23.11.2020 | Deka-Fonds Zwei für Europa

Erneute Lockdowns, schwaches Wachstum, hohe Staatsschulden, dazu das ständige politische Ringen in der Europäischen Union – Europa gibt für Investoren derzeit keine optimale Figur ab. Trotzdem sollten Anleger den alten Kontinent nicht links liegen lassen.


TEXT: Thomas Luther

„Europa ist sicherlich nicht perfekt und es gibt zweifellos Strukturprobleme. Aber es hat aus vergangenen Krisen gelernt und ist handlungsfähiger geworden“, sieht Henrik Lier, Fondsmanager des Deka-EuropaSelect, durchaus auch optimistisch in die Zukunft des Kontinents. Gerade langfristig orientierte Anleger sollten daher nicht die Stärken der Region aus dem Blick verlieren.

Immerhin liegen dem Wettbewerbsreport des Weltwirtschaftsforums zufolge sechs der zehn wettbewerbsfähigsten Länder der Welt in Europa: die Niederlande, die Schweiz, Deutschland, Schweden, Großbritannien und Dänemark. Dies sind alles Staaten mit hohen Forschungsausgaben und starker Innovationskraft, einem funktionierenden Rechtssystem und einer gut ausgebildeten Bevölkerung.

„Am europäischen Markt gibt es immer noch unterbewertete Unternehmen.“

Philip Schmiederer, Fondsmanager

„Europa hat eine Unternehmenslandschaft, die gespickt ist mit Weltmarktführern“, so Lier. „Viele davon haben ein starkes Standbein in Europa und partizipieren in ihren Branchen zusätzlich vom Wachstum in aufstrebenden Regionen wie etwa in Asien.“ Und das werde nach der Coronakrise wieder anziehen.

PHILLIP SCHMIEDERER, FONDSMANAGER DES DEKA-UNTERNEHMERSTRATEGIE EUROPA

Foto: Deka

ERHOLUNG AN DEN BÖRSEN

Positive Signale kommen auch von den Börsen, selbst wenn der europäische Markt gegenüber dem Vor-Corona-Niveau 10 Prozent im Minus liegt. „Trotzdem gibt es gerade hier immer noch Unternehmen, die unterbewertet sind, weil sie ein hervorragendes Geschäftsmodell besitzen und in einer sich weiter erholenden Wirtschaft gute Gewinne erwirtschaften werden, sodass der Kurs nachziehen wird“, sagt Philipp Schmiederer, Fondsmanager des Deka-UnternehmerStrategie Europa.

HENRIK LIER, FONDSMANAGER DES DEKA-EUROPASELECT

Foto: Deka

Beide Anlageexperten sehen derzeit eine gute Gelegenheit, an den Aktienbörsen des Kontinents auf die Jagd nach unterbewerten, aber hochwertigen Unternehmen zu gehen, in die sie günstiger investieren können als vor der Coronakrise. „Viele attraktive Geschäftsmodelle haben einen Teil ihrer Bewertungsprämie abgegeben“, beobachtet Schmiederer.

Vor allem Bereiche wie Technologie und Gesundheit hat das Duo im Visier. „In diesen Sektoren sind prinzipiell die attraktiveren Firmen in Europa zu finden, weil es dort strukturelles Wachstum gibt, das zum Beispiel von der Digitalisierung, Alterung der Gesellschaft oder Innovationskraft getrieben wird“, erläutert Schmiederer. Die Coronakrise hat dabei die Transformationsprozesse in vielen Teilen der Wirtschaft noch beschleunigt.

„Cloudsoftware-Lösungen oder Digitalisierung, Onlineshopping oder der Vormarsch von mobilen Datenlösungen sind Megatrends, die nicht einbrechen werden, wenn es einen Impfstoff gibt und die Krise absehbar vorbeigeht“, ist der Anlageprofi überzeugt. „Die Menschen werden wieder in Restaurants gehen, aber auch weiterhin zu Hause bestellen.“ Just Eat Takeaway, ein in den Niederlanden ansässiger Anbieter onlinebasierter Lieferdienstleistungen für die Gastronomie, ist derzeit die größte Position im Fondsdepot. In Deutschland hat er sich mit seiner Tochter Lieferando quasi ein Monopol unter den Lieferdienstleistern aufgebaut.

„Europas Unternehmenslandschaft ist gespickt mit Weltmarktführern.“

Henrik Lier, Fondsmanager

Auf der anderen Seite gibt es Titel im Fondsportfolio, die von einem Impfstoff profitieren – etwa Basic-Fit, eine Discount-Fitnessstudiokette. „Das Unternehmen wächst sehr stark in Frankreich und könnte durch den Lockdown angeschlagene Wettbewerber verdrängen oder übernehmen“, ergänzt Schmiederer.

Eine weitere Transformation der Wirtschaft ist der Wandel hin zu erneuerbaren Energien. „Europa hat frühzeitig die passenden Technologien entwickelt“, so Lier. „In der Solarbranche ist die Kostenführerschaft zwar an Asien verloren gegangen. Aber in der Windenergie sind europäische Unternehmen sowohl bei der Turbinentechnologie als auch bei der Projektentwicklung im Off­shore-Bereich weltweit führend und bauen diese Position aus.“

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Der Deka-EuropaSelect ist zum Beispiel bei Vestas Wind Systems investiert – dem weltweit größten Hersteller von Windkraftanlagen. Anders als Wettbewerber wie Siemens oder General Electric sind die Dänen ausschließlich auf ihr Kernprodukt konzentriert und decken dabei alle Aspekte der Wertschöpfungskette ab – von der Standortanalyse bis hin zum Service und der Wartung. Damit haben sie in gewisser Weise ein Alleinstellungsmerkmal.

Foto: Imago - Transformation der Wirtschaft: Der Trend geht zu erneuerbaren Energien. Vestas Wind Systems aus Dänemark ist der weltweit größte Produzent von Windkraftanlagen. Das Alleinstellungsmerkmal der Firma: Alle Schritte der Wertschöpfung kommen aus einer Hand – von der Standortanalyse bis hin zu Service und Wartung.

FAMILIENUNTERNEHMEN DENKEN LANGFRISTIG

Schmiederer und Lier haben vom Grundsatz her die gleiche Invest­mentphilosophie – aber ihr Fokus ist ein anderer. Der Deka-UnternehmerStrategie Europa konzentriert sich auf Unternehmen, die in Familienhand sind und/oder von den Inhabern geführt werden. „Zu unserem Anlageuniversum gehören nur Firmen, bei denen die Unternehmerfamilie entweder mindestens 20 Prozent der Stimmrechte hält oder 10 Prozent plus eine Managementposition im Unternehmen oder eine Position im Aufsichtsrat. Nur so ist gewährleistet, dass die Familien wirklich die Kontrolle haben“, erläutert Schmiederer das Konzept des Fonds.

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Familien als Eigentümer stecken hinter vielen großen Ideen, erfolgreichen Produkten und bekannten Unternehmen. Anleger können gezielt auf diesen wichtigen Hintergrund der Wirtschaft setzen. Erkennen Sie erfolgreiche Familienunternehmen? Testen Sie Ihr Wissen hier in unserem Quiz,

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Auch wenn das keine Garantie für die Zukunft ist: Verschiedene Studien zeigen, dass sich Familienunternehmen aufgrund ihrer Struktur und bestimmter Merkmale auf lange Sicht im Durchschnitt besser entwickeln als etwa die Großkonzerne im Dax. Entscheidende Faktoren dabei sind die langfristige Sichtweise bei Investitionen – aber eben oft auch das Engagement der Familie. „Familienunternehmen haben häufig die solideren Bilanzen und sind weniger verschuldet als Großkonzerne. Dadurch überstehen sie auch schlechte Zeiten gut und gefährden dabei oftmals nicht ihre Projekte oder müssen zu ihrer Bank gehen, um einen Kredit aufzunehmen“, weiß Deka-Experte Schmiederer, der zu 80 Prozent kleinere und mittlere Unternehmen in seinem Portfolio hält.

„Europa ist nicht perfekt, hat aber aus den vergangenen Krisen gelernt und ist handlungsfähiger geworden.“

Henrik Lier

Dass viele davon auf Nischen fokussiert sind, sieht er als Vorteil. „Familienunternehmen, die sich auf einen Bereich konzentrieren, können leichter eine klare Vision entwickeln, ihre Innovationskraft besser bündeln und sich so eher als Weltmarktführer behaupten als ein Konglomerat mit vielen Produkten und einer komplexen Unternehmensstruktur.“

GESUNDHEIT UND KONSUM IM VISIER

Deutlich breiter ist der Deka-EuropaSelect aufgestellt. Fondsmanager Lier hält weit über 100 verschiedene Aktientitel im Fondsdepot. Darin versammelt er führende europäische Unternehmen, die genau diejenige Aussicht auf ein langfristig hohes Wachstum bieten, die er im Midcap-Bereich und unter Standardwerten sucht.

Dabei setzt er in erster Linie auf Gesundheit, Technologie und Konsum. Zu den größten Einzelpositionen des Fonds gehören bekannte Unternehmen wie das Schweizer Pharmaunternehmen Roche, der niederländische Halbleiterausrüster ASML oder der französische Kosmetikhersteller L’Oréal. „In diesen Sektoren sind zwar die Wachstumsraten nicht überdurchschnittlich, aber sehr stabil“, sagt der Fondsmanager. „Sogar in konjunkturellen Abschwungphasen wachsen viele dieser Unternehmen weiter und bringen auf diese Weise Stabilität in den Fonds.“

Was Schmiederer und Lier eint: Beide investieren langfristig nach einem Bottom-up-Ansatz und betreiben aktives Stock-Picking. Beim Deka-UnternehmerStrategie Europa macht Schmiederer zudem immer mal wieder einen taktischen Zug, indem er von den 60 bis 90 Aktiengesellschaften in seinem Portfolio einige nur kurzfristig hält und dann verkauft, wenn ein bestimmtes Kursziel erreicht ist – was aber nicht generelle Intention sei. Er hat zum Beispiel mit der Auflage des Fonds ein Aktienpaket von Robertet gekauft, einem französischen Hersteller natürlicher Duftstoffe. „Dieser Titel hat sich sehr gut entwickelt“, erzählt er. „Aufgrund der hohen Bewertung haben wir die Aktie dann aber verkauft, obwohl das Geschäftsmodell weiterhin sehr attraktiv ist.“

Ziel der beiden Fondsmanager ist, einen Mehrwert im Vergleich zu breiten Indizes zu erwirtschaften. Dazu gehört nicht nur das richtige Händchen bei der Auswahl einzelner Aktien. Sie haben genauso das laufende Marktgeschehen im Blick. „Als sich der Handelskrieg im Jahr 2019 verstetigte, habe ich beispielsweise die Industrieunternehmen im Portfolio deutlich reduziert, um die Risiken im Fonds zu reduzieren“, so Schmiederer.

FOLGEN DURCH CORONA UND BREXIT

Doch auch das ist klar: Trotz ihrer Streuung unterliegen die genannten Fonds den Wertschwankungen der Märkte, sodass Kursverluste nicht ausgeschlossen sind. Vergangene Kursgewinne sind kein Garant für eine weitere positive Wertentwicklung. So ist aktuell vor allem das Coronavirus für beide Fondsmanager eine Herausforderung. „Nicht nur wegen möglicher Exportbeeinträchtigungen, sondern weil das Virus der Lieferkette schadet, was die Konjunktur in Europa belastet“, sagt der Manager des Deka-EuropaSelect. Er ergänzt jedoch: „Stand heute halte ich das Risiko für beherrschbar.“

Krisengewinner: Die Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway verbuchte im dritten Quartal 151,4 Millionen Bestellungen – 46 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Foto: dpa/Picture -Alliance

Unmittelbar schwebt allerdings das Damoklesschwert eines No-Deal-Brexit über den Märkten. Auch dort sehen beide das Schadenspotenzial mittlerweile aber als begrenzt an. „Die Mehrheit der Unternehmen hat sich auf dieses Szenario vorbereitet“, glaubt Lier. „Die Firmenverantwortlichen haben Lieferketten flexibler gemacht, Standorte zum Teil verlagert und Währungsrisiken gesichert.“

Bislang jedoch deutet vieles darauf hin, dass die Fondsmanager im Coronajahr ihr Ziel trotz oder gerade wegen der zwischenzeitlich hohen Kursschwankungen erreichen. Während der Euro-Stoxx 50 noch davon entfernt ist, seine Verluste aus dem Frühjahr aufzuholen, kommt der Deka-UnternehmerStrategie, der seit gut eineinhalb Jahren auf dem Markt ist, in den vergangenen zwölf Monaten auf einen signifikanten Wertzuwachs. Ein Versprechen auf zukünftige Gewinne ist das jedoch nicht.

Der Deka-EuropaSelect liegt ebenfalls im Plus. Seine Bilanz ist trotz eines schwierigen Umfelds in den vergangenen Jahren langfristig respektabel. Auf Sicht von fünf Jahren hat er den MSCI Europe deutlich in der Wertsteigerung übertroffen. Durch diese gute Performance hat der Fonds bei Scope das derzeit beste Rating A erhalten. „Der Deka-EuropaSelect sollte auch für die Herausforderungen der nächsten Jahre gut aufgestellt sein“, ist Lier überzeugt. Schmiederer sieht wohl, dass auch sein Fonds gut aufgestellt ist. Denn der alte Kontinent hat auch trotz Brexit viel zu bieten.

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen, Verkaufsprospekte und Berichte, die in deutscher Sprache bei der Sparkasse oder der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt, und unter www.deka.de  erhältlich sind.

Stand: 23.11.2020