Klimawandel „Der Klimaschutz erreicht eine neue Eskalationsstufe“

Das Klimapaket der Bundesregierung wird nicht viel bewirken, sagt Deka-Experte Ingo Speich. In Zukunft drohen deshalb umso drastischere Maßnahmen.


TEXT: Daniel Evensen

Die Bepreisung des CO2-Ausstoßes ab 2021, günstigere Bahntickets, eine höhere Förderung von Elektroautos – viele der von der Bundesregierung im Klimapaket beschlossenen Maßnahmen gehen schon in die richtige Richtung, urteilt Ingo Speich. Allerdings gehen sie dem Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance der Deka längst nicht weit genug: „Beispiel CO2: Ein Preis, den man kaum im Geldbeutel spürt, bringt Menschen und Unternehmen nicht dazu, ihr Verhalten zu ändern. Dafür müssen die Maßnahmen schon etwas wehtun.“

Speich hatte von der Großen Koalition mehr erwartet: „Im Vorfeld war der Druck auf die Bundesregierung immer größer geworden, da konnte man eigentlich mit mutigeren Beschlüssen rechnen.“ Aber die Politiker sind wohl vor unbeliebten Entscheidungen zurückgeschreckt. „Schmerzhafte Eingriffe spüren die Wähler sofort, die positiven Wirkungen für Umwelt und Klima möglicherweise erst in Jahren oder Jahrzehnten.“

Wenn aber das heutige Tempo beim Klimaschutz gering ist, muss später mehr aufgeholt werden. Denn beim Klimagipfel in Paris Ende 2015 hatten sich die 195 teilnehmenden Staaten darauf geeinigt, den Ausstoß von CO2 in die Atmosphäre zu begrenzen. 420 Milliarden Tonnen CO2 können die Länder den Berechnungen zufolge insgesamt noch ausstoßen, um die Erderwärmung bei 1,5 Grad zu stoppen, 1.070 Milliarden Tonnen für eine Erwärmung von bis zu 2,0 Grad. Deutschland verbraucht aktuell allerdings seinen jährlichen Anteil am CO2-Gesamtbudget innerhalb der ersten vier Monate eines Jahres. „Wenn wir heute nicht energisch gegensteuern, müssen morgen umso drastischere Maßnahmen beschlossen werden“, sagt Speich: „Der Klimaschutz erreicht damit eine neue Eskalationsstufe.“

Stagnation statt Trendwende

Trend verpennt

Der Deka-Nachhaltigkeitsexperte glaubt auch nicht, dass die vorsichtige Gangart der Politik der heimischen Wirtschaft zugutekommt. Speich verweist als Beispiel auf eine deutsche Schlüsselindustrie: „Die Autobranche hat es versäumt, frühzeitig Klimaschutzaspekte in ihre Geschäftsstrategie einzubeziehen, vor allem deshalb schlittert sie jetzt in die Krise.“ In den Jahren 2020/21 drohen den hiesigen Autobauern wegen des hohen durchschnittlichen CO2-Ausstoßes ihrer Pkw-Flotten Strafzahlungen – aber nicht aus Berlin, sondern aus Brüssel.

Vergleichsweise großzügige Rahmenbedingungen in Deutschland werden der Autoindustrie auch in Zukunft nicht wirklich weiterhelfen. „Daimler macht etwa 85 Prozent seines Umsatzes im Ausland“, so Speich. Der Deka-Experte rechnet mit einer wahren Regulierungswelle der EU-Kommission für mehr Nachhaltigkeit in den kommenden Jahren. Auch in anderen Regionen der Welt dürften die Restriktionen zunehmen.

„Wir achten immer stärker darauf, ob sich die Unternehmen dafür wappnen, was in Sachen Nachhaltigkeit auf sie zukommt“ Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka

Die Deka kalkuliert das bei der Bewertung von Aktien in ihren Fonds ein. Speich: „Wir achten immer stärker darauf, ob sich die Unternehmen dafür wappnen, was in Sachen Nachhaltigkeit auf sie zukommt. Wir müssen als Investoren die Entwicklungen antizipieren. Denn die Aktienkurse reagieren bereits, bevor neue Regulierungsschritte umgesetzt werden.“ Wer vor den absehbaren Herausforderungen die Augen verschließe, werde aussortiert. Die Fondsmanager der Deka wägen aber nicht nur Risiken ab, sondern suchen auch die Gewinner von morgen. „Unternehmen, die bei den zentralen Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung gut positioniert sind, können sehr chancenreich sein“, erklärt Speich.

Nachhaltigkeit unaufhaltsam

Nicht nur die Gesetzgeber, auch die Anleger werden in Zukunft auf noch mehr Nachhaltigkeit pochen, ist Speich überzeugt. „Wenn man die Menschen fragt, wollen deutlich mehr als die Hälfte nachhaltig anlegen. Viele kennen nur die Möglichkeiten nicht.“ Das wird sich spätestens Ende des kommenden Jahres massiv ändern. Dann wird der – von der EU beschlossene – Nachhaltigkeitstest in Kraft treten. Er sieht vor, dass Kunden in der Anlageberatung immer gefragt werden, ob sie nachhaltig anlegen möchten.

Die Deka hat dafür bereits seit Langem passende Angebote: nachhaltige Aktien-, Anleihen und Mischfonds. Und die Palette wird weiter
ausgebaut. So ist gerade der Fonds Deka Portfolio Nachhaltigkeit Globale Aktien aufgelegt worden. Die Fondsmanager berücksichtigen
bei der Auswahl von Unternehmen für das Portfolio die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit: Ökologie, soziale Verantwortung und gute Unternehmensführung. Deka Portfolio Nachhaltigkeit Globale Aktien bietet Anlegern, die bereit sind, die Kursrisiken von Wertpapieren zu tragen, die Aussicht auf eine langfristig gute Rendite – und ein gutes Gewissen.

Stand: 25.09.2019