Jahresausblick „Hervorragende Einstiegschancen“

Mutige Anleger können 2019 den Grundstein für ihren langfristigen Erfolg am Aktienmarkt legen. Die Experten der Deka erklären, warum das so ist.


TEXT: Daniel Evensen

Brexit? Da wird man sich schon einig werden. Handelsstreit der USA mit dem Rest der Welt? Kann die Wirtschaft wegstecken. Bis zur Jahresmitte 2018 haben die Marktteilnehmer immer wieder starke Nerven bewiesen. Aber eine Sache hat ihnen dann doch Kopfzerbrechen bereitet und die Aktienkurse auf Talfahrt geschickt: die geldpolitische Wende mit ihrer schrittweisen Rückkehr zu normalen Zinsniveaus. Sie wird auch in den kommenden Monaten das alles beherrschende Thema und potenzieller Unruheherd sein, sagen die Deka-Experten in ihrem Jahresausblick 2019 voraus. Sie betonen zugleich: Anleger sollten sich von der Nervosität nicht anstecken lassen.

Wie fit ist die Wirtschaft?

„Fast zehn Jahre lang haben die Notenbanken auf der Welt die Konjunktur mit historisch nie dagewesenen Maßnahmen unterstützt“, erklärt Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. „Seit einiger Zeit müssen aber die USA und demnächst auch Europa beweisen, dass ihre Volkswirtschaften ohne oder mit weniger Doping leistungsfähig bleiben.“ Die amerikanische Fed hat bereits mehrfach an der Zinsschraube gedreht und wird die Zinsen dieses Jahr voraussichtlich noch einmal und kommendes Jahr weitere drei Mal anheben. So weit ist die EZB zwar noch lange nicht, aber sie will zum Jahresende zumindest ihre Anleihekäufe einstellen.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Welche Anlagestrategie verspricht 2019 den größten Erfolg? Welche Fonds, Regionen, Branchen sollten Anleger im Depot haben? In der kommenden Ausgabe des fondsmagazin Newsletters geben Börsenstrategen exklusiv ihre Einschätzung ab. Hier können Sie den Newsletter kostenlos abonnieren.

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Was bedeuten höhere Zinsen und weniger Liquidität für die Konjunktur, die sowieso schon nicht mehr auf Hochtouren läuft? Steht eine Rezession bevor? Weil in der Vergangenheit schon so mancher Aufschwung durch eine zu straffe Geldpolitik abgewürgt wurde, sind die Marktteilnehmer auf der Hut. Jede Aussage der Notenbanker legen sie auf die Goldwaage, neue Stimmungsindikatoren oder Daten aus der Wirtschaft bringen sie an einem Tag zum Jubeln und am nächsten Tag zum Verzweifeln. „Vor diesem Hintergrund rechnen wir in der ersten Jahreshälfte 2019 mit ungemütlichen Märkten und hohen Kursschwankungen“, sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie der DekaBank. „Wer die Nerven behält, sollte aber belohnt werden. Im kommenden Jahr dürften sich hervorragende Einstiegschancen für langfristige Anleger bieten.“

Weiche Landung wahrscheinlich

Der Grund für die Zuversicht der Deka-Strategen: Sie rechnen für 2019 lediglich mit einem leichten Rückgang des Wachstums in der Welt um 0,3 Prozentpunkte auf 3,4 Prozent. Chefvolkswirt Kater: „Die Voraussetzungen für eine solche weiche Landung sind gut, da die Notenbanker sehr behutsam vorgehen. Sie sind auch nicht zur Eile gezwungen, denn es besteht kaum Inflationsdruck, der höhere Zinsen erfordern würde.“ Sollte es nötig werden, könnten sie daher die Straffung ihrer Zinspolitik jederzeit aussetzen, so Kater.

Steigende Gewinne sind positiv für die Börsen

Aber was ist mit weiteren Störfaktoren wie dem Handelsstreit der USA mit China? Dieser spiele für die Konjunktur vorerst keine große Rolle, sagt Kater und untermauert seine Einschätzung mit zwei Zahlen: „Die Zölle im Handel zwischen den USA und China werden voraussichtlich ein Volumen von 125 Milliarden US-Dollar erreichen, das nominale Bruttoinlandsprodukt beider Länder beträgt zusammen aber ein Vielfaches, nämlich rund 40 Billionen US-Dollar.“ Vorsicht sei jedoch geboten, sollte die Europäische Union tiefer in den Streit verwickelt und zusätzliche Strafzölle beschlossen werden. Gerade exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland, die Niederlande oder Belgien seien verwundbar.

Unberechenbares Italien

Ein anderes Risiko für 2019 sei schwierig einzuschätzen, so die Deka-Experten. Die neue italienische Regierung habe mit dem bisherigen Prinzip der Finanzpolitik, Stabilität an erste Stelle zu setzen, gebrochen. Statt zu sparen gebe sie mehr Geld aus und rechne bei den Haushaltsplanungen zudem mit unrealistisch hohen Wachstumszahlen. Ulrich Kater: „Diese Finanzpolitik hat das Zeug, im schlimmsten Fall eine Eurokrise 2.0 auszulösen.“

Denn der italienische Staat muss im kommenden Jahr knapp 200 Milliarden Euro an Schulden über Anleihen refinanzieren, der Bedarf der italienischen Banken liegt bei rund 60 Milliarden Euro. „Sollten die Investoren das Vertrauen in das italienische Finanzsystem verlieren, droht ein Käuferstreik. Aber: Bleibt das konjunkturelle Umfeld wie von uns erwartet intakt, kann es nochmal gutgehen für Italien.“

Anleger sollten mutig sein

Trotz einiger Störfaktoren hält die Deka die Voraussetzungen für die Aktienmärkte für gar nicht so schlecht. Anlagestratege Joachim Schallmayer: „In allen großen Regionen dürften die Unternehmensgewinne 2019 im hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Noch dazu sind viele Titel nach den jüngsten Kursrückgängen an der Börse moderat bewertet – das gilt insbesondere für europäische Aktien und Unternehmensanleihen. Ausgewählte Papiere aus den Schwellenländern halten wir ebenfalls für attraktiv.“ Nach Schallmayers Einschätzung kann der DAX in den nächsten Monaten auch einmal unter die Marke von 11.000 Punkten fallen. „Mit einer Klärung der Konjunkturperspektiven im Jahresverlauf sollte dann aber eine Erholung in Richtung 12.000 Zähler einsetzen.“

Für Anleger heißt das: Sie sollten nicht übermütig werden, aber durchaus Mut beweisen. Wenn sie bereits in Aktienfonds investiert sind, können sie Schwächephasen für den Ausbau ihrer Positionen nutzen. Wer noch keine Aktien besitzt, hat mit Fondssparplänen das ideale Instrument für Einsteiger – denn für die Investition kleiner monatlicher Summen reicht auch schon ein kleines bisschen Mut.

Stand: 30.11.2018