Katers Welt EZB schickt Renditen in den Keller

Die Europäische Zentralbank hat ihre Prognosen für Wirtschaftswachstum und Inflation gesenkt. Zudem blickt alles gespannt nach London, wo der nächste Akt im Brexit-Drama ansteht.


Überraschung am Donnerstag beim Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB): Nicht, dass die Leitzinsen angepasst worden wären. Die EZB hat ihre Projektionen für das Wirtschaftswachstum und die Inflationsrate deutlich nach unten korrigiert und geht deshalb auch von einer langsameren Annäherung an das Inflationsziel von 2 Prozent aus.

War dies tendenziell so erwartet worden, ließen neue langfristige Refinanzierungsgeschäfte die Renditen an den Rentenmärkten fallen. Auch der Euro notierte schwächer. Die Konjunktursorgen sind bei den Notenbanken jüngst gestiegen, obwohl die in dieser Woche veröffentlichten Konjunkturdaten keineswegs einheitlich ausgefallen sind. Positiv zu erwähnen sind hier insbesondere die Einkaufsmanagerindizes für das nicht-verarbeitende Gewerbe. Gegenüber der Industrie sieht es bei den Dienstleistern ordentlich aus.

Nächste Abstimmungsrunde zum Brexit

Jetzt haben die britischen Parlamentarier es wieder einmal in der Hand, den Brexit termingerecht zum 29. März zu vollziehen. Dafür müssten sie am Dienstag dem „Deal“ mit der EU zustimmen. Dies bleibt unwahrscheinlich, denn die Anpassungen am Deal seit der letzten Ablehnung waren eher kosmetischer Natur. Daher wird an den beiden folgenden Tagen wohl derart weiter abgestimmt, bis es vermutlich zu einer Verschiebung des Austrittstermins kommt. Die Unsicherheit für die Märkte zieht sich in die Länge, aber ein harter Brexit wird unwahrscheinlicher. Dennoch dürfte die aktuelle Konjunkturskepsis der Notenbanken die Börsen weiterhin beschäftigen.

Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen; Stand: 09.03.2019