Interview „Fondsqualität ist das wichtigste Kriterium“

4.528 Fonds prüft und bewertet die Redaktion des Wirtschaftsmagazins Capital, um schließlich jedes Jahr die besten Fonds-Gesellschaften mit den Capital-Award auszuzeichnen.


TEXT: Joachim Kary

Herr von Buttlar, seit 15 Jahren prämiert das Wirtschaftsmagazin Capital Fondsgesellschaften mit dem Capital-Award. Welches Maß legen Sie dabei an?
Unseren Fonds-Kompass zeichnen drei Dinge aus: Er ist unabhängig, umfassend – und bewährt. Unabhängig: Jedes Jahr prüfen externe Fachleute in unserem Auftrag die 100 wichtigsten Fondsanbieter auf Herz und Nieren. Umfassend: Sie prüfen die Qualität der gesamten Produktpalette jeder Gesellschaft, dazu noch deren Kundenservice sowie das Management. Und bewährt: Wir machen das wie gesagt seit 15 Jahren, der Fonds-Kompass ist eine Langzeitbetrachtung. Denn es bringt nichts für Anleger, einem einzelnen Top-Fonds hinterherzurennen, wenn der ein One-Hit-Wonder ist oder beim Brexit halt mal richtig lag.

"Unabhängig, umfassend und bewährt"

„Fondsqualität“, „Kundenservice“, „Management“ und „Produktpalette“ sind also die Kriterien, damit eine Fondsgesellschaft die 5 Sterne erhält. Können Sie etwas Transparenz in das Verfahren bringen und erklären wie diese Kriterien gewichtet werden?  
Zunächst unterscheiden wir zwischen Universalisten, also großen Fondsanbietern mit einer breiten Produktpalette, und Spezialisten mit einer kleinen Fondsauswahl. Insgesamt vergeben wir 100 Punkte. Das wichtigste Kriterium mit maximal 50 Punkten ist natürlich die Fondsqualität: Dazu untersuchen wir zahlreiche Kriterien wie die Wertentwicklung von gut 4500 Fonds – und zwar über ein, drei und fünf Jahre. Maximal 15 Punkte gibt es fürs Management, da analysieren wir, wie erfahren die Anlagestrategen sind und wie hoch die Fluktuation ist. Oft ist es ja so, das Anleger Wechsel im Fondsmanagement nicht mitbekommen – und Fonds danach an Leistung einbüßen. Eine hohe Kontinuität in der Führung ist also wichtig. Maximal 25 Punkte gibt es zudem für den Service. Da fragen auch Leser immer wieder: Ist das wichtig? Wir sagen ganz klar: Ja. Genauso wichtig wie die nackte Performance. Denn unsere Auswertungen zeigen immer, dass mögliche Renditen toller Fonds nichts bringen, wenn man die Sieger von gestern kauft. Für Anleger ist wichtig, gute und transparente Informationen zu bekommen, damit sie ihre Strategie nicht über den Haufen werfen.

Für die Analyse arbeiten Sie mit Scope Analysis und Tetralog Systems zusammen. Welche Rolle nimmt welcher Partner ein?
Scope Analysis – die vergangenes Jahr unseren langjährigen Partner Feri Eurorating Services übernommen haben – prüft für uns die Fondsqualität und das Management, Tetralog den Service. Das geschieht etwa durch Anfragen per Telefon oder E-Mail von angeblichen Anlegern. Außerdem müssen die Gesellschaften einen umfassenden Fragebogen ausfüllen.

Sie prüfen für den Award die 100 wichtigsten Fondsgesellschaften und testen insgesamt 4.528 Einzelfonds in 22 Kategorien – ein immenser Datensatz. Wie schaffen Sie es, hier den Überblick nicht zu verlieren?
Das ist ein Projekt, das über Monate geht. Bevor die Redaktion im Januar die finale Auswertung bekommt, gibt es im Vorfeld viele Gespräche und einen intensiven Austausch mit den Partnern. Auch um den Fonds-Kompass immer wieder an sich verändernde Rahmenbedingungen anzupassen. Das ist eine Menge Arbeit.

Wie fließen schließlich die Informationen zu einem Gesamtergebnis zusammen?
Die Punkte werden in den einzelnen Kategorien zusammengezählt, die zehn besten Gesellschaften erhalten fünf Sterne. Wir begrenzen das ganz bewusst und unterscheiden uns hier ganz klar von anderen Auszeichnungen, die vergeben werden. In der Regel erreichen die Besten in Summe über 75 Punkte. Der Leser kann in den Tabellen aber auch nachvollziehen, in welcher Kategorie welches Ergebnis erzielt wurde. Das heißt, die Gesellschaft auf dem achten Platz kann die beste Fondsqualität haben.

Kommen wir zu der letzten Frage: Was sagt der 5-Sterne-Award über die Gewinner – in diesem Jahr haben insgesamt sieben Universalisten die 5 Sterne erhalten – aus?
Wie in jedem Jahr bedeuten fünf Sterne, dass diese Gesellschaft viele Produkte hoher Qualität anbietet, ein sehr gutes Management und einen überdurchschnittlichen Service hat. Natürlich hat auch eine Sternegesellschaft nicht nur gute Fonds und eines der Schlusslichter kann auch starke Fonds haben. Viele Analysen aber unterschlagen einen statistischen Effekt: Wenn etwa eine ausländische Gesellschaft nur ihre besten Fonds in Deutschland vertreibt, ist die Quote der überzeugenden Fonds automatisch hoch. Deshalb stellen wir zu jedem Kurzporträt einer Gesellschaft auch immer drei Fonds hinzu, die wir für empfehlenswert halten.