Fintech Mensch und Maschine

Mitunter erwecken findige Start-Ups den Eindruck, als hätten sie mit Angeboten wie Robo Advisor und Robo Investing die Finanzwelt neu erfunden. Dabei nutzen die Anlagestrategen der Deka bereits seit Jahren die Rechenkapazität von Computern, um neue Anlagekonzepte zu entwickeln oder Fonds zu verwalten.


TEXT: Britta Nickl

Ein Trend mischt die Finanzwelt auf. Wer sein Geld an der Börse investieren möchte, startet immer häufiger seine Smartphone-App. Digitale Berater, sogenannte Robo Advisors, ermöglichen das Vermögensmanagement überall und rund um die Uhr. Basierend auf mathematischen Modellen generieren die Online-Plattformen konkrete Anlageempfehlungen und passen die Portfoliozusammenstellung automatisch an sich verändernde Marktbedingungen an. Anleger klicken sich dafür durch einen Katalog aus Fragen zu Anlageerfahrung und -ziel sowie zur individuellen Risikoeinstellung. Unterm Strich sollen digitale Assistenten die Investments besonders schnell, günstig und transparent abwickeln.

Zwar ist der deutsche Robo-Markt im Vergleich zu den USA noch sehr klein, laut Prognosen des Statistikportals Statista könnte das verwaltete Vermögen in den kommenden vier Jahren allerdings von derzeit rund 3 Milliarden auf knapp 13 Milliarden Euro anwachsen.

Die ersten Robo Advisors wurden vor wenigen Jahren von jungen Start-Ups ins Leben gerufen. Inzwischen haben alle großen deutschen Banken und ­Assetmanager nachgezogen und sind mit eigenen Plattformen am Markt vertreten. Dabei ist der Einsatz von Computern bei der Geldanlage nicht neu: Die ­ersten auf Algorithmen basierenden Fonds der Deka sind teilweise seit fast 20 Jahren erfolgreich am Markt aktiv. Dazu zählen beispielsweise Deka-EuropaValue und ­Deka-Euroland Balance.

„In brenzligen Situationen an der Börse brauchen Anleger einen Menschen, dem sie vertrauen und den sie fragen können“Peter Scholz

Peter Scholz, Professor für Banken und Finanzmärkte an der Hamburg School of Business Administration (HSBA), beobachtet diese Entwicklung genau. „Im Kern ist das, was ein Robo Advisor macht, wirklich nichts Neues“, sagt der Wissenschaftler. Warum sie gerade jetzt erfolgreich sind, liege zum einen schlicht an der Machbarkeit. ­Scholz: „Nahezu jeder ist heute mit Smartphone, Tablet und Co. ausgestattet. Das erleichtert den Zugang zur Technik enorm.“ Zum anderen ist in der Bevölkerung eine zunehmende Akzeptanz gegenüber Online-Assistenten zu beobachten. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung PwC können sich immerhin 69 Prozent der Befragten grundsätzlich vorstellen, einen digitalen Assistenten zu nutzen – allerdings vornehmlich für die Termin- und Einkaufsplanung und die Steuererklärung. Bei ihren Finanzen sind sie hingegen noch zurückhaltend.

vertragsabschluss offline

Studien zeigen, dass Privatinvestoren sich nicht auf die Onlineangebote verlassen Seite 32. Sie informieren sich zwar vermehrt im Internet, schließen Verträge aber nach wie vor lieber persönlich beim Sparkassenberater ab. Die digitalen Helfer sind so eher eine praktische Ergänzung zur klassischen Anlageberatung. Unter bestimmten Bedingungen, wenn etwa Märkte effizient, Informationen also weitgehend im Börsenkurs berücksichtigt seien, könnten Robo Advisors günstiger agieren.

Bankgeschäfte: Online recherchieren, offline kaufen

Was Robos per Definition fehlt, sind die menschliche Komponente und Erfahrung. „Seit Jahren entwickeln sich die Börsen positiv und Kunden werden offener, automatisierte Anlagelösungen auszuprobieren“, so Scholz. „Aber Börsen sind nicht immer nur freundlich. Gerade in brenzligen Situationen brauchen Anleger einen Menschen, dem sie vertrauen und den sie fragen können, ob sie ihre Altersvorsorge liegen lassen oder besser in schwankungsärmere Anlageformen umschichten.“

Auch die Anlagestrategen der Deka nutzen die Rechenkapazität von Computern, um stetig Anlagekonzepte zu entwickeln oder Fonds zu verwalten. Das Team um Ulrich Neugebauer, Leiter Quantitatives Fondsmanagement & ETF, ist für mehr als 300 Publikums- und ­Spezialfonds mit einem Anlagevolumen von rund 46 Milliarden Euro verantwortlich, Tendenz steigend. „Ein quantitativer Prozess zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass er auch größere Universen mit mehr als 10 000 Werten vollständig managen kann“, beschreibt Neugebauer die Stärke seiner Konzepte. Unter Neugebauers Leitung wurden jüngst die Anlagekonzepte des Deka-eigenen Robo Advisors Bevestor entworfen, die seit kurzem bei einigen Sparkassen integriert sind.

tägliche rechenroutinen

Die mathematischen Routinen stecken etwa in Deka-Vermögenskonzept, dem Vermögensmanagement für Privatinvestoren, und in der Riester-geförderten ­Altersvorsorgelösung Deka-ZukunftsPlan. Ohne die Rechenpower wären Produkte wie diese gar nicht möglich: Täglich werden rund 250 000 ZukunftsPlan-­Depots analysiert und jedes für sich muss ganz individuelle Vorgaben erfüllen.

Markus Spory, Leiter Risikomanagement & GTAA, ist verantwortlich für die Algorithmen dahinter: „Ein wichtiger Faktor ist beispielsweise die Restlaufzeit eines Vertrages“, erklärt er. „Je näher der Anleger an das Rentenalter heranrückt, desto stärker wird in sicherheitsorientierte Zinsprodukte umgeschichtet.“ Das Modell wertet zudem Marktrisiken, Zinsen und Aktienkurse aus und generiert entsprechende Allokationsempfehlungen. „Sinkt die Volatilität am Markt, wird die Aktienquote erhöht und umgekehrt“, erläutert Spory.

Früh am Morgen starten die Computer ihre Analysen: Die individuellen und anonymisierten Depotdaten der Kunden, aktuelle Kapitalmarktdaten sowie die Steuerungsparameter werden automatisch in die Software des Rechenkerns eingelesen und in individuelle Orderdaten übersetzt. Bevor diese ausgeführt werden, prüfen Spory und seine Kollegen die Ergebnisse auf Plausibilität.

Einige Quantfonds der Deka haben sich in der Vergangenheit bereits in schwierigen Markphasen bewährt. Ob Robo Advisors ähnlich robust sind, müssen sie erst noch beweisen.