Studie Eine Welt voller Innovationen

Trotz des geringeren Wachstums wird weltweit weiter viel geforscht. Das belegt der aktuelle Global Innovation-Index. Deutschland steht gut da.


TEXT: Peter Weißenberg

Wer hat´s erfunden? Die Schweizer. So hören es Fernsehzuschauer in der Werbung eines Bonbon-Herstellers aus dem Land der Berge. Doch die Behauptung ist mehr als nur Reklame. Das belegt die gerade erschienene neueste Ausgabe des Global Innovation Index (GII) der World Intellectual Property Organization (Wipo).

129 Länder hat die Organisation nach 80 Indikatoren bewertet – darunter Forschungs- und Entwicklungsausgaben, Patent- und Markenanmeldungen, die Entwicklung von neuen Medikamenten, Gesundheits-Software für Smartphones oder neue Online-Handelsplattformen. Schon zum neunten Mal stehen die Schweizer hier an der Spitze der findigsten Länder weltweit. Gefolgt von Schweden und den USA. Die großen Nachbarländer der Eidgenossen müssen sich hingegen weiter hinten einreihen: Deutschland landet vor allem dank seiner starken Forschungslandschaft auf Platz 9, Frankreich auf 16 und Italien erst auf Platz 30. Ganz am Ende der 129 untersuchten Staaten findet sich der bürgerkriegsgeplagte Jemen.

Insgesamt ziehen die Forscher eine optimistische Bilanz. Das Wachstum der Weltwirtschaft verliere zwar im Vergleich zum letzten Jahr offenbar an Fahrt, „trotz trüber Aussichten gedeihen aber rund um den Globus die Innovationen” – so die Wipo-Experten. Innovationen, die sich konkret an Forschung und Entwicklung sowie an Patenten messen lassen, legen deutlich zu. Aber auch weniger formale Zeichen für Innovation wie zum Beispiel die Zahl an Hochschulabsolventen oder bessere Versorgung mit Hochgeschwindigkeits-Internet prosperieren in Industrie- wie Schwellenländern gleichermaßen.

Die innovativsten Länder der Welt

„Der GII zeigt uns, dass Länder, die Innovationen in ihrer Politik Priorität einräumen, in ihrem Ranking deutlich aufgestiegen sind", sagt Francis Gurry, Generaldirektor der WIPO. Sein Paradebeispiel ist Indien. Der Subkontinent sei „nach wie vor die innovativste Volkswirtschaft in Zentral- und Südasien” – eine Auszeichnung, die das Land bereits seit 2011 innehat. Indien hält dauerhaft einen Spitzenplatz, was Innovationsmotoren wie den Export von Dienstleistungen, Absolventen in Wissenschaft und Technik, die Qualität der Universitäten, Bruttokapitalbildung und den Export von Kreativgütern anbelangt.

Südafrika, Chile und Singapur bezeichnet die Wipo als „regionale Führer”; Vietnam, Ruanda und vor allem China sind – gemessen am Brutto-Einkommen der Bürger – ebenfalls führend. „Unter den Top 30 ist China weiterhin als einzige Volkswirtschaft mit mittlerem Einkommen vertreten”, heben die Forscher heraus. Chinas Innovationskraft zeige sich in vielen Bereichen; so hält das Land „Spitzenpositionen bei eigenen Patenten, Produktgestaltung und eigenen Marken, ebenso wie bei der Nettoausfuhr von Hightech-Produkten und Kreativgütern”.

Der GII, inzwischen in seiner zwölften Ausgabe, ist ein globaler Maßstab. Er hilft politischen Entscheidungsträgern dabei, besser zu verstehen, wie sie Innovationen – und damit die wirtschaftliche und soziale Entwicklung ihrer Länder – vorantreiben, fördern und messen können. „Der Aufstieg von Wirtschaftsmächten wie China und Indien im GII hat die Geographie der Innovationen verändert. Hier zeigen bewusste politische Maßnahmen zur Innovationsförderung ihre Wirkung", so Wipo-Chef Gurry.

„Trotz trüber Aussichten gedeihen rund um den Globus die Innovationen.“ Francis Gurry, Generaldirektor der WIPO

Überraschendes Detail – und ganz im Gegensatz zu manchem Klischee, so die Forscher: „Wie in den vergangenen Jahren schneidet Afrika erneut glänzend ab, wenn es um die Innovationstätigkeit gemessen am Entwicklungsstand geht.” Unter den 18 innovationsstärksten Ländern sind gleich sechs aus dem subsaharischen Afrika, mehr als aus jeder anderen Region. Im Verhältnis zum schwachen Bruttoinlandsprodukt nehmen diese Länder sehr rege am Export von IT-Dienstleistungen teil. Die Qualität der Universitäten ist auf relativ hohem Niveau und in Wissenschaft und Technik gibt es prozentual zur Bevölkerung viele Absolventen der Hochschulen.

Gerade für bevölkerungsreiche Entwicklungsländer bieten die neuen Möglichkeiten der Industrie 4.0 im Medizinbereich große Chancen: Denn Innovationen im Gesundheitsbereich spielen sich heute rund um große Datenmengen, Internet der Dinge und Künstliche Intelligenz ab. Unternehmen aus Ländern wie Indien können hier auf viele Daten und eine dynamische IT-Landschaft aufbauen. „Aufstrebende Märkte haben die einzigartige Chance, sich medizinische Innovationen zunutze zu machen und in neue Gesundheitsversorgungsmodelle zu investieren, um so den Abstand in der Gesundheitsversorgung auf die stärker entwickelten Märkte zu verkürzen”, so die Forscher. Eine gesunde Entwicklung, global gesehen.

Stand: 27.08.2019