Altersvorsorge „Frauen brauchen einen gesunden Egoismus“

Frauen kümmern sich oft erst um alle andern, bevor sie an sich denken. Gerade bei der Altersvorsorge kann sich das rächen. Deka-Volkswirtin Gabriele Widmann zeigt auf, wie es besser geht.


TEXT: Daniel Evensen

Frau Widmann, in einer neuen Studie prognostiziert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, dass in den nächsten 20 Jahren mehr und mehr Menschen auf die staatliche Grundsicherung angewiesen sein werden, weil ihre Rente nicht reicht. Zu den besonders betroffenen Bevölkerungsgruppen zählen demnach alleinstehende Frauen. Wie kommt das?

Gabriele Widmann: Alleinstehende haben es generell schwerer im Alter. Aber es stimmt, dass Frauen noch häufiger mit wenig Rente auskommen müssen als Männer. Das klassische Hausfrauen-Modell ist zwar seltener geworden, aber viele Frauen setzen einige Jahre im Berufsleben aus oder arbeiten Teilzeit, weil sie Kinder bekommen oder Familienangehörige pflegen. Das drückt die Rente. Noch dazu entscheiden sich Frauen häufiger für schlechter bezahlte Berufe – etwa im sozialen Bereich. Unterm Strich haben sie deshalb weitaus geringere Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung als Männer. Weil Frauen zudem eine höhere Lebenserwartung haben, müssen sie mit den begrenzten Mitteln auch noch länger auskommen. Das machen sich die wenigsten wirklich bewusst.

Deka-Volkswirtin Gabriele Widmann

Was raten Sie den Frauen?

Sie sollten nicht darauf hoffen, dass es schon irgendwie reichen wird. Frauen sollten sich auch nicht darauf verlassen, dass sie über ihren Partner im Alter ausreichend finanziell abgesichert sein werden. Ich rate ihnen – übrigens auch den Männern – ihre Altersvorsorge in die eigenen Hände zu nehmen und sich stärker privat abzusichern.

Aktuell macht das Erhebungen zufolge nur jede dritte Frau. Woher kommt diese Zurückhaltung?

Wer denkt schon gerne ans Altwerden? Frauen am allerwenigsten, deshalb beschäftigen sie sich auch ungern mit ihren finanziellen Perspektiven im Alter. Viele Frauen neigen dazu, zuerst für alle anderen zu sorgen, bevor sie an sich selbst denken. Da haben zum Beispiel die Ausbildung der Kinder oder größere Anschaffungen für die Familie Priorität. Frauen sollten bei der Altersvorsorge einen gesunden Egoismus entwickeln, der sie finanziell unabhängiger macht. Auf die Unterstützung ihrer Kinder möchten sie im Alter schließlich auch nicht angewiesen sein.

Wachsendes Risiko für Altersarmut

Sollten Frauen ihr Geld anders anlegen als Männer?

Nein, aber es ist kein Geheimnis, dass Männer sich für Finanzthemen eher begeistern können als Frauen. Deshalb versuchen die Deka und die Sparkassen bei gemeinsamen Veranstaltungen speziell für Frauen das Interesse für die private Vorsorge zu wecken. Bei einigen Besucherinnen unserer Veranstaltungen bemerke ich, dass sie eigentlich aktiv werden möchten. Allerdings hat die Sicherheit der Geldanlage für sie absoluten Vorrang und die Rendite spielt eine untergeordnete Rolle. Empfehle ich chancenreichere Wertpapieranlagen für die Vorsorge, höre ich oft den Einwand, dass die Finanzmärkte zurzeit so unsicher seien. Wer jedoch in der aktuellen Niedrigzinsphase am traditionellen Zinssparen festhält, wird sich mit dem Aufbau eines angemessenen Kapitalpolsters schwer tun.

Aber die Kursrisiken von Wertpapieren – vor allem Aktien und Schuldverschreibungen mit geringerer Bonität – sind nun mal ein Fakt.

Das will ich gar nicht bestreiten. Wenn Anlegerinnen einige einfache Regeln beherzigen, können sie aber durchaus ein wohldosiertes Risiko eingehen. Denn ganz ohne gibt es einfach keine Erträge mehr.

„Eine gute private Vorsorge wirkt sofort, indem sie Sorgen nimmt“ Gabriele Widmann

Welche Regeln sind das?

Anlegerinnen sollten nie alles auf eine Karte setzen, sondern das Geld auf unterschiedliche Anlageklassen verteilen. Und sie sollten nicht einmal einen größeren Betrag, sondern besser – beispielsweise monatlich – regelmäßig kleinere Summen investieren. Das geht ganz leicht mit Sparplänen auf breit aufgestellte Fonds zum Beispiel für Aktien, Anleihen und Immobilien. Oder mit Mischfonds, die mehrere Anlageklassen in einem Portfolio kombinieren. Je früher Frauen mit dem Fondssparen beginnen, desto stärker nutzen sie den Zinseszinseffekt. Dann reichen auch kleinere monatlich Beträge, um ein gewünschtes Zielvermögen zu erreichen. Dank der regelmäßigen Einzahlungen ersparen sich Anlegerinnen noch dazu die ewigen Überlegungen, wann wohl der beste Zeitpunkt ist, um zu investieren. Je eher man anfängt, desto besser. Ein schneller Entschluss wirkt sich übrigens nicht erst im Alter positiv aus, sondern sofort.

Wie das?

Studien zeigen, dass sich Frauen wie Männer viel weniger Sorgen um ihre finanzielle Absicherung machen, wenn sie sich informiert und die private Vorsorge in die Hand genommen haben. Das bestätigt auch eine gerade von der Deka in Auftrag gegeben Umfrage wieder. Wir wollten von den Menschen wissen, wie zufrieden sie mit ihrer Altersvorsorge sind. Leider sind nur 39 Prozent voll und ganz oder eher zufrieden. Unter den Deka-Kunden erreicht der Wert aber 63 Prozent. Eine gute private Vorsorge wirkt so gesehen sofort, indem sie Sorgen nimmt.

Stand: 25.09.2019