Interview Keine vollmundigen Versprechen

Der japanische Aktienmarkt hat Anfang 2018 ein 26-Jahreshoch erklommen. Patrick Schwahn, Fondsmanager des DekaLux-Japan, erläutert die Hintergründe der Rally und die Aussichten.


TEXT: Volker Tietz

Herr Schwahn, ein schwaches Wirtschaftswachstum und fehlende Inflation gelten nicht als Nährboden für steigende Aktienkurse. Dennoch hat der Nikkei im vergangenen Jahr ansehnlich zugelegt und Anfang 2018 sogar ein 26-Jahreshoch erklommen. Was ist passiert?
Die Kurse haben auf die stark steigenden Unternehmensgewinne reagiert. Dabei ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 auf Basis der Gewinnschätzungen für Ende März 2019 aber immer noch niedrig und auf dem Level von vor acht Jahren. In den USA sieht es ganz anders aus: Dort haben sich mit den Unternehmensgewinnen auch die Bewertungen erhöht. Die Erwartungshaltung und damit verbunden das Enttäuschungspotenzial sind höher als in Japan.  

Deka-Experte Schwahn

Was sagt ein KGV von 14 denn aus?
Teilen Sie den Gewinn je Aktie durch den Aktienkurs, dann ergibt sich eine Art Verzinsung der Aktie, die auch Gewinnrendite genannt wird. Ein 14er KGV bedeutet daher, dass sich das Kapital mit rund 7 Prozent pro Jahr verzinst. Überraschend viel, oder?

Zuletzt gaben die Kurse aber auch in Japan nach. War der Grund dafür die hohe Staatsverschuldung?
Nein, das lag vor allem an der Wall Street, die eben noch immer den Haupttrend setzt. Japan ist zwar mit 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts hoch verschuldet, aber die Kreditgeber kommen aus dem Inland. Das ist nicht vergleichbar mit Ländern wie Griechenland.

Wie schätzen Sie die Reformen von Premierminister Shinzo Abe ein und wie beurteilen Sie die Geldpolitik von Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda?  
Abe hat sehr viele kleine Maßnahmen ergriffen und die Stimmung in der Industrie hat sich dadurch zuletzt verbessert. Das erwartete reale Wirtschaftswachstum mit 1,4% für 2018 und 0,7% für 2019 ist für japanische Verhältnisse beachtlich. Notenbankchef Kuroda hat zwar vor einigen Tagen angekündigt, dass er 2019 über einen Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik nachdenken wolle, aber derzeit stützt das billige Geld die Märkte.

Japanische Firmen spielen in Zukunftstechnologien wie Robotik, Automation oder Datenspeicherung eine führende Rolle. Wie schätzen Sie die Wettbewerbsfähigkeit ein?  
In Branchenfonds zum Thema Automation ist der Anteil japanischer Firmen mit mindestens 25 Prozent etwa dreimal so hoch wie im MSCI World. Das sagt sehr viel über die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Japaner aus. Vor kurzem hatten wir einen US-Autobauer zu Gast, der sagte: Es gab in der Autoindustrie in den vergangenen 100 Jahren zwei große Innovationen: Anfang des 20. Jahrhunderts die Fließbandfertigung des Modell T von Ford und in den 1980/1990er Jahren das japanische Managementkonzept Kaizen, insbesondere die Just-in-Time-Produktion. Von dieser Expertise profitieren japanische Firmen nach wie vor.

Woher stammt die Nachfrage?
Vor allem auch aus China, das bis 2020 seine Automationsquote von 50 Robotern pro 10.000 Mitarbeitern auf 150 Roboter pro 10.000 Mitarbeiter verdreifachen will. Daher brummt das Geschäft, auch bei den Japanern. Das liegt an der räumlichen Nähe zu China und den Top-Produkten wie Sensoren oder Komplettlösungen.

Gibt es noch weitere Branchen, die Sie in Japan für aussichtsreich halten?
Die Konsumelektronik ist stark nach China und Südkorea gewandert. Neben der Werkzeug-, Maschinenbau und Industrietechnologie ist hier vor allem die Autoindustrie zu nennen. Toyota will ab 2019 komplett auf Dieselfahrzeuge verzichten und arbeitet an einer Festkörper-Batterie, die doppelt so leistungsfähig wie Li-Ionen-Batterien und bis 2022 marktreif sein soll. Ich bin gespannt, denn die Japaner sind eher konservativ, was vollmundige Versprechen angeht – fast schon schüchtern.  

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Stand: 13.03.2018