Interview Globales Szenario stützt Emerging Markets

Deka-Portfoliomanager Gero Stöckle sucht für die Global Emerging Fonds nach Anlagechancen. fondsmagazin sprach mit ihm über neue Erkenntnisse aus seinen Besuchen in Brasilien und Argentinien.


TEXT: Volker Tietz

Herr Stöckle, als Fondsmanager haben Sie kürzlich Argentinien bereist. Hat sich die Reise gelohnt?   
Auf jeden Fall. Alleine die Zeit abseits der Meetings ist für einen Investor sehr wichtig, um ein Gefühl für ein Land zu erhalten, mit dem man vor allem durch den Austausch mit lokalen Spezialisten, Research-Reports und Zeitungsartikel vertraut ist. Das ist für Anlageentscheidungen hilfreich.

Wen haben Sie denn getroffen?  
Verschiedene Unternehmen sowie Vertreter der Zentralbank und Regulatoren. Argentinien befindet sich bekanntlich in einem wirtschaftlichen Transformationsprozess, den der amtierende Präsident Mauricio Macri angestoßen hat. Bereits kurz nach der Amtsübernahme wurden wichtige Reformen wie eine frei konvertierbare Währung, Aufhebung von Kapitalkontrollen und Kürzungen von Staatssubventionen vorgenommen. Zudem führt die Zentralbankpolitik zu fallender Inflation, das belebt auch den Bankensektor. Insgesamt sind dies gute Voraussetzungen für Aktieninvestitionen.

Deka-Experte Stöckle

Und danach ging es direkt weiter nach Brasilien?
Ja. Das Land bewegt sich aus der längsten Rezession seiner Geschichte heraus, hat aber mit einer komplexen politischen Situation zu kämpfen. Was bei meinen Unternehmensmeetings in Brasilien deutlich wurde: Trotz der zuletzt schwierigen wirtschaftlichen Lage im Land gibt es hier gut geführte Unternehmen, die wir auch als Investitionsziele identifiziert haben.

Welche Rolle spielt Südamerika insgesamt in der Anlagepolitik der Deka?
Die Region ist fester Bestandteil in den Global Emerging-Fonds der Deka, so zum Beispiel beim Deka-Global Convergence Aktien. Wir investieren derzeit aktiv in Brasilien, Mexiko, Chile, Kolumbien und Peru. Zudem können lateinamerikanische Unternehmen in unsere globalen Fonds beigemischt werden.

Für die Schwellenländer ist eine expansive Geldpolitik ein wichtiger Faktor für die Performance. Nun deutet sich ein Rückzug führender Notenbanken aus der lockeren Geldpolitik an. Wie stellen Sie sich darauf ein?  
Das aktuelle globale Szenario ist sehr förderlich für Vermögenswerte in den Emerging Markets und wir sind bis dato entsprechend positioniert. Eine restriktive globale Geldpolitik, vor allem die der USA, gilt zurecht als eine der wichtigsten absehbaren Risiken. Wichtig ist, dass die Fed dabei graduell und berechenbar vorgehen will.
  
Aus konjunktureller Sicht stagniert die Erholung bei den Emerging Markets, aber der Einkaufsmanagerindex für die globalen Schwellenländer bewegt sich weiter oberhalb der 50-Prozent-Marke und deutet auf Wachstum hin.  
In der Tat gab es über die vergangenen beiden Jahre in verschiedenen Ländern wie Brasilien, Russland, Türkei und auch Griechenland immer mal wieder Schwächeperioden, was das Wachstum anbelangt. Aktuell zeigt sich hier jedoch eine deutliche Verbesserung. Das wichtigste Schwellenland China weist Wachstumsraten über den Erwartungen auf. Brasilien und Russland haben die Rezession hinter sich gelassen und in der Türkei kam es durch stimulierende Maßnahmen der Regierung ebenfalls zu einer Aufhellung der Wirtschaftslage. Des Weiteren profitieren die Länder Zentralosteuropas wie Polen und Tschechien vom guten Wachstum Mitteleuropas, insbesondere getrieben durch Deutschland. Ein Niveau der Einkaufsmanagerindizes über 50 Punkte signalisiert Wachstum und ist durchaus auch durch die gegebene Wachstumsdynamik unterfüttert. 
  
Inwieweit wird die Wertentwicklung der Schwellenländeraktien durch Wechselkursveränderungen beeinflusst?
Diese Währungskomponente muss man im Blick haben. Sie kann sich positiv auswirken, wie beispielsweise zuletzt in Brasilien oder der Türkei. Oder auch in die andere Richtung ausschlagen, wie am Beispiel des mexikanischen Pesos vor der Trump-Wahl zu beobachten war.
  
Und wie geht das Fondsmanagement damit um?  
In vielen Emerging Markets gibt es einen Gleichlauf von Aktienmarktentwicklungen und den jeweiligen Währungen. In diesem Fall werden unattraktiv erscheinende Länder in der Positionierung gemieden, andere dafür übergewichtet. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, einzelne Währungen direkt abzusichern.
  
Welche Branchen stehen derzeit bei Ihnen im Fokus?  
Zurzeit halten wir internationale Minenwerte, die einen großen Teil ihres Geschäfts in den Emerging Markets betreiben, für aussichtsreich. Auch die Finanzbranche ist spannend. Deka-Global ConvergenceAktien investiert etwa in Banken aus Argentinien und Indien sowie in chinesische Banken und Versicherungen.
  
China scheint insgesamt interessant zu sein.  
Auf jeden Fall, denn es gibt in China einige strukturelle Trendthemen. Dazu gehören die wachsende Mittelschicht, Urbanisierung, steigende Nutzung des mobilen Internets sowie eine höhere Kaufkraft der Konsumenten. Das decken wir durch Firmen im Bereich Online-Shopping ab. Positiv sehen wir in Asien auch den Halbleiterbereich, der vom erhöhten Datenkonsum durch die Anbindung einer steigenden Zahl an Geräten und Fahrzeugen an das Internet profitiert.
  
Welches Fazit ziehen Sie für Emerging Markets?  
Grundsätzlich bleiben wir positiv für Schwellenländeraktien gestimmt, auch wenn es in einzelnen Ländern, wie aktuell in Katar, Probleme geben kann. Höhere Renditechancen gehen immer mit erhöhten Risiken einher. Aus unserer Sicht stimmen derzeit jedoch die Rahmenbedingungen mit globalem Wachstum, schwächerem US-Dollar, niedrigem Zinsniveau und festen Rohstoffpreisen.

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank oder von der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten.

Stand: 18.10.2017