Hauptversammlungen 2018 Kritische Worte

In diesen Wochen stellen die börsennotierten Unternehmen wieder ihre Zahlen vor. Die Hauptversammlungen bieten Anlegern die Möglichkeit, die Firmenchefs kritisch zu befragen. Die Deka nimmt diese Aufgabe sehr ernst, wie ein Besuch bei den HVs von Volkswagen, RWE und Continental zeigt.


TEXT: Antje Schmitz

Winfried Mathes reist jetzt wieder kreuz und quer durch Deutschland, denn das Frühjahr ist die Saison der Hauptversammlungen, kurz HVs. Dort vertritt der HV-Sprecher der Deka die Interessen von hunderttausenden Fondsanlegern und repräsentiert die Stimmrechte von Millionen Aktien. Sein Wort hat somit Gewicht. Beharrlich konfrontiert er die Chefs mit Themen, die ihnen unangenehm sind – ob zur Unternehmensstrategie oder mit Blick auf eine gute Unternehmensführung, die sogenannte Corporate Governance. Damit es nicht nur bei schönen Worten aus den PR-Abteilungen bleibt, fragt Mathes im Namen der Fondsanleger nach.

„An welchen Mobilitätskonzepten arbeitet Volkswagen derzeit?“ fragt er beispielsweise am 3. Mai auf dem Berliner Messegelände, wo der Wolfsburger Konzern seine HV veranstaltet. „Das unausweichliche Ende des Verbrennungsmotors rückt immer näher“, sagt Mathes. „Die strengeren gesetzlichen Vorgaben zu CO2- und Schadstoff-Emissionen in Europa und dem Rest der Welt können mit konventionellen Antrieben auf Dauer nicht mehr eingehalten werden.“ Daher fragt der Deka-Sprecher den Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess, wie VW sicherstellt, dass die CO2-Grenzwerte eingehalten werden können – und ob der Dieselmotor noch eine Zukunft habe. „Welche Strategie verfolgt Volkswagen bei der Batteriezellfertigung und Lade-Infrastruktur? Auf welches Niveau wird die operative Marge im Volkswagen-Konzern durch die Elektromobilitäts-Offensive sinken?“

Und dann ist da noch der Dieselskandal. Bisher wurden knapp 26 Milliarden Euro an Strafen gezahlt, „das sind bereits rund 52 Euro je Aktie“, rechnet Mathes vor. Entlastung des Aufsichtsrats? Nein, sagte Mathes im Namen der Deka-Anleger. Als Treuhänder für die Anleger ist Deka am langfristigen Erfolg von Volkswagen interessiert. „Deshalb fordern wir eine tiefgreifende kulturelle Erneuerung sowie eine zukunftsweisende Aufstellung im Hinblick auf den Klimawandel und die neuen Mobilitätsanforderungen.“

Auch Rolf Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender des Energieriesen RWE, muss sich Ende April in Essen einiges anhören. „RWE ist immer noch einer der größten Luftverschmutzer in Europa“, rügt Mathes. „Rund zwei Drittel der Emissionen stammen aus der Braunkohle. Dabei ist das Ende der Kohleverstromung unausweichlich. Herr Dr. Schmitz, hat RWE die Zeichen der Zeit schon erkannt?“ Und so fragt der Deka-Sprecher, wie RWE die CO2-Emissionen in den nächsten Jahren deutlicher verringern will und nach einem Masterplan, „wenn die Kohle-Kommission den Ausstiegszeitpunkt für die Kohleverstromung früher setzt als Sie selbst kalkulieren“.

Autozulieferer Continental hat bei der Corporate Governance ebenfalls Nachholbedarf. Mathes nennt bei der Aktionärsversammlung Ende April im Congress Centrum Hannover die Strafen für Kartellverstöße. 2016 sind rund 480 Millionen Euro an Rückstellungen für Gewährleistungsfälle und anhängige Kartellverfahren gebildet worden. Die EU-Kommission hat wegen des Kartells für hydraulische Bremssysteme eine Strafzahlung von 44 Millionen Euro verhängt – alles Geld der Anleger.

Damit nicht genug, denn Continental hat anders als die meisten DAX-Werte keine Altersgrenze für Aufsichtsratsmitglieder. Damit verstoße das Unternehmen gegen eine Forderung des Deutschen Corporate Governance Kodex. „Auch im Hinblick auf die Aufsichtsratsvergütung weicht Continental von den gängigen Gepflogenheiten ab.“ Die Mehrheit der DAX-Werte zahle ihren Aufsichtsratsmitgliedern lediglich eine Festvergütung. Bei Continental werde außerdem eine variable Vergütung gezahlt, die an die Entwicklung des Konzernergebnisses pro Aktie gekoppelt ist. Können sie ihrer Aufsichtspflicht unbefangen nachkommen, wenn sie von der kurzfristigen Entwicklung profitieren?

Gute Unternehmensführung dient dem Wohl aller Stakeholder. Doch damit Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen diese Aufgabe ernst nehmen, müssen sie kontrolliert werden – nicht zuletzt auch von Fondsgesellschaften wie der Deka.

Stand: 09.05.2018