Konjunkturpaket Mit Wumms aus der Rezession?

Mit einem 130 Milliarden Euro schweren Maßnahmenpaket will die Bundesregierung die Konjunktur aus der Coronakrise befreien. Geld allein reiche dafür aber nicht, sagt Deka-Experte Joachim Schallmayer.


TEXT: Daniel Evensen

Wochenlang stand die deutsche Wirtschaft wegen der Coronapandemie nahezu still. Ökonomen – darunter auch die Volkswirte der Deka – rechnen als Folge mit einem beispiellosen Einbruch der Konjunktur. Damit sich das Land möglichst bald aus der wirtschaftlichen Misere befreit, hat die Bundesregierung am 3. Juni ein Konjunkturpaket im Gesamtvolumen von 130 Milliarden Euro verkündet. „Wir wollen mit Wumms aus der Krise kommen”, kommentiert Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz die Methode klotzen statt kleckern.

Das Konjunkturpaket ergänzt die schon verabschiedeten Hilfsmaßnahmen in Höhe von 156 Milliarden Euro. Die neuen Beschlüsse bestehen aus 57 Punkten, darunter die vorübergehende Absenkung der Mehrwertsteuer, ein Kinderbonus, die Senkung der Stromkosten und Steuererleichterungen für Unternehmen.

„Das Paket kombiniert sowohl schnell wirkende kurzfristige als auch zukunftsgerichtete langfristige Maßnahmen“, analysiert Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie der Deka. „Die durch Corona so plötzlich gerissene Lücke in der Wirtschafsleistung kann damit zwar ein Stück weit abgemildert werden. Zu einer deutlichen Beschleunigung des konjunkturellen Aufholprozesses wird es dadurch aber nicht kommen.“ Nach Schallmayers Meinung wird die vor Corona erzielte Wirtschaftsleistung trotz der Unterstützungsmaßnahmen frühestens im Herbst 2021 wieder erreicht werden.

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Der Grund: Geldspritzen alleine machen noch keinen Konjunkturaufschwung. „Für eine nachhaltige Erholung des Bruttoinlandsprodukts ist es von entscheidender Bedeutung, dass sich die Arbeitsmärkte stabilisieren, die Nachfrage zurückkommt und auch die Unternehmen wieder zu höheren Investitionen bereit sind“, erklärt der Deka-Stratege. „Dieser Prozess benötigt Zeit, das jetzt verabschiedete Paket beinhaltet dafür aber wichtige erste Impulse.“

Und solche Impulse gibt es nicht nur in Deutschland. Global zeichnet sich eine zunehmende Bereitschaft ab, mit Fiskalimpulsen der durch die Coronakrise ausgelösten Rezession entgegen zu wirken. Schallmayer: „Mit dem jetzt beschlossenen Paket beschränkt sich Deutschland nicht nur auf Absichtserklärungen, sondern zeigt eine schnelle und konkrete Handlungsbereitschaft, was angesichts der Krise zu begrüßen ist.“

Stand: 05.06.2020