Interview „Ich möchte schon Ergebnisse sehen“

Die Pharma-Fondsmanagerin der Deka Jennifer Jürgens über den Innovationsschub bei Heilmethoden, den Einfluss von Big Data und die richtige Auswahl von Top-Gesundheitsfirmen für das Portfolio. 


TEXT: Peter Weißenberg

Sie sind viel in innovativen Unternehmen der Gesundheits-Branche unterwegs. Was ist die faszinierendste Erfindung, die Sie da in den vergangenen Monaten gesehen haben?
Am meisten beeindruckt mich aktuell die Gentherapie. Bei dieser Form von Therapie wird in eine Zelle mit einer fehlerhaften DNA-Sequenz die entsprechend korrekte Form der DNA eingeschleust. Die erste medizinische Anwendung dieser Art wurde Ende letzten Jahres durch die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA zugelassen. Die Produkteinführung wird noch Anfang 2018 erwartet.

Deka-Expertin Jürgens

Bei welcher Krankheit wird diese medizinische Innovation des Unternehmens denn eingesetzt?
Gegen eine seltene vererbliche Augenerkrankung, die zur Erblindung führen kann. Ein gesundes Stück DNA wird bei dieser gentherapeutischen Anwendung mit dem Markennamen „Luxturna“ mit Hilfe eines Virus in die Körperzelle des Patienten eingeschleust. Viren haben die Eigenheit, ihre DNA in der Zelle des menschlichen Körpers zu platzieren, mit dem Ziel sich so zu replizieren. Die Wissenschaftler entnehmen aber diesen Viren vorher deren eigene DNA und ersetzen sie durch die gewünschte, um die Augenkrankheit zu besiegen.
  
Es werde Augenlicht … geradezu biblisch.  
Das ist Science-Fiction – und zugleich 2018 unsere Gegenwart. In der Zukunft gilt es, auf Basis solcher beeindruckenden neuen Ansätze noch viele Entwicklungsmöglichkeiten zur möglichen Heilung von Krankheiten zu entwickeln. 
  
Digitalisierung, Vernetzung, Robotik und Künstliche Intelligenz: Wie tiefgreifend ist denn bereits der Wandel in der Medizin- und Pharmabranche?  
Der Wandel ist riesig. Ein Beispiel: Die erste Sequenzierung des menschlichen Genoms fand 2001 statt und hat drei Milliarden Dollar gekostet. Heute ist das schon für weniger als 1000 Dollar möglich.
  
Was bedeutet das für die Industrie?  
Es wird immer einfacher, Ursachen für Erkrankungen zu erkennen und diese genauer zu spezifizieren. Vor allem auch in der Onkologie: Tumore können genauer spezifiziert und die passenden Krebsmedikamente entwickelt werden. Diese erkennen die genetischen Veränderungen oder Mutationen des Tumors und setzen direkt dort an.

Medizin 4.0 sozusagen?
Ja, denn hier kommen auch noch Big Data und Vernetzung ins Spiel. Ein Genom umfasst drei Milliarden Basenpaare – das ist eine unglaubliche Datenmenge. Dazu kommen durch die moderne Digitalisierung noch mehr gesundheitsbezogene Daten.

Durch digitale Devices, Fitness-Tracker und so weiter?  
Genau. Um die Daten daraus zu analysieren und auch zu speichern, wird die richtige Technik benötigt. Unternehmen wie Google und IBM mit ihrem Produkt Watson bieten hier Lösungen an. Vernetzung spielt übrigens auch insofern eine Rolle, als dass durch die neuen Technologien auch Patienten, Ärzte, Forscher und Krankenkassen miteinander vernetzt werden können, schneller und früher Krankheiten erkennen und umfassender behandeln. Wir sind hier noch am Anfang, aber ein neuer Entwicklungstrend im Bereich Healthcare ist gesetzt. 
 
Big Data, Fitness-Tracker, Watson … Sind Anleger eigentlich noch richtig zukunftsorientiert, wenn sie in diesen Branchen auf Bayer, Novartis oder Siemens setzen? Wären Alphabet, Amazon oder Microsoft nicht die besseren Investments?  
Die konservativen Pharmakonzerne sind natürlich keine Wachstumsunternehmen wie diverse Technologiefirmen oder Biotechs. Dafür liegt bei solchen Unternehmen aber auch ein anderes Risikoprofil zugrunde. Und die großen Pharmafirmen schlafen nicht: Auch sie entwickeln neue innovative Produkte, bedienen sich der neuen Technologien und erzielen bereits heute enorme Umsätze in diesen Segmenten. Aber sie setzen nicht alles auf eine Karte …

… sondern?  
… investieren in einen diversifizierten Basket von neuen Medikamenten. Wenn eines davon nicht auf dem Markt zugelassen wird, ist der Kursrückgang der Aktie deutlich geringer als bei einem kleinen Biotech-Unternehmen. 

Die neuen Player fressen also nicht die alten?  
Nein. Big Data und Healthcare gehen eine Symbiose ein. In den USA nutzen zum Beispiel auch Versicherer Big Data, um die Behandlung zu optimieren und Kosteneffizienz zu erzielen.

Wenn es jetzt so viele neue Player gibt, wie bewerten Sie eigentlich deren nachhaltige Erfolgsaussichten? 97 Quartalsbilanzen oder 33 erfolgreiche Medizinprodukte haben die Neulinge ja noch nicht vorzuweisen.  
Das ist ja gerade die Stärke eines aktiven Fondsmanagements. Wir setzen nicht alles auf eine Karte, schon gar nicht bei mangelnder Datenbasis. Auf Kongressen oder Präsentationen gehen wir in die Tiefe, sprechen mit Experten, sehen uns Forschungsergebnisse und Zulassungsdokumente an. Darüber tauschen wir uns mit dem Management der Unternehmen aus. Und die klinische Phase 1, ab der an Menschen erprobt werden darf, sollten Produktinnovationen schon erreicht haben, damit eine erste potenzielle Erfolgseinschätzung möglich ist. Ich treffe die Investitionsentscheidungen für den DekaLux-PharmaTech und DekaLux-BioTech – und da möchte ich schon überzeugende Ergebnisse sehen.

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank oder von der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten.

Stand: 21.02.2018