Investment-Ideen Family Business

Unternehmen, bei denen sich die Gründer selbst engagieren, sind ein Motor der Wirtschaft – und dabei oft noch beständiger als andere Konzerne. Viele öffnen sich auch für den Aktienmarkt.


TEXT: Peter Weißenberg

Max Daetwyler? Den Namen kennen wohl nur wenige. Der Schweizer hält bei Schläuchen, Gummi und Verpackung Hunderte Patente. Ohne Produkte der Marke Daetwyler würden Patienten Infusionsschläuche fehlen, Millionen Fahrzeuge blieben stehen. 5.000 Mitarbeiter, über 1 Milliarde Euro Umsatz, mehr als 100 Millionen Nettoergebnis.

Erich Sixt kennen wohl die meisten. Der Unternehmer aus München hat erfolgreich, Leihen, Leasen oder Carsharing durch Apps, integrierte Wartung und Versicherung oder den Internet-Verkauf weiterentwickelt. 6.700 Mitarbeiter, mehr als 2,6 Milliarden Euro Umsatz, über 200 Millionen Nettoergebnis.

Die Firmengruppen rund um die beiden Unternehmer haben auch sonst viel gemeinsam: Vertreter der Gründerfamilien prägen nach wie vor den Kurs. Die Firmen verfolgen ihre Strategie im Kernsegment seit Jahrzehnten – und haben sich dennoch immer wieder neu erfunden. Daetwyler und Sixt sind zudem in vielen Märkten innovativ und beide sind als Aktiengesellschaft offen für Fremdkapital.

Dabei stehen sie nicht allein – im Gegenteil: Auch Logistikriese Jungheinrich, Getränkemulti Fever-Tree oder Schmierstoffspezialist Fuchs-Petrolub weisen ähnliche Profile auf. Solche Unternehmen sind es, die Philipp Schmiederer für den neuen Aktienfonds Deka-UnternehmerStrategie Europa sammelt: „Ich hatte schon länger ein Produkt im Kopf, das die besten Familienfirmen bündelt – aus Europa, wo wir sie aus der Nähe analysieren können.“ Sie zu finden, das ist schließlich die Kunst in der Fülle der börsennotierten Firmen. Die besten unter ihnen aber, die ideenreichsten, sie bieten große Chancen für Anleger.

Jung geblieben

Manager wie Jungheinrich-Chef Hans-Georg Frey treiben Traditionsfirmen mit Gründerhintergrund zu neuen Dienstleistungen und Produkten – wie dem autonom fahrenden Stapler des Logistik-Konzerns.

Immer neue Ideen – Jungheinrich ist dafür ein gutes Beispiel: Der Gabelstaplerproduzent hat sein Know-how immer weiter ausgebaut und so neue Kunden erobert. Autonom fahrende Ladesysteme, digital vernetzte Logistik, alles made by Jungheinrich. „Moderne Handelsplattformen wie Amazon oder Zalando wären ohne hochvernetzte und hocheffiziente Intralogistiksysteme nicht realisierbar“, sagt Firmenchef Hans-Georg Frey. Die Verlängerung der Kernkompetenz ist typisch Family Business.

Firmen mit Gründerhintergrund sind nach einer neuen Studie omnipräsent. Zudem wachsen sie doppelt so schnell wie der Gesamtwert aller Güter, die hierzulande hergestellt werden. Weitere Stärke, so der Fondsmanager: „Gute Familienunternehmen haben eine weitblickende Strategie.“ Sie gestalten den wirtschaftlichen Wandel über die eigene Firma hinaus aktiv mit: Familienunternehmen finanzieren 85 Prozent aller Start-ups weltweit.

Familien bewegen die Wirtschaft

Nur in Branchen wie Banken, Versicherungen oder Versorger gibt es eher wenige Adressen mit Familienhintergrund. Sonst aber finden sich überall reichlich solcher Unternehmen – selbst Weltkonzerne wie BMW, Dachser, Merck oder die Swatch Group. Oft stecken mehr als 80 Prozent des Privatvermögens im eigenen Werk. Entsprechend wohlüberlegt gehen die Unternehmer ins Risiko. Das Center for Family Business der Uni St. Gallen hat errechnet, dass sie konservativer finanziert sind. So können sie leichter antizyklisch investieren, weil beispielsweise Rücklagen häufig höher sind.

Manchmal geht es aber auch zu wie in ganz normalen Problemfamilien mit Dauerzank um Geld und Anerkennung: Legendär sind die Zwistigkeiten der Dasslers (Puma, Adidas), Gaffels (Bier) oder Bahlsens (Kekse); sie führten bis vor Gerichte oder zur Aufspaltung der Firmen. Solch lähmende Streits sind gerade jetzt gefährlich. In der vierten industriellen Revolution sind schnelle und klare Entscheidungen gefragt. Darum ist es wichtig, dass Fondsmanager Schmiederer Problemkandidaten aussiebt. Dennoch muss bei seinem Fonds mit den für Aktieninvestments typischen Kursschwankungen gerechnet werden, die phasenweise in den negativen Bereich gehen können.

Darum sind Unternehmerfirmen stark

Direkter Draht zum Chef

Die große Zahl an Kandidaten und das Know-how der Deka geben dem Fondsmanager aber beste Auswahlmöglichkeiten. Schmiederer wählt 50 bis 70 aus rund 2.200 europäischen Familienunternehmen aus. Unternehmerfamilien halten mindestens 20 Prozent der Anteile oder 10 Prozent plus Vorstandsposten

„Dazu kommt unser Zugang zum weltweiten Research vieler Investmentbanken und Spezialisten“, so Schmiederer. „Mit entscheidend ist auch der sehr gute Zugang unserer Analysten zu den Unternehmensvorständen selbst.“ Das Ergebnis ist ein Best-of erfolgreicher Familienfirmen, die mit immer neuen Ideen ihre Marken zu dauerhaften Erfolgen führen. Solche Investments sucht Schmiederer.

Die gebündelten Stärken kleiner und mittelgroßer Firmen im neuen Fonds seien besonders für einen Sparplan geeignet, erklärt der Fondsmanager – und als Beimischung zu einem besonders breit streuenden Basisinvestment.“ Da können es Anleger genau wie erfolgreiche Unternehmensgründer halten: mit klarem Blick, kühlem Kopf und langem Atem investieren. Das hat schon manches Family Business groß gemacht.

Stand: 11.04.2019