US-Wahl Kampf um den Kurs der Weltmacht

Das Ringen um das Weiße Haus geht in die heiße Phase. Doch ganz gleich, ob Amtsinhaber Donald Trump oder Herausforderer Joe Biden den Sieg davonträgt: Die Aufgaben für den nächsten Präsidenten werden gerade in der Wirtschaftspolitik gewaltig sein.


TEXT: Peter Weißenberg

Der eine ist ein „seniler Greis”, „ferngesteuert von radikalen Linken”, der andere ein „notorischer Lügner”, der „nur an sich selbst und seine Familie denkt“ und durch sein „Missmanagement der Covid-19-Krise die Wirtschaft ruiniert hat“. So beschreiben die beiden Spitzenkandidaten Donald Trump und Joe Biden den jeweils anderen Bewerber um das Amt des nächsten Präsidenten.

Willkommen im Endspurt eines Wahlkampfs, der jeden Tag härter wird. Willkommen in der größten Wirtschaftskrise seit den 1930er-Jahren mit rund 10 Prozent Konjunktureinbruch im zweiten Quartal, 17 Millionen Arbeitslosen und unabsehbaren Folgen einer Pandemie, die weiter wütet.

Alles nicht unser Bier? Doch. An der Weltwirtschaftsmacht USA geht kein Weg vorbei. Wie die USA sich von Corona und den Folgen erholen, das hat entscheidende Bedeutung für Arbeitnehmer, Unternehmer und Anleger überall auf der Welt. Auch für den deutschen Normalverbraucher ist es also wichtig, wie sich sein US-Pendant „Joe Sixpack“ am 3. November entscheiden wird: vier weitere Jahre Trump oder der Wechsel zu Biden?

„Unser wahrscheinlichstes Szenario ist derzeit, dass sich Biden durchsetzt.“Roger Vogt, Investment-Stratege im Team der Deka

„Unser wahrscheinlichstes Szenario ist derzeit, dass sich Biden durchsetzt – und seine Demokraten neben dem Repräsentantenhaus auch die Mehrheit im Senat gewinnen“, sagt Roger Vogt. Der Investment-Stratege im Team der Deka analysiert seit Monaten anhand vieler Parameter den wahrscheinlichen Wahlausgang im Spätherbst. Schließlich wollen die Manager der einschlägigen Deka-Fonds ihre Kunden bestmöglich auf die Folgen der denkbaren Szenarien einstellen.

„Blaue Welle“ mit großen Folgen

Kommt es zur sogenannten „blauen Welle“ eines demokratischen Sieges in allen drei Top-Institutionen, dann wird dies weitreichende Folgen haben. Das Biden-Team hat in diesem Fall alle Möglichkeiten, um Spitzensteuersätze und Unternehmenssteuern wieder anzuheben, in umweltfreundliche Technologien zu investieren, die Staatsschulden weiter zu erhöhen oder das staatliche Gesundheitssystem zu reformieren. Alles Versprechungen aus dem Wahlkampf.

Die Unternehmensgewinne würden in diesem Fall wohl sinken – nach einer Studie der Bank of America unter den Top-500- Aktiengesellschaften um mehr als 12 Prozent, bei Technologieaktien sogar mehr als 17 Prozent. Das heißt aber noch lange nicht, dass auch die Kurse entsprechend einknicken. „Unternehmer wollen planen können – und das war bei der sprunghaften Politik Donald Trumps in den vergangenen Jahren schwierig“, sagt Sudha David-Wilp, Expertin für US-Politik. Ein Tweet von „@realDonaldTrump“ konnte da ganze Handelsbeziehungen von einem Tag auf den anderen einbrechen lassen.

So wahrscheinlich sind die verschiedenen Wahlausgänge

Experte Roger Vogt sieht deshalb auch das drittwahrscheinlichste Szenario – alles bleibt, wie es war – nicht als unproblematisch an: „Weil ein Präsident Trump innenpolitisch in dieser Konstellation nur wenig Grundsätzliches bewegen könnte, dürfte er sich gerade auf die Handelspolitik stürzen.“ Es stünde zu befürchten, dass die Konflikte mit China, der EU oder Japan in diesem Fall noch zunehmen. Das ist schlecht für gute Geschäfte – und problematisch für die Aktienkurse global agierender Firmen.

Gefahr für die Staatsanleihen

Aber auch im Szenario mit der zweithöchsten Wahrscheinlichkeit gibt es Fallstricke: Würde der nächste Präsident Joe Biden heißen, der Senat aber in republikanischer Hand bleiben, könnten erst einmal US-Staatsanleihen einknicken. Für die konjunkturelle Entwicklung und die Aktiengesellschaften wäre diese Machtverteilung aber vorteilhaft, weil die Demokraten dadurch kaum an den Steuersätzen drehen könnten.

Republikaner und Demokraten sind sich außerdem zumindest prinzipiell einig, die marode Infrastruktur des Landes massiv erneuern zu wollen. Dies könne – mit einer ökologischen Komponente etwa bei der Energieversorgung oder im öffentlichen Verkehr – die Wirtschaft weiter ankurbeln, so Vogt. Zudem wäre in der Außen- und Handelspolitik mit einer Entspannung zu rechnen. Auf längere Sicht könnte dann dieses wirtschaftliche Positivszenario auch bei den Anleihen wieder zu leicht steigenden Renditen führen – allerdings ausgehend von historischen Zinstiefständen.

„2020 könnte es wieder eine Hängepartie bei der US-Wahl geben.“Sudha David-Wilp, German Marshall Fund

Was bei beiden Kandidaten wohl eine Konstante bleibt, sind die „großen Kredit- und Ausgabenprogramme mit dem dazugehörigen Nullzinsumfeld“, sagt Roger Vogt. Diese werden noch lange Zeit Bestand haben und den Finanzmärkten weiteren Schub verleihen. Trotzdem sollten Anleger die Risiken des Corona-Infektionsverlaufs sowie der anstehenden US-Präsidentschaftswahl am 3. November berücksichtigen und sich aktuell damit eher zurückhalten, amerikanische Aktien im Portfolio überzugewichten. Auch die Experten der Deka halten es so.

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Denn wann Corona besiegt ist, das bleibt ungewiss. Und für das Präsidentenrennen gilt womöglich Ähnliches. Was fast alle Experten – und wohl auch die meisten Amerikaner – vor allem fürchten, ist ein Wahlausgang ohne klaren Sieger.

So etwas hat es bereits im Jahr 2000 schon einmal gegeben. Erst das Oberste Gericht hatte damals mehr als einen Monat nach der Wahl und nach endlosen Stimm-Nachzählungen und wechselseitigen Klagen George W. Bush dank hauchdünnem Vorsprung in Florida zum Gesamtsieger erklärt – und der demokratische Gegenkandidat Al Gore hatte das Ergebnis letztlich anerkannt. In der Zwischenzeit waren allerdings die Aktienmärkte deutlich eingebrochen und die Anleger in Gold oder Bargeld geflüchtet.

So eine „Hängepartie könnte es 2020 wieder geben“, fürchtet Expertin David-Wilp. Fraglich sei nur, ob der unterlegene Kandidat am Ende seine Niederlage auch eingestehe. Falls nicht, könnten die politischen Börsen anders als üblich in diesem Wahljahr auch sehr lange Beine haben – also unter länger anhaltenden Kursturbulenzen leiden.

Privatanleger sollten da nicht die Nerven verlieren. Und Experten mit umfassendem Einblick in die Märkte eröffnen sich taktisch womöglich sogar Gelegenheiten: „Zwischenzeitlich sinkende Kurse könnten Kaufmöglichkeiten kreieren“, so Investment-Stratege Vogt.

Teure Wahlversprechen

Spätestens am 20. Januar 2021 sollten schließlich auch noch so heftige Nachwahlkämpfe ein Ende haben: Dann schreibt die US-Verfassung verbindlich die Amtseinführung des nächsten Präsidenten vor, im Zweifel durch ein Machtwort der Bundesrichter. Und ganz gleich, ob Joe Biden oder Donald Trump dann die Nummer eins im Lande ist: Der Kapitalmarkt dürfte auf mittlere Sicht wieder positiv reagieren. Eine Analyse der letzten 23 USPräsidentschaftswahlen belegt: Seit 1928 sind die Kurse im Jahr der Wahl bis auf viermal stets gestiegen – und die Ausnahmen hatten 1932 mit der Weltwirtschaftskrise zu tun, 1940 tobte der Zweite Weltkrieg, 2000 platzte die Technologieblase und 2008 war das schwerste Jahr in der Weltfinanzkrise.

All das aber ist schwerlich direkt dem Mann an der Spitze der USA anzulasten. Das sehen auch die Börsianer wohl so: Die Performance der Kurse im Nachwahljahr war seit fast 100 Jahren sogar noch besser als in den zwölf Monaten davor.

Stand: 28.09.2020

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