Katers Welt Keine Schwellenängste bei Schwellenländern

Sie sind Verheißung und Albtraum in einem: Finanzanlagen in Schwellenländern. Schwierigen Staaten wie Südafrika steht eine Reihe asiatischer Volkswirtschaften der zweiten Reihe entgegen, die Fortschritte machen.


Auf den ersten Blick erscheint es absurd, Spargelder in weit entfernten Ländern anzulegen, von deren Wirtschaft und Politik man kaum eine Ahnung hat. Und alle paar Jahre scheinen die Nachrichten diese Skepsis zu bestätigen, wenn wieder von Finanzkrisen in Argentinien und der Türkei die Rede ist oder sich die Bevölkerung eines Landes wie Brasilien aufgrund notorischer Korruption von ihrem Parteiensystem abwendet.

Und trotzdem gibt es auch positive Entwicklungen. China eingeschlossen, machen Schwellenländer heute mehr als die Hälfte der Weltwirtschaft aus. Selbst wenn in den USA Donald Trump hart am Auseinanderfallen des Welthandels arbeitet und dies für einige Schwellenländer große Herausforderungen bedeutet, bleibt genügend Potenzial für die Entwicklung von Wirtschaft und Kapitalmärkten in den aufstrebenden Regionen übrig.

„Gut zwei Drittel des weltweiten Wirtschaftswachstums werden in den Schwellenländern erzielt“Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank

Man darf hier nicht naiv sein: Viele Länder, die vor wenigen Jahren als Hoffnungsträger für ein wirtschaftliches Aufholen standen, haben bitter enttäuscht, etwa Südafrika. Viele Schwellenländer bleiben in einem frühen Entwicklungsstadium gefangen, weil es ihnen nicht gelingt, nach anfänglichen Erfolgen in der Produktion einfacher Güter die nächsten Entwicklungsstufen zu nehmen. Meist fehlt es an grundlegenden Institutionen einer komplexen Wirtschaft, wie Sicherheit, Transparenz oder einem leistungsfähigen Bildungssystem.

Es gibt allerdings Gegenbeispiele. Mehrere asiatische Volkswirtschaften der zweiten Reihe haben Fortschritte gemacht und auch das neben China zweite Schwergewicht der aufstrebenden Wirtschaftswelt, Indien, schreitet voran auf dem Weg zu mehr Wohlstand. Bei allen lokalen Fehlentwicklungen – zu denen in den vergangenen Jahren in einigen Ländern eine zu hohe Kredit­vergabe hinzugekommen ist – werden gut zwei Drittel des weltweiten Wachstums in Schwellenländern erzielt. Daneben darf man nicht vergessen, dass ein Land wie Deutschland mit seinem enormen Leistungsbilanzüberschuss dazu gezwungen ist, Finanzanlagen im Ausland zu tätigen.

Auch Privatanleger sollten über Investments in Wertpapiere aus den Schwellenländern nachdenken. In den vergangenen zehn Jahren konnten mit Aktien aus den Emerging Markets jährlich über 7 Prozent und mit Anleihen in harter Währung sogar etwa 10 Prozent Rendite erwirtschaftet werden. Wichtig sind dabei eine breite Streuung und aktive Bewirtschaftung, denn die Entwicklungen in den schnell wachsenden Volkswirtschaften sind sehr dynamisch. Obwohl diese Staaten aktuell geopolitische und finanzielle Herausforderungen zu meistern haben und obwohl das Vorzeigeland China mitunter auch negative Schlagzeilen machen wird, bleiben sie eine sinnvolle Ergänzung jedes langfristigen Portfolios.

Stand: 13.11.2018