommuniziert und angemessen mit Risiken umgeht.

Alle drei Dimensionen der Nachhaltigkeit sollten gleichermaßen betrachtet werden. „Wenn einer unserer Analysten etwa auf einen Hersteller von Windkraftanlagen mit überlegener Technologie stößt, bringt das Punkte in der Rubrik Ökologie“, so Deka-Experte Speich. „Stellt sich dann aber im persönlichen Austausch mit dem Management heraus, dass Defizite in der Führungskultur bestehen, wird der Fonds trotzdem nicht in die Aktie investieren.“ Oder auch die Anleihe. Denn es gibt auch Rentenfonds, die Anleihen danach bewerten, wie nachhaltig die dahinter stehenden Unternehmen und Staaten handeln.

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„Nachhaltigkeit muss sich aber auch auszahlen“, betont Deka-Experte Speich. Doch dafür sind die Voraussetzungen gut, denn verantwortliche Führung und langfristige Rendite sind quasi natürliche Partner: Wenn Unternehmen beispielsweise sparsam mit Ressourcen umgehen, macht sich das positiv bei den Ausgaben bezahlt Siehe Grafik Bei der Auswahl von Investments auf ESG-Kriterien zu achten, hat einen weiteren vorteilhaften Effekt: Anleger können potenziellen Gefahren aus dem Weg gehen.

So haben Tabakkonzerne hohe Klagerisiken; und Textilkonzerne, die unter schlechten Arbeitsbedingungen in Fernost produzieren lassen, gehen immense Reputationsrisiken ein. Ingo Speich nennt ein weiteres Beispiel: „Beim Betrieb eines Atomkraftwerks ist die Wahrscheinlichkeit eines schweren Unfalls zwar extrem niedrig, wenn er aber doch eintritt, dann sind kolossale Schäden die unvermeidliche Folge. Warum sollten sich Anleger solch ein unkalkulierbares Risiko ins Depot holen?“

Nachhaltigkeitsfonds schneiden gut ab

Folgerichtig schneiden Nachhaltigkeitsfonds in Studien immer wieder gut ab. So fand der US-amerikanische Finanzdienstleister MSCI 2017 in einer Analyse heraus, dass Unternehmen mit starkem ESG-Rating im Durchschnitt profitabler arbeiten, höhere Dividenden ausschütten und ihre Aktien weniger schwanken als der Gesamtmarkt. Im Jahr 2014 durchleuchtete Professor Christian Klein von der Uni Kassel sogar gleich 35 internationale Studien Leistungsfähigkeit von Nachhaltigkeitsfonds: „15 stellten keinen Unterschied in der Performance fest, 6 errechneten schlechtere Ergebnisse für nachhaltige Fonds, aber 14 attestierten ihnen sogar bessere Leistungen als klassische Fonds.“

Interessantes Detail seiner Auswertung: Nachhaltige Fonds bergen im Durchschnitt etwas geringere Risiken. Das soll allerdings nicht heißen, dass sie absolut sicher sind. Natürlich können aber auch verantwortungsvoll handelnde Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, die ihre Aktienkurse in den Sinkflug schicken. Deshalb sind bei schwachen Börsen oder schwankenden Währungen auch bei Nachhaltigkeitsfonds Phasen mit negativer Wertentwicklung denkbar.

Doch auf welche Weise findet man die besten nachhaltigen Unternehmen? Bei Fondsgesellschaften weit verbreitet ist ein zweistufiges Auswahlverfahren, das die Deka noch um ein wichtiges drittes Element ergänzt. Auf der ersten Stufe werden Unternehmen aussortiert, deren Geschäftsmodell der Nachhaltigkeit widerspricht – etwa Rüstungskonzerne, Hersteller gentechnisch veränderten Saatguts oder Unternehmen, die Kinderarbeit dulden. Bei den verbliebenen Kandidaten werden auf der nächsten Stufe die Bewertungen von externen Ratingagenturen herangezogen und die Unternehmen tiefer durchleuchtet. Dabei wird auf den Best-In-Class-Ansatz gesetzt: Man fokussiert sich auf die besten Unternehmen in der jeweiligen Branche.

Seit einiger Zeit wird der dritte, dynamische Check immer wichtiger. „Tauchen bei Unternehmen zum Beispiel plötzlich Probleme, Ungereimtheiten oder Mängel auf, die sich in den Bewertungen von Ratingagenturen noch gar nicht widerspiegeln, dann können wir der Sache sehr schnell mit unseren eigenen Spezialisten nachgehen“, so Speich. Sein mittlerweile siebenköpfiges Team für Nachhaltigkeit und Corporate Governance hat jährlich rund 400 Termine mit Vorständen, bei denen es um kontroverse Themen geht. Die Deka-Spezialisten fragen nicht nur nach, sie drängen auch auf Besserung. Ingo Speich: „Stellt sich eine Unternehmensführung taub für unsere Forderungen oder Vorschläge, kann das zum Ausschluss aus nachhaltigen aber auch klassischen Fonds führen.“ Nach dem mehrfachen Aussieben stehen nun die Klassenbesten in Sachen Nachhaltigkeit fest und die Fondsmanager picken sich die Titel mit den überzeugendsten Geschäftsaussichten heraus.

Nachhaltigkeit und Rendite passen gut zusammen

Ähnlich wie das Bio-Sortiment in Supermärkten beständig wächst, wird auch das Nachhaltigkeitsregal der Deka, aus dem Anleger wählen können, in den kommenden Monaten immer weiter aufgefüllt. Ganz gleich, ob Aktien oder Anleihen, ob Vermögensmanagement, ETFs (Indexfonds) oder Zertifikate, „in allen Bereichen werden wir uns in Richtung noch mehr Nachhaltigkeit bewegen“, bekräftigt Produktchef Hussam Masri."

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Auf dem richtigen Weg

„Als ich 2005 meinen ersten Nachhaltigkeitsfonds gemanagt habe, war das noch eine völlig andere Welt“, erinnert sich Ingo Speich. „Teilweise reagierten Unternehmen ratlos, wenn ich sie nach der Nachhaltigkeit ihrer Geschäftsmodelle fragte. Wir konnten auch in ganze Bereiche der Aktienmärkte nicht investieren, weil keine Informationen zu den ESG-Kriterien vorlagen.“ Heute können sich Aktiengesellschaften dem Thema nicht mehr entziehen, aussagekräftige Nachhaltigkeitsberichte sind gesetzlich vorgeschrieben.

Es sind aber nicht so sehr Gesetze, die für mehr Transparenz sorgen. „Kunden, unsere Mitarbeiter und auch Investoren fordern das Thema Nachhaltigkeit immer stärker ein“, sagt beispielsweise Siemens-Sprecherin Konstanze Somborn. Die Verantwortung großer Unternehmen bestehe längst nicht mehr in der einseitigen Profitmaximierung, sondern vielmehr in verantwortungsvollem Wirtschaften mit Sinn und Bestimmung.

Siemens gehört zu den Konzernen, die sich hohe Ziele stecken. Seit 2014 konnten die Münchener mehr als 40 Prozent der CO2-Emissionen einsparen. Im Jahr 2030 will der Elektronikgigant komplett klimaneutral arbeiten. 100 Millionen Euro investiert Siemens in zahlreiche Projekte, um 20 Millionen Euro Energiekosten jährlich zu sparen. Und was den Strombedarf angeht, so stammen 60 Prozent bereits aus Ökostrom. Die Bemühungen werden auch von Experten anerkannt, Siemens rangiert 2019 auf Platz 28 der 100 nachhaltigsten Unternehmen der Welt.

Dagegen hat es der US-Chemiekonzern Clorox in diesem Jahr nicht in die Top-100 geschafft. Das überrascht auf den ersten Blick auch nicht, denn Clorox ist nicht zuletzt für Bleichmittel bekannt. Zu Clorox gehören aber auch das US-Geschäft der Brita-Wasserfilter und die Naturkosmetik-Marke Burt`s Bees, die beide der Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert einräumen. „Nachhaltigkeit bedeutet nun mal nicht, der eine ist gut, der andere schlecht. In großen Unternehmen findet man typischerweise Schwachstellen und starke Bereiche“, sagt Ingo Speich von der Deka. „Es bleibt in jedem Fall noch viel zu tun bis zu einer durch und durch nachhaltigen Wirtschaft.“

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Alleinverbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds (ETFs der Deka Investment GmbH) sind die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei der Deka Investment GmbH, Mainzer Landstraße 16, D-60325 Frankfurt am Main und unter www.deka-etf.de erhalten.

Stand: 28.11.2019