Planspiel Börse Erst Bulle, dann Bär

Eigentlich sollte Ende März die Siegerehrung des Planspiels Börse in Berlin stattfinden. Doch die Party fiel coronabedingt aus. Was sagen Jungbörsianer zum Anlegen in Coronazeiten?


TEXT: Peter Müller

Jan Roller und Sven Naudzus sind Azubis der Sparkasse Hilden-Ratingen-Velbert und neuerdings Jung-Börsianer. Mit ihrem Team „Frühstücks-Buffett“, angelehnt an Großinvestor Warren Buffett, gehören sie zu den Siegern des bundesweiten Planspiels Börse 2019 in der Kategorie Nachhaltigkeit des Azubi-Wettbewerbs. „Altersvorsorge klingt doof, ist aber wichtig“ sagen beide. Sie setzen auch privat auf Aktien.

Jan Roller kennt das Planspiel Börse schon aus der Schule. Das Angebot seiner Sparkasse, sich auch als Azubi am Wettbewerb zu beteiligen, nahm er deshalb gerne an – zumal allen teilnehmenden Teams 50.000 virtuelle Euro als finanzielle Grundausstattung mitgegeben werden. „Von unserem Azubigehalt füttern wir beide monatliche Fondssparpläne, hatten aber kein Gefühl dafür, was man mit so viel ‚Spielgeld‘ bewegen kann“ sagt er. Auch Steffen Naudzus wollte wissen, auf wieviel sich ein festes Budget innerhalb weniger Monate vermehren lässt. Deshalb gingen beide bewusst ein höheres Risiko ein und investierten in Einzelaktien statt in Fonds.

„Wir haben ganz klar auf steigende Aktienkurse gesetzt“ gibt Jan Roller zu. „Es war viel Bauchgefühl dabei – und wir haben uns auf den Riecher des anderen verlassen“ ergänzt Steffen Naudzus. „Wir wollten erstmal was kaufen und dann weitergucken.“

Das sagen auch andere junge Gewinnerteams von sich. Unbewusst nutzen aber doch die meisten eine Strategie und Analysemethode, so auch das Team „Frühstücks-Buffett“. Denn mit der Planspiel-Börse-App haben sie jeden Tag bis zu zwei Stunden Informationen gesammelt und ausgewertet, um ein Gefühl für Kursverläufe und Gewinnchancen zu bekommen.

Die Sparkassen-Azubis Jan Niklas Roller (links) und Sven Naudzus

Angefangen haben sie mit einer breiten Streuung über Branchen und Länder. Recht schnell kristallisierten sich dabei die Gewinnerpapiere und die Nieten im Portfolio heraus. „Behalten haben wir beide – im einen Fall, um die Gewinne einzusacken. Im anderen Fall, um über die mehrmonatige Haltezeit wenigstens die Dividende mitzunehmen und so Verluste zu verringern“, berichtet Steffen Naudzus. Kurz vor Schluss des Planspiels Börse gaben ein Finanzkonzern und ein Digitalriese noch den entscheidenden Schub. Diese Mischkalkulation brachte „Frühstücks-Buffett“ schließlich aufs Siegertreppchen.

Dass die Märkte durch die Corona-Krise auf breiter Front stark nachgegeben haben, irritiert die beiden Jung-Börsianer wenig. „Wäre das noch während des Planspiels Börse passiert, wäre ich dringeblieben und hätte gezielt nachgekauft“ sagt Jan Roller. „Habe ich jetzt auch privat gemacht.“ Vor allem Biotech und Pharma „lohnen sich enorm, wenn man da Ahnung hat“, ist seine Einschätzung.

Auch als nachhaltig klassifizierte Papiere sind für Steffen Naudzus klare Favoriten: „Sie erzielen oft eine gute Rendite, und der Markt kommt – immer mehr Sparkassen bieten ja zum Beispiel Ökofonds an“, sagt er, „längst gehören auch bekannte Industriefirmen in diese Kategorie.“ Tatsächlich bestätigen die Erfahrungen der Corona-Wochen, dass nachhaltige Papiere zu den Outperformern gehören – auch im Portfolio der Deka.

Aus der Teilnahme am „Planspiel Börse“ haben die beiden Sparkassen-Azubis zwei Dinge gelernt: Sie wollen auch als private Anleger Investments, die nicht sofort performen „erstmal in Ruhe lassen.“ Und als zukünftige Anlageberater in Sparkassen wollen sie versuchen „die etwas gespannte Atmosphäre auszuschalten, die oft zu Beginn solcher Gespräche im Raum hängt“. Ihnen ist es wichtig, dass sich Kunden im Gespräch wohl und in ihrer konkreten Situation verstanden fühlen. „Es sollte egal sein, ob es dazu vielleicht auch noch ein zweites Gespräch braucht – am Ende ist es das wert. Für den Kunden. Und für die Sparkasse auch.“

Digitale Angebote wie der Bevestor oder die neue S-Invest-App der Deka könnten aber eine gute Ergänzung sein. Wichtig sei, alle verfügbaren Chancen zu nutzen. „Wir sagen: jetzt einsteigen!“

Emotionaler Kursrutsch

Für den Schüler Julian Max Wahle war es nach dem Planspiel Börse ein bisschen wie am Aktienmarkt. Ende Dezember war er noch total euphorisch. Sein Team mit dem Kampfnamen „Pina Coladas“ hatte mit ausgewählten Einzelaktien einen Depotwert von über 61.000 Euro erreicht und damit Platz drei im deutschen Wettbewerb geholt – unterstützt und angeleitet durch die Sparkasse Neubrandenburg-Demmin.

Doch dann: Absturz der Gefühle. „Wir standen schon mit einem Fuß im Zug nach Berlin, da hieß es – sorry Leute, Party gestrichen. Das war hart!“ beschreibt er den emotionalen Kursrutsch im Rückblick.

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Gelernt haben er und knapp 100.000 weitere Teilnehmer trotzdem sehr viel. Die Schüler, Studierenden, Azubis und jungen Erwachsenen konnten elf Wochen lang ihr Geschick am Aktienmarkt testen, und das völlig risikolos.

Ein fiktives Startkapital bekam jedes Team von der Ausrichter-Sparkasse an die Hand. Sie haben damit erfolgreich agiert. Die drei bestplatzierten deutschen Schülerteams errangen allesamt Depotwerte über 61.000 Euro und ließen die Sieger aus Frankreich, Italien und Schweden zum Teil weit hinter sich.

Digitaler Vorteil bei der Finanzbildung

Dass viele erwachsene Sparkassenkunden aktuell in Sorge um ihre Depots sind, können die Jungbörsianer verstehen – schließlich geht es da um echtes Geld, nicht um Spieldepots. Für sie, die die Finanzkrise 2008/2009 nicht bewusst erlebt haben, ist Corona auch die erste echte Krise. Doch ihren Startvorteil ins Leben durch ein besseres Grundverständnis von Wertpapieren wollen sie aktiv nutzen.

Julian Max Wahle sagt: „Als digitale Generation sind wir unseren Eltern beim Wertpapierwissen schon deshalb oft voraus, weil wir viel schneller eine Vielzahl von Informationen bekommen und verarbeiten können.“ Er will mit den Pina Coladas auch im nächsten Jahr unbedingt noch mal am Planspiel beteiligen, „und mit der Planspiel-App kann man das ja auch rund um die Uhr.“ Vielleicht reicht es nochmal für eine Siegerposition – die teuren Galaklamotten warten noch auf ihren Auftritt.

Finanzielle Bildung fehlt vielen Erwachsenen

Finanzielle Bildung bleibt Sparkassenaufgabe – gerade in schwierigen Zeiten. „Damit kann man überhaupt nicht früh genug anfangen“, bestätigt Maren Riemenschneider. Sie betreut Jungbörsianer aus dem Geschäftsgebiet der Sparkasse SoestWerl beim Planspiel Börse. „Macht irre Spaß, jedes Mal wieder“, sagt sie.

Einige Schülerteams machen sogar wiederholt mit und verbessern sich mit jeder Runde. „Erst verstehen die meisten vom Börsengeschehen nur Bahnhof, und zum Schluss sieht man, wie sie richtig planvolle Strategien entwerfen – das ist toll.“

Mit dem Team „Knaxis“ stellten Mitarbeiterinnen der Sparkasse SoestWerl selbst eines der diesjährigen Gewinnerteams. Sie setzten mutig und konsequent auf nachhaltige Wertpapiere – ein Trend, der gerade auch die weibliche Kundschaft von Sparkassen sehr stark anspricht und zum Wertpapiersparen bringen kann.

Das ist wichtig, denn bisher agieren viele Frauen laut Sparkassen-Vermögensbarometer in Gelddingen eher risikoscheu und sehr konservativ, wodurch ihnen Chancen entgehen. Die Gegenstrategie der Knaxis jedenfalls hat gewirkt: Sie haben „einfach einmal investiert und dann Glück gehabt“.

„77 Prozent der Teilnehmer am Planspiel Börse können sich gut vorstellen, später in Wertpapiere zu investieren“Christian Rose, Bereichsleiter Fach- und Bildungsmedien des Deutschen Sparkassenverlags

„Junge Menschen erhalten durch das Planspiel Börse die Chance, ein Grundverständnis für Aktien und Börsenhandel zu erwerben – unabhängig von den Möglichkeiten des Elternhauses“, sagt Korina Dörr, Leiterin des Beratungsdiensts „Geld und Haushalt“ der Sparkassen-Finanzgruppe und im Deutschen Sparkassen- und Giroverband für das Thema Finanzbildung verantwortlich.

„Die Spielgruppen werden dabei fachlich hervorragend unterstützt von engagierten Lehrern und Sparkassenmitarbeitern – ihnen gilt ein großer Dank für die Erfolgsgeschichte Planspiel Börse“, so Dörr. Auch die DekaBank ist als Förderer des Planspiel Börse mit an Bord.

Am 30. September 2020 startet Planspiel Börse mitten in der nahenden Rezession in die 38. Runde. „Wir planen bereits die nächste Spielrunde und optimieren das Planspiel mit Änderungen, die den Spielbetreuern die Arbeit erleichtern und kleinere Spielgruppen begünstigen“, sagt Christian Rose, Bereichsleiter Fach- und Bildungsmedien des Deutschen Sparkassenverlags, der Ausrichter des jährlichen Planspiels ist.

Gerade die aktuelle Entwicklung zeige, wie wichtig es ist, sich mit Wirtschaft auszukennen und privat vorzusorgen. „Die Erfahrungen der jungen Erwachsenen an der Börse bestärken sie schließlich bei ihrem Einstieg in das Wertpapiergeschäft. Laut unseren jährlich durchgeführten Umfragen können sich 77 Prozent der Teilnehmenden gut vorstellen, später in Wertpapiere zu investieren.“

Als digitales Online-Lernprojekt kann das Planspiel Börse überall gespielt werden – im Klassenzimmer, im Büro oder von zu Hause. Damit es auch die nächste Generation selbstbewusst und erfolgreich mit Bulle und Bär aufnehmen kann.

Stand: 11.05.2020