Katers Welt Normal war gestern – extrem ist heute

Trotz politischer Risiken stiegen die Aktienkurse in der vergangenen Woche – wegen der Notenbanken.


Eine gelungene Börsenwoche liegt hinter uns. In den USA hat der S&P 500-Index sogar ein Allzeithoch erreicht. Auch der Deutsche Aktienindex schaffte ein Plus, hingegen fiel die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen unter die Marke von minus 0,3 Prozent, ein Niveau rund um das bisherige Allzeittief. Das ist bemerkenswert und kann durchaus auf die aktuelle Kommunikation der Notenbanken zurückgeführt werden. Am Mittwoch hat die amerikanische Notenbank Fed eine präventive Zinssenkung ins Spiel gebracht, falls es nicht zu einer (überraschenden) Einigung im Handelsstreit zwischen den USA und China kommt. Auch EZB-Präsident Draghi ist zuletzt offen für neuerliche geldpolitische Unterstützung wahrgenommen worden. Kurzum: Aus Sicht der Finanzmärkte sind die Notenbanken aktuell absolut dominierend, so dass trotz politischer Risiken die Aktienmärkte freundlich tendierten.

Hohe Erwartungen an den G20-Gipfel

Die kommende Woche beginnt mit der Veröffentlichung eines wohl gesunkenen ifo Geschäftsklimas: Die globale Abschwächung, heimische Probleme und die zahlreichen Unsicherheitsfaktoren vom internationalen Handelsstreit über den Brexit bis hin zur Haushaltsdiskussion in Italien scheinen der deutschen Wirtschaft doch stärker und nachhaltiger zuzusetzen als bislang erwartet. Überragende Bedeutung wird dem G20-Gipfel in Japan Ende der Woche beigemessen. Ob die USA und China miteinander reden und konstruktive Signale für eine Einigung im Handelskonflikt senden, dürfte marktbewegend sein, und zwar sowohl für die Aktien- als auch die Rentenmärkte.

Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, dem Wertpapierhaus der Sparkassen; Stand: 22.06.2019