30 Jahre Mauerfall So entwickelte sich das Geldvermögen in Ost und West

30 Jahre nach dem Mauerfall am 9. November 1989 hat sich viel getan. Auch wenn es um die finanzielle Situation der Menschen geht.


TEXT: Olivier Löffler

„Vor allem in den Anfangsjahren verlief der Angleichungsprozess zwischen Ost und West rasant“, sagt Deka-Chefvolkswirt Dr. Ulrich Kater. So wuchs das Geldvermögen der privaten Haushalte im Osten um im Schnitt satte 244 Prozent. Thüringen holte mit einem Geldvermögenszuwachs von 288 Prozent am stärksten auf, gefolgt von Brandenburg mit 251 Prozent und Sachsen-Anhalt mit 237 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt eine Berechnung der DekaBank.

Der Westen sah nur einen Anstieg von 95 Prozent. Trotz Aufholjagd liegt der Osten aber noch immer hinten: mit im Schnitt 40.000 zu 63.000 Euro pro Haushalt. Und der Unterschied zwischen Ost und West wird sich nach Katers Einschätzung in Zukunft auch nicht so schnell signifikant ändern – hier spiegele sich der ebenfalls schwierige Aufholprozess in der Realwirtschaft wider. „Ein weiteres Zusammenwachsen wird nur langsam vonstattengehen“, prognostiziert der Deka-Chefvolkswirt. Bei der Wirtschaftsleistung – dem BIP pro Kopf – trennen Ost und West weiterhin rund 25 Prozent.

Allerdings seien regionale Unterschiede in der Wirtschaftskraft durchaus normal. „International zählt die Bundesrepublik sogar zu den Staaten mit einer eher gleichmäßigen regionalen Verteilung“, erklärt der Volkswirt. So liegt in Deutschland das BIP pro Kopf des schwächsten Flächenlandes im Vergleich zum stärksten bei 58 Prozent. In den USA ist die Relation bei lediglich 44 Prozent.

Einigkeit beim falschen Sparen

Trotz des starken Aufholens in Sachen Vermögen und der noch immer vorhandenen Unterschiede – eines haben Ost und West gemeinsam: die Art des Sparens. „Die Mehrheit der Deutschen spart noch immer am liebsten mit dem Sparbuch.“ Das gilt im Großen und Ganzen für alle Regionen gleichermaßen. Im Schnitt ruht rund die Hälfte des Geldvermögens der Deutschen in Anlagen, die in den heutigen Nullzinszeiten praktisch schutzlos der Inflation ausgesetzt sind.

Im Klartext heißt das: Auf dem Papier bleibt der Wert zwar gleich, aber über die Jahre geht einiges an Kaufkraft verloren. Auch wenn Aktien und Fonds laut dem aktuellen Vermögensbarometer des DSGV erstmals auf den vordersten Plätzen liegen, wenn es um die derzeit am besten geeigneten Sparformen geht, sind doch viele noch skeptisch.

Das zeigt sich an der insgesamt niedrigen Aktionärsquote von 5,2 Prozent in den neuen Bundesländern und 6,7 Prozent in den alten. „Dabei sind Wertpapiere die einzige Möglichkeit, um bei niedrigen Zinsen noch langfristig eine Rendite zu erzielen“, so Kater. Trotz der jüngsten Aufhellungstendenzen bei Konjunktur und an den Aktienmärkten werden nach Einschätzung der Deka-Volkswirte die Notenbanken den gegenwärtigen Niedrigzinskurs noch sehr lange beibehalten.

Stand: 05.11.2019