Interview „Potenzial nicht ausgereizt“

Wie sieht die Arbeit als Manager eines Anleihenfonds in Zeiten aus, in denen es mit den Zinsen langfristig wieder etwas aufwärts geht? fondsmagazin sprach mit Jonas Tinschert, Fondsmanager Deka-Globale Renten High Income.


TEXT: Daniel Evensen

Herr Tinschert, die Zinsen steigen langsam wieder. Macht das Ihre Arbeit als Manager eines Anleihenfonds einfacher?
Es ist ein zweischneidiges Schwert. Anleihen, die neu begeben werden, bieten eine bessere Verzinsung. Dafür verlieren aber Anleihen mit niedrigeren Renditen, die bereits auf dem Markt sind, an Attraktivität. Ihre Kurse können fallen.

Deka-Experte Tinschert

Wie gehen Sie damit um?
Mit Deka-Globale Renten High Income legen wir vor allem in Unternehmens- und Schwellenländeranleihen an. Bei diesen Papieren hängt der Kursverlauf nicht nur vom Zinsniveau, sondern von der wirtschaftlichen Entwicklung ab. Beispiel Brasilien: Ende 2015 litt das Land unter politischen und wirtschaftlichen Problemen, es verlor in der Gunst der Investoren. Wir setzten darauf, dass eine konjunkturelle Wende gelingen würde. So ähnlich machten wir es mit europäischen Hochzinsanleihen. In beiden Fällen haben wir vom globalen Aufschwung profitiert.

Und eine Wertentwicklung erreicht, die von Morningstar fünf Sterne erhält.
Ja, dabei hat uns auch eine Anpassung der Anlagepolitik des Fonds geholfen. Seit April 2017 haben wir noch mehr Flexibilität bei der Auswahl von Anleihen. Und wir reagieren schnell, wenn wir neue Trends sehen.

Was haben Sie denn derzeit im Auge?
Wir bauen Positionen in europäischen Anleihen etwas ab, weil der Markt gut gelaufen ist. Das Potenzial von Hochzinspapieren aus Lateinamerika oder China ist aber noch nicht ausgereizt.

Steht dem Potenzial von Hochzinsanleihen auch ein höheres Risiko gegenüber?
Deka-Globale Renten High Income ist ein offensiver Rentenfonds. Anleger müssen darauf gefasst sein, dass es mal zu Rücksetzern kommt. Allerdings können wir das Portfolio in stürmischen Zeiten auch defensiv aufstellen.