Konjunkturausblick Aufschwung oder Rezession – ja was denn nun?

Am Aktien- und am Rentenmarkt scheinen gegensätzliche Meinungen zur Konjunktur zu herrschen. Doch der Widerspruch lässt sich auflösen.


TEXT: Olivier Löffler

Wer derzeit auf die Märkte schaut, kann bei Aktien und Renten völlig verschiedene Erwartungslagen beobachten. Angesichts der Widrigkeiten schlägt sich der Deutsche Aktienindex DAX erstaunlich tapfer. Auf der Rentenseite kämpft dagegen die zehnjährige Bundrendite mehr oder weniger erfolgreich mit der Nulllinie. Während der Aktienmarkt also daran glaubt, dass der Aufschwung trotz Störfeuern hält, setzt die Rentenseite auf eine globale Rezession. „Aber wer hat eigentlich recht“, fragen sich da die Volkswirte der Deka – und lösen erfreulicherweise den scheinbaren Widerspruch auch gleich auf.

„Es gibt einen dominierenden Faktor, der am Ende sowohl den Aktien- als auch den Rentenmärkten Recht gibt: die Inflation“, sagt Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater und konkretisiert: „Genauer gesagt sind es die fehlende Inflation und die in der jüngeren Vergangenheit immer wieder nach unten genommenen Inflationserwartungen.“ Dies habe inzwischen zu einer deutlich defensiveren Haltung der Notenbanken geführt. Mit anderen Worten: Die Erwartungen an steigende Zinsen gingen in den Keller – und das sorgt eben gleichermaßen für fallende Anleiherenditen wie steigende Aktienkurse.

Dabei erwarten die Deka-Volkswirte, dass sich die Inflationsraten weiterhin nur behäbig nach oben entwickeln werden. Von nennenswerten Inflationsimpulsen fehle jede Spur. Und dies obwohl in vielen Industrieländern, allen voran den USA und Deutschland, die Arbeitsmärkte schon ziemlich leergefegt sind: „Der sonst übliche Zusammenhang aus sinkenden Arbeitslosenquoten und in der Folge steigenden Lohnabschlüssen und Inflationsraten greift bislang nicht“, so Kater. „Und daran wird sich unserer Einschätzung nach in den nächsten Quartalen auch kaum etwas ändern. Insofern rechnen wir damit, dass das Kapitalmarktumfeld mit sehr niedrigen Bundrenditen und vergleichsweise hohen Aktienkursen grundsätzlich erhalten bleibt.“

Das verspricht allerdings längst keine schwankungsarmen Märkte. Im Gegenteil: An den Aktienmärkten ist eine Korrektur im Gange, die nicht zuletzt durch die erhöhten US-Zölle gegenüber China ausgelöst wurde. Die Deka-Volkswirte rechnen aber nach wie vor mit einem moderaten globalen Wachstum, bei dem am Ende weiterhin gilt, dass „ Aktienanlagen und Anleihen mit geringer Bonität unter Renditegesichtspunkten attraktiver als sichere Zinsanlagen sind“.

Stand: 15.05.2019