Interview Klonen ist nicht genug

Deka-PortfolioSelect ist eine echte Innovation: Fondsmanager Henning Möller zeigt, wie die kombinierte Anlage aus passiven Indexfonds und aktivem Vermögensmanagement funktioniert.


TEXT: Daniel Evensen

Herr Möller, wofür brauchen Anleger, die auf Indexfonds setzen, ein aktives Vermögensmanagement? Sie könnten doch einfach einen globalen Aktien- und einen globalen Renten-ETF kaufen und gut ist.

Henning Möller: Das können Anleger so machen, aber ich habe meine Zweifel, dass es wirklich gut ist. Sie werden mit dieser Methode ganz sicher nicht das Beste aus den Märkten herausholen, schon allein weil sie spannende Themen links und rechts der großen Indizes liegen lassen. Wissen Sie, wie der bei ETF-Anlegern beliebte Weltaktienindex MSCI World zusammengesetzt ist?

Sagen Sie es mir.

Da stecken mehr als 60 Prozent USA drin, rund 25 Prozent Europa, etwas Japan und das war es auch schon fast. Ich würde mich als Anleger nicht an solch starre Vorgaben binden wollen. Möglicherweise möchte ich irgendwann einmal etwas mehr in Europa anlegen oder auch Chancen in Schwellenländern und bei Nebenwerten nutzen.

Deka-Fondsmanager Henning Möller

Dann kaufe ich statt zwei eben vier oder fünf ETFs.

Sagen wir zehn bis 15, dann sind die globalen Finanzmärkte tatsächlich gut abgedeckt. Nur welcher Privatanleger macht das schon? Zumal die Auswahl der ETFs in vielen Fällen anspruchsvoll ist. Nehmen wir den Anleihebereich: Was spricht in Schwellenländern aktuell eher für Indizes mit Lokalwährungsanleihen, welche Argumente für Papiere in US-Dollar und Euro? Und inwieweit sind Indizes auf europäische Staatsanleihen, die heute zum großen Teil negative Renditen aufweisen, noch zeitgemäß? Welche Alternativen gibt es? Antworten auf solche Fragen sind alles andere als trivial, dafür braucht es Knowhow.

Dieses Knowhow bietet Deka-PortfolioSelect Anlegern – und dafür müssen sie etwas höhere Kosten tragen?

Genau, die Gebühren sind niedriger als bei einem Vermögensmanagement mit aktiven Fonds, aber Deka-PortfolioSelect ist nicht ganz so günstig wie der direkte Kauf von ETFs. Dafür nutzen Anleger unsere Erfahrung bei der Einschätzung von Regionen, Märkten und Branchen. Wir wollen Chancen nutzen, behalten aber zugleich die Risiken im Blick. Damit unterscheiden wir uns vom Einzel-ETF, der stets in gleicher Weise voll in den Index investiert. Das ist eine gute Sache, wenn die Kurse steigen. Wenn die Märkte abwärts rauschen, kann es für ETFs aber eng werden. Auch bei Deka-PortfolioSelect ist eine vorübergehende negative Wertentwicklung nicht ausgeschlossen, die umso größer ausfallen kann, je höher der Aktienanteil der gewählten Variante ist. Doch versuchen wir, die Wertschwankungen möglichst gering zu halten.

Außerdem nimmt die Deka den Anlegern die Auswahl der einzelnen ETFs ab?

Ja, das kann für Privatanleger schwierig werden, denn hierzulande gibt es immerhin rund 1.500 verschiedene Indexfonds. Wir filtern hier die besten heraus und legen dabei Wert darauf, dass die ETFs den jeweiligen Index besonders gut abbilden, geringe Kosten aufweisen und steuerlich optimal aufgestellt sind. Übrigens investiert Deka-PortfolioSelect nicht ausschließlich in ETFs. Aktive Fonds mischen wir bei, ihr Anteil kann auch mal 20 Prozent des Portfolios ausmachen.

Wieso das?

Die Deka betreibt seit 25 Jahren Vermögensmanagement mit aktiven Fonds. Das machen wir, weil wir überzeugt sind, dass Fondsmanager auf lange Sicht einen Mehrwert gegenüber Indizes liefern können. In einigen Märkten und Situationen liegt das besonders klar auf der Hand – und in diesen Fällen wollen wir uns die Option offenhalten, das Können der Fondsprofis zu nutzen.

Können Sie ein Beispiel geben?

Ich kann Ihnen sogar zwei aktuelle Beispiele geben. Wegen des extrem niedrigen Zinsniveaus mischen seit einer Weile selbst konservativere Investoren regelmäßig Anleihen von Schuldnern mit geringer Bonität bei – also Papiere, die einiges entfernt sind von der Solidität, die etwa eine Bundesanleihe bietet. In diesem Segment der sogenannten High Yields bevorzugen die Investoren allerdings eindeutig die qualitativ besten Anleihen, weil sie keine zu hohen Ausfallrisiken eingehen möchten. Aktive Fondsmanager von High-Yield-Fonds können solche Unterschiede in der Nachfrage in ihrer Strategie berücksichtigen – ein Index weiß davon nichts. Das zweite Beispiel hängt ebenfalls mit dem Zinsumfeld zusammen: Es gibt ganze Anlagebereiche, die sie mit ETFs kaum erfassen können. Dazu gehören Absolute-Return-Fonds, deren Fondsmanager darauf abzielen, unabhängig vom Index und vom Marktumfeld mit Anleihen positive Ergebnisse zu erzielen. Gerade in der Niedrigzinsära wäre es zu schade, wenn wir nicht auf solche Optionen zurückgreifen könnten.

„Aktien sollten in den Portfolios der Anleger eine wichtige Rolle epsielen – ob mit ETFs, mit aktiven Fonds oder im Mix.“ Henning Möller

Wie haben uns eine Menge über die Möglichkeiten von Deka-PortfolioSelect erzählt. Welche davon nutzen Sie zurzeit? Wie sind die Portfolios aufgestellt?

Wir sind gegenwärtig ein wenig defensiver positioniert. Konkret liegt die Aktienquote in allen drei Varianten von Deka-PortfolioSelect ein Stück weit unter neutral. In der dynamischen Variante beträgt die neutrale Aktienquote 75 Prozent, aktuell halten wir 67 Prozent Aktien. In der ausgewogenen Variante sind es 43 statt 50 Prozent und in der moderaten 20 statt 25 Prozent. Auf der Rentenseite wiederum sind neben ETFs auf klassische Indizes mit Staatsanleihen auch aktive Fonds für Schwellenländer und europäische Hochzinsanleihen im Einsatz. Aber ebenfalls in Maßen und mit Fokus auf ein ausgewogenes Portfolio.

Woher kommt diese Vorsicht?

Vorsicht würde ich es nicht nennen, leichte Zurückhaltung trifft es besser. Der Grund ist vor allem die weltweite Abkühlung der Konjunktur. Die dürfte die Marktteilnehmer noch eine Zeitlang beschäftigen, in manchen Regionen mehr, in anderen weniger.

Das heißt, man muss differenzieren?

Absolut. Bei Aktien fühlen wir uns aktuell in einem Markt wie den USA wohler, weil es sich um eine vergleichsweise geschlossene Volkswirtschaft mit einem starken Binnenmarkt handelt. Von den Reibereien im Welthandel sind die Amerikaner weniger stark betroffen als die Europäer und vor allem die Deutschen. Bei uns hängen stolze 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts am Außenhandel, da können die Unternehmensgewinne bei einer schwachen Weltwirtschaft durchaus stärker nachgeben. Das ist aber eine Momentaufnahme. Blickt man über die gegenwärtigen Nickligkeiten zwischen den Wirtschaftsmächten und die Konjunkturdelle hinaus, dann erkennt man, dass an der Aktie kein Weg vorbeiführt. Dementsprechend sollten Aktien in den Portfolios der Anleger eine wichtige Rolle spielen - ob mit ETFs, mit aktiven Aktienfonds oder im Mix.

Stand: 30.10.2019