28.3.2019 | Fonds-Awards Ein Kompass für Fondsanleger

Wer sein Vermögen vermehren möchte, will sich auf seinen Fondsanbieter verlassen können. Der Fonds-Kompass des Magazins Capital bietet dafür Orientierung. Die Tester warnen vor einer reinen „Fixierung auf die Wertentwicklung“.


TEXT: Daniel Evensen, Peter Weißenberg

Capital-Redakteur Christian Kirchner kennt die deutsche Fondslandschaft wie nur wenige andere. Trotzdem war Kirchner von einigen Ergebnissen überrascht, als er mit Unterstützung der Experten von Scope für den Fonds-Kompass 2019 insgesamt 100 Fondsanbieter genau unter die Lupe nahm – etwa was den Service angeht: „40 Prozent der Servicestellen antworteten nicht auf E-Mail-Anfragen, die wir als Test versandt hatten – das sind mehr als im Jahr davor“, sagt Kirchner. „Das ist schon erstaunlich: Fondsgesellschaften müssen sich selbst laufend mit der Digitalisierung auseinandersetzen, wenn sie Aktien und Anleihen kaufen; aber manche von ihnen haben da intern eher geringe Ansprüche.“

In diesem Fall vor allem kleinere Fondshäuser. Denn während die großen Universalanbieter im Durchschnitt die besten Serviceleistungen der vergangenen sechs Jahre zeigten, lieferten die Nischenplayer die schlechtesten Resultate seit sechs Jahren ab.

HARTES TESTVERFAHREN

Das Beispiel verdeutlicht: einige Fonds mit guten Ergebnissen reichen bei Weitem nicht aus, um beim Capital Fonds-Kompass zu bestehen. Jedes Jahr erhalten nur 10 der 100 wichtigsten Anbieter in Deutschland die Höchstwertung von fünf Sternen. Die Deka gehört 2019 zu diesen Ausgezeichneten – zum siebten Mal in Folge. Eine „eindrucksvolle Konstanz“, urteilt Capital.

Um auf fünf Sterne zu kommen, sollten Fondsgesellschaften in keiner Kategorie des anspruchsvollen Tests patzen. Zur Gesamtwertung steuert die Produktqualität - also die Wertentwicklung der Fonds - die Hälfte bei, weitere 20 Prozent die Managementqualität, 5 Prozent entfallen auf die Produktpalette – und 25 Prozent eben auf die Serviceleistung. Capital-Redakteur Kirchner erklärt, warum der Service wichtig ist: „Ein Anleger kann das Vertrauen in eine Gesellschaft verlieren, wenn beispielsweise Fragen zu seinen Fonds, zur Wertentwicklung oder zu Steueraspekten offen bleiben. Dann steigt auch das Risiko, dass er seine Anlagestrategie über den Haufen wirft.“

Bei der Deka stimmt der Service, sie landet auf Platz 3 der 100 untersuchten Fondsgesellschaften. Christoph Borkowski, Service-Fachmann bei der Deka, sagt, worauf es ankommt: „Schnelle Erreichbarkeit für Anfragen der Sparkassen und ihrer Kunden über Telefon, E-Mail, Facebook oder Chat-Funktionen und eine zügige Bearbeitung sind wichtig.“ Aber auch umfassende Information auf Webseiten, Fondsrechner und Orientierungshilfen wie eine Volltext-, Produkt- und Beratersuche sowie Bewegtbild-Angebote. Und dahinter stehen kompetente menschliche Berater für den Kunden.

DIE RENDITE MUSS STIMMEN

Am wichtigsten für das Abschneiden im Capital Fonds-Kompass ist aber die Performance der Fonds. In die Capital-Wertung gingen insgesamt 5.032 Fonds aller Kategorien ein. Geprüft wurde die Wertentwicklung über ein, drei und fünf Jahre sowie die Preisschwankungen und maximale Verluste in schwierigen Marktphasen. Für Stefan Keitel, Geschäftsführer der Deka Investment, ist in Sachen Wertentwicklung die Kontinuität von besonderer Bedeutung: „2017 waren wir sehr stark im guten Umfeld, im schwierigen Jahr 2018 waren wir auch besser als viele andere.“

So wichtig die Renditezahlen auf den ersten Blick sind, Capital rät dazu, nicht das alleinige Augenmerk auf sie zu richten. Daher beträgt die Gewichtung im Capital Fonds-Kompass 50 Prozent – und nicht mehr. Christian Kirchner: „Wir glauben, dass die Fixierung allein auf die Wertentwicklung Anlegern wenig Hilfestellung in der Frage bietet, von welchen Fondsgesellschaften sie auch künftig gute Leistungen erwarten können.“ In Studien sei belegt, dass Gewinner von gestern zu Verlierern von morgen werden könnten und umgekehrt.

ERFAHRUNG ZAHLT SICH AUS

Deshalb berücksichtigen die Tester von Capital einen weiteren Aspekt, um erfolgreiche Fondsgesellschaften zu identifizieren: „Ein erfahrenes Team ohne größere Fluktuation ist ein wichtiger Indikator für künftig starke Leistungen“, betont Kirchner.

In der Kategorie Management müssen die Fondshäuser einen umfangreichen Fragenkatalog zu ihrer personellen Aufstellung und Erfahrung beantworten. Die Mannschaft der Deka belegte 2019 unter allen geprüften Gesellschaften Platz 2. Und dieses Deka-Team will beim Capital Fonds-Wettbewerb 2020 zum achten Mal in Folge die Topnote erhalten. Fünf Sterne auf Dauer, das ist eben ein echter Kompass für den Anleger.

Stand: 28.3.2019