Interview „Es ist viel Druck auf dem Kessel“

Markus Gürne, Ressortleiter der ARD-Börsenredaktion, erklärt, warum das Interesse der Menschen an der Geldanlage dramatisch steigt und welche Möglichkeiten sie haben.


TEXT: Daniel Evensen, Karin Graf

Herr Gürne, Anfang April war das Team der Börse ARD wieder mit einem umfangreichen Programm auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart vertreten. Wie fällt Ihre Bilanz aus? Was treibt die Anleger um?
Markus Gürne: Bei unseren acht Podiumsdiskussionen waren die Ränge durchweg voll besetzt. Selbst hinter den Sitzplätzen standen die Besucher noch in mehreren Reihen. Die Invest hat meine Einschätzung bestärkt, dass das Interesse der Menschen an Geldthemen dramatisch zugenommen hat.

Woran machen Sie das noch fest?
Nehmen Sie zum Beispiel die Reichweite unserer Sendung Börse vor acht, die in den vergangenen Jahren von 4,8 Prozent auf 7,1 Prozent gestiegen ist.

Woher kommt die neue Begeisterung für Börse?
Ich würde da gar nicht von Begeisterung sprechen, aber die Menschen haben erkannt, wie wichtig die Themen Wirtschaft und Kapitalanlage für sie persönlich sind. Angesichts des demographischen Wandels und der Rentenentwicklung ist jedem klar, dass er sich eine private Altersvorsorge aufbauen muss. Aber wie macht man das, wenn es keine Zinsen mehr gibt? Wir zeigen in der Börse vor acht, wie man ohne Zinsen sparen kann und erklären die Zusammenhänge zwischen Politik, Wirtschaft und den Finanzmärkten. Und das in einer verständlichen Sprache, damit die Zuschauer sich ein eigenes Bild von ihren Möglichkeiten machen können.

Die Aktionärsquote ist in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern aber immer noch niedrig.
Der Hang der Deutschen zur Sicherheit bei der Geldanlage ist seit Generationen sehr ausgeprägt. Als sie dann zu Zeiten des Neuen Marktes doch mal etwas wagten, ist es häufig schief gegangen. Da ist an der Wertpapierkultur viel zerbrochen. Daher halten viele Sparer lieber an ihrem gelernten Verhalten fest. Allerdings gibt es jetzt schon ewig und drei Tage keine Zinsen mehr, es ist ganz schön Druck auf dem Kessel, etwas anders zu machen. Und typischerweise ändert man sein Verhalten, wenn der Druck groß ist.

Aber ist Vorsicht nicht berechtigt? Die Nachrichten sind voll von Syrienkrieg und Handelskonflikt und seit einigen Monaten schwankt der DAX auch recht stark.
Ich bin absolut geschichtsinteressiert, weil sich der Blick zurück lohnt. Wenn ich mir den DAX seit seinem Start Ende der 80er-Jahre bis heute ansehe, dann ist seine Richtung eindeutig: nach oben. Selbstverständlich kam es schon zu Brüchen und Abstürzen, aber auf lange Sicht geht es aufwärts. Ich weiß nicht, wo der DAX in 20 Jahren stehen wird, aber er wird deutlich höher notieren als heute. Ganz einfach weil die Unternehmen hierzulande erfolgreich arbeiten und gute Gewinne erwirtschaften.

Worauf gründet der Erfolg gerade deutscher Unternehmen?
Ich sage es mal so: Wer nichts im Boden hat, muss es im Hirn haben. Deutschland besitzt kaum Rohstoffe, deshalb braucht es eine gute Bildung und Unternehmen mit wettbewerbsfähigen Produkten, die sich weltweit verkaufen. Und wenn Unternehmen ordentlich verdienen, profitieren viele davon.

Also halten Sie den Zeitpunkt für Aktieninvestments trotz der momentanen Unruhe an den Märkten für günstig?
Wir Moderatoren sprechen weder in der Börse vor acht noch anderswo Anlageempfehlungen aus. Das dürfen wir nicht und wollen wir auch nicht. Nein, wir verfolgen den Grundgedanken, unseren Zuschauern die Anlagemöglichkeiten an den Kapitalmärkten aufzuzeigen und zu erklären. Sie können dann ihre eigenen Schlüsse ziehen, aber sie sollten sich zumindest einmal ihre Optionen ansehen.