Portrait Schwein gehabt

Wie Margit Wennmachers die Zukunft der Digitalisierung im Silicon Valley mitgestaltet, was die Hightech-Welt bewegt und warum die Kindheit auf einem Bauernhof in der deutschen Provinz eine gute Schule war.


TEXT: Peter Weißenberg

Für eine Jugendliche in den späten 1980ern ist die Welt noch klein; für Margit Wennmachers besonders klein: Ihr Heimatdorf Gangelt-Brüxgen hat keine 500 Einwohner, der Vater züchtet Schweine. „Tiere müssen jeden Tag essen“, so Wennmachers, „da gibt es keine Feiertage und keinen Urlaub“ – statt Zerstreuung ist Konzentration angesagt. Von Sonnenauf- bis -untergang. Der Hof verlangt Disziplin und Konsequenz.

Im Silicon Valley, heute die Heimat Wennmachers, sind Disziplin und Konsequenz die „Killer-Applications“: Im globalen Zentrum des digitalen Wandels ist die 53-Jährige Partnerin des Wagniskapitalgebers Andreessen Horowitz. Der hat Firmen wie Twitter, Groupon und Facebook groß gemacht. Eine erste Adresse für Gründer also, die Geld für ihre Start-up-Idee brauchen – für das nächste große Ding in der digitalen Welt. Mit dem Blick eines Züchters und dessen Gespür für Wachstumspotenzial geht Wennmachers an die kleinen High-tech-Schmieden heran: „Wir investieren nicht in Unternehmen, weil sie gerade etwas Interessantes tun“, sagt die Managerin. Es gehe um die glaubhafte Perspektive, massiv wachsen zu können.

Wennmachers’ eigener Werdegang ist dafür ein Beispiel: Nach unauffälliger Schullaufbahn und Abitur arbeitet sie als Sekretärin für den deutschen Manager eines US-Start-ups. Hinsehen, neugierig sein, dazulernen – und „sich etwas zutrauen“, das bringt sie voran. Ohne Masterplan, aber mit Lust am Unbekannten. 1991 landet sie in San Francisco, gründet eine PR-Agentur. Die Zeit dafür war gut gewählt. 1995 geht der Betreiber des ersten Browsers Netscape an die Börse. Eine große Welle von Internetgründern folgt. Wennmachers baut deren Image auf, macht Anleger auf die IT-Innovatoren aufmerksam. So kreiert sie das Image des Silicon Valley als Heimat der Nerds mit Hirn und Herz. „Don’t be evil“ heißt das etwa im Gründungs-Motto von Google.

Heute funktionieren solche Botschaften nicht mehr, sagt die Managerin. „Die Welt hat sich gewandelt: Der Schutz der Privatsphäre, Gleichberechtigung oder Datenschutz sind Themen, mit denen etablierte Firmen kämpfen“ – aber auch Gründer, die Kapital brauchen. „Einige Kritik ist ja berechtigt, aber vieles wird auch überzogen; ich kenne viele großartige Menschen hier im Valley“, sagt Wennmachers. Die Branche selbst müsse sich jedoch wieder ein wenig neu erfinden.

Aber wo, wenn nicht hier: Was nach wie vor funktioniert, das ist die einmalige Mischung in der Bay-Area: „Elite-Unis wie Berkeley, viel wagemutige Kapitalgeber, nicht zuletzt das tolle Wetter. So ein Mix lockt die Ideen für das digitale Geschäft der Zukunft in Scharen an“, sagt die Managerin. Mit 25 Milliarden Dollar wird in der Region von der Größe Nordrhein-Westfalens jährlich zehnmal mehr Risikokapital investiert als in ganz Deutschland.

Auch deutsche Gründer seien willkommen – zumal die Szene in der Heimat an einem Problem leide: Entgegen vieler Lippenbekenntnisse gebe es in Deutschland für Gründer nach einer Pleite nur schwer eine zweite Chance. „Im Silicon Valley dagegen gibt es eine hohe Toleranz fürs Scheitern – wenn es danach neu weitergeht.“ Die neue digitale Idee muss überzeugen und das Potenzial stimmen.

Denn die digitale Revolution, sie stehe erst „am Ende des Anfangs: Erst jetzt sind die Menschen in aller Welt flächendeckend an vernetzte Technik angeschlossen, das Internet der Dinge startet gerade richtig. Das Zeitalter des echten Nutzens beginnt.“ 75 Prozent der Weltbevölkerung seien zwar im Web – der globale Internethandel habe aber einen Marktanteil von nicht einmal 10 Prozent. Das Potenzial ist also riesig. Zumal der Handel ja nur einer von zahlreichen aussichtsreichen Geschäftszweigen sei.

Medizintechnik, Produktion, autonomes Fahren ... das nächste große Ding? „Das sind eine Million Dinge“, sagt Wennmachers und strahlt dabei. Man müsse sie bloß anpacken, mit Ideen, Freude, Disziplin und Konsequenz. Wer das schon in der Kindheit gelernt hat, der hat wirklich Schwein gehabt.

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