Klimaschutz Grüne Wunder

Klima- und Umweltschutz werden den Menschen immer wichtiger. Auch als Anleger können sie ökologische Innovationen vorantreiben – auf überraschend vielen Wegen.


TEXT: Peter Weißenberg

Die grünen Wunder sind überall. Sie drosseln automatisch die Stromerzeugung im Kraftwerk, reduzieren den Wasserverbrauch oder verringern die CO2-Belastung durch Lebensmittel mal eben um 90 Prozent – und das oft unbemerkt: Schon heute sind wir von vielen revolutionären Umweltschutz-Ideen umgeben – sie stammen gleichermaßen von altehrwürdigen Unternehmen wie aus blutjungen Start-Ups.

Michael Schneider könnte Stunden über Innovationen für mehr Klimaschutz, weniger Flächenverbrauch oder schonenderen Ressourceneinsatz berichten. „Ich bin Optimist”, sagt der Fondsmanager des Aktienfonds Deka-UmweltInvest. Schneider scannt für seine Anleger seit mehr als einem Jahrzehnt hunderte Firmen rund um den Globus, die eines gemeinsam haben: Sie bringen ökologische Innovationen in die Realität.

Auch aufgrund „Fridays for Future“ besonders im Fokus: der Klimaschutz. Nach den neuesten Zahlen des Uno-Umweltprogramms werden weltweit allein mehr als 300 Milliarden Euro jährlich in erneuerbare Energien investiert – Solar- und Windkraftwerke, aber auch Brennstoffzellen- und Batteriefahrzeuge oder Maßnahmen zum Energiesparen. Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur, erwartet, „dass Wind in weniger als zehn Jahren die Stromquelle Nummer eins in Europa sein wird.” Auch China oder Indien investieren in die Energiewende. Und Anleger fördern über grüne Investments gezielt den Klima- und Umweltschutz.

Ein Unternehmen wie Stadler Rail ist da schon seit 75 Jahren auf den richtigen Gleisen unterwegs. Die Schweizer bauen Triebzüge, Stadtbahnen und Lokomotiven – 170 Millionen Kilometer legen die von Stadler hergestellten Züge jährlich zurück. Eine Spezialität sind dabei besonders energiesparende Elektrozüge. Aber auch in Brennstoffzellen-Schienenfahrzeuge investieren die Schweizer bereits – eine Zukunftstechnologie in Sachen Klimaschutz. Rund 40 Prozent der Bahnnetze in Italien, Deutschland und Großbritannien sind schließlich noch mit Diesel betrieben. Nach solchen Investments suchen Investoren.

Gute Zeiten auch für ein Lebensmittel-Start-Up, dessen Würste in der Herstellung 90 Prozent weniger CO2 verursachen als das Gros der Konkurrenz. Denn Beyond Meat verkauft Hamburger-Bratlinge oder Wurst zwar in der Fleischtheke – die täuschend ähnlich aussehenden und schmeckenden Produkte sind aber aus Erbsen, Mungobohnen und Roter Beete. Fleischerzeugung ist einer der größten CO2-Emittenten der Welt. Beyond Meat liegt denn auch voll im Trend. Die Deka hat die Firma bereits beim Börsengang im Mai begleitet; in einem neuen interessanten Wachstumstrend: umweltfreundliche Produktion von Fleischersatz. Bis Mitte Juni ist der Kurs von 25 zwischenzeitlich auf mehr als 150 Dollar gestiegen. „Mittlerweile eine gut aufgestellte Gesellschaft", so Schneider. Aber auf dem aktuellen Bewertungsniveau nehme die Aktie einiges vorweg, und der Fondsmanager ist aktiv in der Suche nach neuen attraktiven Umweltaktien.

„Wind wird in weniger als zehn Jahren die Stromquelle Nummer eins in Europa.“Fatih Birol, Chef der Internationalen Energieagentur

An einer Nahtstelle des Umweltschutzes sitzt aber auch das US-Unternehmen Xylem. Um die globale Wasserversorgung sicher zu stellen, sind laut Uno weltweit mehr als 100 Milliarden Euro jährlich an Investitionen nötig. Fast zwei Milliarden Menschen haben derzeit gar keinen direkten Zugang zu Frischwasser und in den Industriestaaten müssen die Netze dringend erneuert werden. Neuartige Turbinen und Pumpen der börsennotierten Firma verbessern die Versorgung und verbrauchen zugleich wesentlich weniger Energie. Digital vernetzte Messgeräte optimieren den Verbrauch – und das in 150 Ländern der Welt. Xylem ist begehrt auch an der Börse. Der Aktienkurs des Umwelt-Konzerns hat sich seit 2012 mehr als verdreifacht. Deka-Experte Schneider hat auch Xylem im Portfolio.

Wer als Anleger etwas für die Umwelt tun will – und damit Geld verdienen –, der sollte gerade auf solche Infrastruktur-Experten oder innovative Versorger schauen. Zum Beispiel Versorger wie die italienische Enel; sie hat schon fast alle ihre Kunden mit stromsparenden vernetzen Zählern ausgestattet. Dank sekundengenauer Verbrauchsanalyse können die Italiener so ihre Kraftwerke viel effizienter betreiben als deutsche Konkurrenten. „Aber da wird ja im Zug der Energiewende hier noch einiges passieren”, prophezeit Schneider. Das Know-how im Klimaschutz werde schon durch stetig strengere EU-Normen quasi automatisch erhöht. Auch französische Versorger mit Fokussierung auf Abfall- und Wassermanagement seien deshalb interessant und im Fonds vertreten. Insbesondere im Abfallmanagement könnten die Titel von neuen EU-Verordnungen für höhere Recyclingquoten oder Auflagen für die sogenannte vierte Reinigungsstufe für Abwasser profitieren.

Fondsmanager Schneider: Trend zu erneuerbaren Energien

Was noch für das Umwelt-Investment in große Versorger oder Infrastrukturdienstleister spricht: Sie sind weniger krisenanfällig als etwa Windmühlenbauer oder Solarzellenhersteller, weil sie meist mit Langfristverträgen zu feststehenden Konditionen ihre Kunden verlässlich versorgen. Großabnehmer wie Industrie, Flughäfen, Bahn oder Stadtwerke ihrerseits schwenken mit Nachdruck auf nachhaltige Energie und Stromsparen um.

Konzerne wie Siemens, Daimler, Bosch oder Volkswagen etwa haben sich verpflichtet, bis Ende des kommenden Jahrzehnts bereits komplett klimaneutral zu produzieren. Allein der weltgrößte Autokonzern VW ist nach eigenen Angaben entlang der gesamten Wertschöpfungskette bis zum Recycling für mehr als zwei Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

„Der Trend geht darum ganz klar zu den erneuerbaren Energien”, sagt Fondsmanager Schneider. Gerade in den USA sei das stark zu bemerken – auch, wenn der Präsident von der Renaissance der Kohle rede. „Aber es gibt immer weniger Investoren, die ein neues Kohlekraftwerk finanzieren wollen”, so Schneider. Dagegen liegen Milliarden für grüne Energien und Umweltschutz bereit. Zusätzlich zählt gerade in den USA ein wirtschaftliches Argument für erneuerbare Energie. Mittlerweile sei es in vielen Regionen und Staaten der USA sogar wirtschaftlicher, den Strom über Solar- oder Windanlagen zu produzieren, als über fossile Energieträger wie Kohle oder Öl. Die Zukunft ist also klimaneutral – und schon die Gegenwart viel grüner als gedacht.

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Dieser Artikel war im Juni Teil des fondsmagazin-Newsletters. Im Juli widmet sich der Newsletter der Frage: Nie wieder Zinsen? Wenn Sie die Antwort wissen möchten, können Sie den kostenlosen Newsletter abonnieren und dabei zugleich an der Verlosung hochwertiger Tablets teilnehmen. Hier geht es zur Anmeldung.

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Stand: 25.06.2019