Altersvorsorge Lieber heute für morgen

Die Menschen werden immer älter, doch länger arbeiten möchten sie nicht. Und die Erwartungen an die Zeit nach dem Berufsleben steigen. ­fondsmagazin zeigt, wie Anleger in Niedrigzinszeiten für eine aktive dritte ­Lebensphase vorsorgen können – und warum man damit nicht warten sollte.


TEXT: Peter Weißenberg

Dunkelblauer Anzug mit weit ausgestellter Schlaghose, das Hemd bis zum Bauchnabel aufgeknöpft, smartes Lächeln; das Publikum im Studio der „ZDF-Hitparade“ jubelt. Udo Jürgens stürmt am 6. März 1978 die Bühne und singt den Schlager der Saison: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran.“

Die Zuhörer an diesem Abend vor 40 Jahren lachen – der Text hat wenig mit der Realität zu tun. Die damals 66-Jährigen haben statistisch den Durchschnitt ihres Jahrgangs bereits um knapp 20 Jahre überlebt. Hohe Kindersterblichkeit, Kriegsfolgen, Hungerjahre oder heute längst besiegte Krankheiten haben einen hohen Tribut gefordert. Und wer all das überlebt hat, kann sich 1978 meist nur auf einen bescheidenen Lebensabend freuen. Bei vielen ist die Rente klein, Erspartes kaum vorhanden.

40 Jahre später sieht das ganz anders aus: „Die Menschen leben immer länger und gesünder“, so Frieder Lang, Psychogerontologe an der Universität Erlangen-Nürnberg. Für viele sei der soziale und wirtschaftliche Wohlstand gestiegen. Mehr als zwei Drittel aller Deutschen – darunter auch die jungen Berufsanfänger – würden gern schon vor dem 66. Lebensjahr das Berufsleben beenden. Das ergab eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung. „Ich habe viel mehr Kunden als früher, die nach der Berufszeit große Pläne verwirklichen wollen“, sagt Altersvorsorge-Experte Thomas Rickmann von der Sparkasse Radevormwald-­Hückeswagen.

Neue Form der Pubertät

„Unterschätzen Sie die Zukunft nicht“, heißt so auch der Slogan der Deka im Jahr ihres 100-jährigen Jubiläums. Die Empfehlung der Fondsgesellschaft gilt auch für jeden Einzelnen, denn viele Menschen werden inzwischen sehr alt. So hat sich etwa die Zahl der 100-Jährigen in Deutschland seit dem Jahr 2000 auf 16.500 nahezu verdreifacht. Gleichzeitig wird der Ruhestand immer mehr zur gleichwertigen dritten Lebensphase: so aktiv und lang wie die beiden davor. Der Sozialpädagogik-Professor Bernhard Meyer hat dafür sogar einen neuen Fachbegriff kreiert: die Alterspubertät. Wie beim Übergang von der Kindheit in die Zeit von Lehre, Studium und Beruf gibt es nach seiner Forschung nach dem Ende der ­Arbeitszeit eine ähnliche Passage. Bis in das achte ­Lebensjahrzehnt sei „wieder Zeit für neue, aufregende Dinge, für die im Arbeitsleben vielleicht wenig Platz war“. Eine neue Sprache, neue Sportarten, ein neues Instrument – oder sogar die neue Liebe.

Natürlich gibt es auch einsame, arme oder körperlich angeschlagene Ältere. Aber laut Altersstudie 2017 der Demoskopen aus Allensbach sind sieben von zehn der befragten Menschen über 65 mit ihrem Leben zufrieden, 15 Prozent sogar sehr. Fast die Hälfte treibt noch Sport. 2008 war es nicht mal ein Drittel.

Doch eine dunkle Wolke hängt über den jung gebliebenen Silberschöpfen – und allen, die es noch werden: die Versorgung im Alter. „Die schwindende Zeit bis zum Beginn des Ruhestands bringt auch das Bewusstsein näher, dass bisher bestehende Altersvorsorge nicht ausreicht, um den Lebensstandard zu halten“, sagt Daniela Honecker, Deka-Expertin für Vorsorge und Vermögensaufbau. Gerade jenseits der 40 wird vielen Menschen klar, worin die zentrale Herausforderung der weiteren Geldanlage besteht: Es gilt, den Lebensstandard wie gewohnt zu halten oder sogar auszubauen.

Von 53 auf 43

Je jünger der Sparer, desto größer seine Versorgungslücke: Der durchschnittliche Rentner wird laut politischer Beschlüsse im Jahr 2030 nur noch 43 Prozent des Durchschnittslohns jenes Jahres bekommen. 2004 waren es noch 10 Prozentpunkte mehr. Steuern und Abgaben sind auch noch fällig. Privat vorsorgen ist also Pflicht – je früher, desto besser.

Vorsorgen wird nicht einfacher

Die staatliche Rente kann auch trotz neuerer Angebote wie der Flexirente das Versprechen auf starke Finanzkraft im Alter nicht erfüllen: Selbst wer 45 Jahre durchgängig und Vollzeit gearbeitet hat, erreicht nach Steuern im Durchschnitt nicht einmal die Hälfte seines letzten Nettogehalts. Im Jahr 2000 waren es noch 53 Prozent. Geht der Trend so weiter wie vom Gesetzgeber geregelt, werden es 2030 nur noch 43 Prozent sein. Wie ist die Rentenlücke zu schließen?

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Die Antworten hießen früher oft Lebensversicherungen, Festgeld oder Immobilien. Doch in Zeiten von Niedrigzinsen sind die beiden erstgenannten Finanzprodukte abzüglich der Inflation häufig Minusgeschäfte. Und bei Immobilien erschweren zwei Trends den Erfolg: Auf dem Land gehen zuweilen die Preise zurück, weil mit dem Bevölkerungsschwund die Infrastruktur aus Schulen, Bäckern oder Ärzten ausdünnt. In den Metropolen verhageln dagegen Mondpreise für Wohnungen und Häuser die Rendite. Zudem liefern sich Anleger mit kreditfinanzierten Immobilien ihrem Investment auf Jahrzehnte aus. Schnelles Reagieren auf veränderte Lebenslagen ist da nicht so leicht möglich.

Fünf Tipps zur Altersvorsorge

Sparplan-Spezialist Elmar Gaugenrieder von der Deka spricht deshalb eine klare Empfehlung aus: „Das Kapital muss beim Vermögensaufbau arbeiten, um Erträge zu erwirtschaften – auch dann noch, wenn der Mensch nicht mehr arbeitet.“ Gerade wer bereits Geld in renditeschwache Anlagen wie Tagesgeld und Spareinlagen investiert hat, sollte zudem „unbedingt die langfristig attraktive Chance des Investments in Unternehmen nutzen“. Das lässt sich mit Fondssparplänen so komfortabel und flexibel organisieren wie mit keiner anderen Geldanlage.

Fondssparer legen bequem jeden Monat eine passende Summe zurück – schon ab 25 Euro kann der Anleger einsteigen. Die Raten lassen sich je nach Lebenssituation immer wieder anpassen und bei Bedarf auch mal aussetzen, Zu- oder Auszahlungen sind jederzeit möglich. Gerade jüngere Kunden mit wachsendem Gehalt können eine automatische Dynamisierung einbauen und ihre Sparraten zum Beispiel jährlich um 5 Prozent erhöhen. „Ob die Menschen eine Familie gründen, in einen besser bezahlten Job wechseln oder ein Haus bauen – die Flexibilität ist bei der Vorsorge über einen Fondssparplan sehr hilfreich“, so Gaugenrieder.

Regelmäßige Investitionen haben noch einen weiteren Vorteil: Kursschwankungen bei Aktien werden langfristig geglättet. Denn ist der Fondspreis einmal niedriger, kaufen Anleger mit der gleich bleibenden Sparrate mehr Anteile – und umgekehrt. Das Deutsche Aktieninstitut hat den Test gemacht und auf Initiative der Deka die Ergebnisse von Sparplänen für die Vergangenheit analysiert: Wer beispielsweise seit 1978, dem Jahr von Udo Jürgens’ Nummer-eins-Hit, monatlich 100 Euro in die Unternehmen des Dax investiert hat, kann sich 40 Jahre später über ein Kapital von gut 400.000 Euro freuen – rund 350.000 Euro mehr, als er im Lauf der Jahre eingezahlt hat.

Nach elf Jahren immer im Plus

Sparpläne sind Flexibel

Fondssparpläne gibt es für jedes Alter und jede Lebenssituation. Altersvorsorge-Expertin Honecker empfiehlt Berufsanfängern und jungen Familien beispielsweise den Deka-ZukunftsPlan. Denn bei diesem Riester-Fondssparplan zahlt der Staat unter bestimmten Voraussetzungen hohe Zulagen. „Jeder Deka-ZukunftsPlan wird individuell gesteuert, um die Chancen der Aktienmärkte so lange wie möglich zu nutzen. Grundsätzlich gilt dabei: Je länger die Restlaufzeit desto offensiver werden Einzahlungen angelegt. Rückt der Auszahlungsbeginn irgendwann näher, bekommt das Portfolio automatisch einen konservativeren Anstrich.“ Während der Laufzeit unterliegt der Deka-ZukunftsPlan jedoch Wertschwankun­gen, die sich bei einer Verfügung vor Beginn der Auszah­lungsphase negativ auf die Anlage auswirken können – denn in diesem Fall entfällt die Kapitalgarantie. Wer vor Beginn der Auszahlungsphase über das Kapital verfügen möchte, muss zudem gewährte Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.

Die Kinder sind aus dem Haus und konservative Geldanlagen reichlich vorhanden? Dann lohnt sich ein Sparplan auf Aktienfonds besonders; er bietet die Chance auf überdurchschnittliche Renditen bis zum Ende des Berufslebens – sofern Anleger bereit sind, Kursrisiken zu tragen. Deka-Experte Gaugenrieder empfiehlt Sparpläne auf Aktienfonds wie Deka-DividendenStrategie und Deka-Industrie 4.0 oder den Mischfonds Deka-Multi Asset Income. „Die Auswahl sollte zur Risikobereitschaft und den übrigen Anlagen passen.“

Von 11 auf 21

Frauen in Westdeutschland, die 1960 in Rente gingen, konnten diesen Lebensabschnitt elf Jahre genießen. Heute sind es stolze 21 Jahre. Im Osten der Republik, für den Zahlen ab 1995 vorliegen, sind es aktuell sogar 24 Jahre. Die Tendenz geht weiter nach oben: Die Lebenserwartung steigt etwa alle vier bis fünf Jahre um ein Jahr.

Auch nach dem Berufsleben sind viele dafür aufgeschlossen, neben dem Kapitalerhalt einen Teil ihres Vermögens weiterarbeiten zu lassen. Ein entsprechendes Instrument ist hier Deka-Multi Asset Ertrag. Dieser konservative Mischfonds nutzt dosiert Chancen von Wertpapieren. Sein oberstes Ziel: Kursschwankungen klein halten – wenngleich sie nicht komplett ausgeschlossen sind. „Eine gute Möglichkeit ist es auch, mithilfe eines Auszahlplans monatlich Anteile in einer bestimmten Höhe zu verkaufen“, erklärt Daniela Honecker.

Kluge Anlagen bringen mit langem Atem den richtigen Schuss Finanzkraft in die Vorsorge. Vom Einstieg in den Beruf über das ganze Arbeitsleben konsequent und regelmäßig bis in die besten Jahre vorsorgen – mit dieser Altersvorsorge-Strategie lässt sich auch im Unruhestand noch einmal richtig Gas geben. Udo Jürgens war da Visionär. „Ich kauf mir ein Motorrad und einen Lederdress und fege durch die Gegend mit 110 PS“, schmetterte der Schlagerstar in den 70er-Jahren. Das Kraftfahrtbundesamt bestätigt seine Prognose: Fast jeder dritte Motorradkäufer hat heutzutage das Alter von 50 Jahren überschritten.

So gross ist die Rentenlücke

Stand: 13.11.2018