Vermögensbildung Sieben populäre Irrtümer zur Rente

Mit dem Alter kommt die Erfahrung – beim Thema Altersvorsorge trotzen aber einige grundfalsche Ansichten beharrlich der Wirklichkeit. fondsmagazin räumt mit den Irrtümern auf.


TEXT: Peter Weißenberg

Wer effektiv für sein Alter vorsorgt, der hat wesentlich mehr vom Lebensdrittel mit der größten persönlichen Freiheit. Leider verhindern aber einige weit verbreitete Fehlannahmen, dass die Menschen rechtzeitig die richtigen Hebel für den Vermögensaufbau umlegen. Vor allem die folgenden sieben populären Irrtümer sind daran schuld.

Irrtum 1: Rentner brauchen nicht viel Geld zum Leben.

Wollen Sie nach dem Ende des Berufslebens in eine winzige Wohnung im Nirgendwo ziehen, vorzugsweise zu Hause bleiben und außer dem monatlichen Einkauf beim Discounter kaum etwas für die Lebenshaltung ausgeben? Dann ist der Satz oben kein Irrtum; Sie müssen nur noch hoffen, nicht ernstlich krank oder pflegebedürftig zu werden. Sonst würde selbst bei einem solch asketischem Lebensabend eine schmale staatliche Rente allein oft nicht reichen.

Für die meisten Menschen gilt diese Lebensplanung aber nicht – im Gegenteil: Altersforscher wissen, dass gesunde Silver Surfer im dritten Lebensabschnitt oft noch Großes vorhaben. Mit 66 Jahren, da fängt das Leben erst richtig an. Kinder aus dem Haus, Berufsleben ade – und ab ins Abenteuer.

Jeder sechste Bundesbürger befürchtet aber, im Alter in Armut zu leben. Das hat die Studie "Altersvorsorge in Deutschland" der Allensbacher Demoskopen ergeben. So schlimm muss es zwar nicht kommen. Doch die staatliche Rente allein reicht in der Regel nicht, um sich neue Wünsche im Alter zu erfüllen – oder auch nur den gewohnten Lebensstandard zu halten.

Der lässt sich übrigens vergleichsweise simpel ermitteln: Nehmen Sie sich die Kontoauszüge der vergangenen zwölf Monate. Jetzt bilden Sie drei Blöcke:

Block eins: Kosten für die Lebenshaltung wie Kleidung, Miete, Nebenkosten und Ernährung. Daran wird sich wenig ändern.

Block zwei: Kosten, die eventuell nicht mehr anfallen wie Kinderbetreuung, Berufsausgaben oder Tilgung fürs Eigenheim.

Block drei: voraussichtliche Kosten, die steigen – Ausgaben für Gesundheit und Pflege, aber auch für geplante Reisen.

Demgegenüber stehen die Einnahmen: eingehende Rente, Privat-Renten betriebliche Altersvorsorge und Einnahmen aus Kapitalvermögen oder auch Vermietung. Der Saldo ist die Versorgungslücke – und die wird mit stetiger Geldentwertung durch die Inflation eher noch größer. Hier können Sie Ihre Versorgungslücke einmal überschlagsweise berechnen.

Eines sollten Sie übrigens bei der Überschlagsrechnung auch nicht vergessen: die Steuern. Der steuerpflichtige Anteil beträgt für neue Rentner jetzt bereits 78 Prozent. Und auf jeden Neurentnerjahrgang kommen bis 2020 weitere zwei Prozent hinzu, ab dann steigt der steuerpflichtige Anteil jährlich um 1 Prozent. Ab Renteneintritt 2040 ist dann die komplette Rente steuerpflichtig. Bei Betriebsrenten und Riester-Renten gilt das sogar schon heute.

Muss ich meine Rente versteuern? Und wenn ja: Wie viel?

Irrtum 2: Ab 50 ist es zu spät, noch was fürs Alter zu tun.

Es ist schon wahr: Je früher man anfängt zu sparen, desto leichter und effektiver geht es in der Regel. Dafür sorgt der Zinseszins-Effekt, wenn man clever spart; obwohl: Eigentlich müsste er hier ganz korrekt Rendite auf Rendite-Effekt heißen, denn bei Zinsanlagen gibt es in Zeiten der Nullzinsen keinen Langfristeffekt (s.Irrtum 5) Trotzdem kann man auch gut zehn Jahre vor dem Ruhestand selbst in Null-oder Niedrigzinszeiten noch einiges an Vermögen aufbauen, wenn man über die klassischen Sparformen hinausdenkt. Und Kapital ist in diesen Jahren ja durchaus häufig vorhanden. Etwa durch einen gut bezahlten Job, eine Einmalzahlung aus einer Lebensversicherung oder frei werdendes Festgeld oder ein Erbe. Diese Gelder können zum Beispiel mit breit streuenden Aktienfonds über eine längere Laufzeit sehr deutlich vermehrt werden, wie Statistiken belegen. Auch bei mehreren kräftigen Minusjahren an den Börsen. Bei Anlagen in Aktien sind aber eben auch Verluste möglich – denn Ergebnisse der Vergangenheit sind kein zwingender Hinweis auf die Zukunft.

Je länger, desto sicherer im Plus

Irrtum 3: Die Renten sinken immer weiter.

Das stimmt so nicht ganz. Der Staat garantiert vielmehr per Gesetz, dass die persönliche Rente niemals sinken darf. Brutto wird die Summe der Überweisung von der Deutschen Rentenversicherung also von Jahr zu Jahr höher oder zumindest gleich hoch bleiben. In den vergangenen Jahren sind die Renten sogar jedes Jahr um mehr als zwei Prozent gestiegen.

Warum denken dann trotzdem so viele Menschen, dass Renten immer mehr sinken? Das hat zwei Gründe: Erstens steigen ja auch die Preise – und wenn die Inflation einmal höher als die gegenwärtige Rentenerhöhung sein sollte, könnte sich der Bezieher einer staatlichen Versorgung dafür tatsächlich weniger leisten.

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Zweitens verwechseln viele Menschen zwei Rentenwahrheiten: Die Höhe der eigenen Rente kann nicht sinken – sehr wohl aber das Verhältnis vom letzten Lohn eines statistischen Durchschnittsrentners zur Rente, die er nach dem Erwerbsleben erhält. Da geht es seit Jahren Richtung 40 Prozent .Noch vor zehn Jahren erreichte diese Durchschnittsrente mehr als 50 Prozent des letzten Lohnes. Diese Höhe wird sicher nicht mehr erreicht, maximal dürfte nach Plänen der Bundesregierung der weitere Schwund abgemildert werden.

Irrtum 4: Beginnt die reguläre Altersrente, enden die Abschläge.

Wer früher als zum regulären Rententermin in die staatliche Rente geht, der bekommt weniger Rente. Viele Menschen denken aber, dass das nur solange gelte bis die reguläre Altersrente erreicht sei – dass also mit 65 oder 67 dann der Abschlag entfalle.

Doch das ist ein schwerer Irrtum – und ein folgenreicher: Gehen Sie früher als vom Gesetzgeber vorgesehen in Rente, dann müssen Sie Abschläge hinnehmen: 0,3 Prozent pro Monat, den Sie früher Ihren Ruhestand genießen. Für ein Jahr früher Rente also 3,6 Prozent. Und daran ändert sich nichts, auch wenn Sie 100 Lebensjahre erreichen. Alle Abzüge bleiben auch nach Erreichen der Regelrentenzeit bestehen. Und nicht nur für Sie selbst, sondern auch für eine Witwe oder einen Witwer, der diese gekürzte Rente anteilig erhält.

Mit Einmalzahlungen in die Rentenversicherung können allerdings Über-50-Jährige diese Lücke zwischen ausgerechneter regulärer Altersrente und der Höhe des früheren Ruhestandsgeldes ausgleichen. Das sind meist fünfstellige Summen, die sich lohnen können – Vorsorge sollten allerdings bedenken, ob sich die alternative Anlage in einen Aktienfonds nicht besser rentiert..

Früher in Rente nur mit Abschlägen

Irrtum 5: Für die Altersvorsorge ist ja noch lange Zeit.

Diese Fehlannahme kann sehr teuer werden. Denn je früher ein Mensch Geld für die Altersvorsorge zurücklegt, desto weniger muss er selbst einzahlen. Bei einer klugen Geldanlage sorgt gerade bei jungen Menschen der Zinseszins-Effekt über die Jahrzehnte für einen Zuwachs fast wie von selbst.

Der Bundesverband Investment und Asset Management hat dazu Statistiken zum Kursverlauf in der Vergangenheit ausgewertet – daraus ergibt sich dieses Rechenbeispiel: Ein 27-Jähriger spart monatlich 50 Euro in einen Fonds, der in die Papiere des Dax je nach deren Gewichtung gleichmäßig anlegt. Hätte er das in der Rückschau in den vergangenen 40 Jahren getan, bekäme er bei einer Durchschnittsrendite von 6 Prozent zum regulären Eintritt in die Rente fast 100.000 Euro – und hätte in dieser Zeit selbst nur 24.000 Euro eingezahlt. Fängt er dagegen erst 20 Jahre später mit dem Sparen an, dann muss er deutlich mehr zurücklegen, um den gleichen Erfolg zu erzielen: Es sind nun mehr als 200 Euro nötig, um auf die gleiche Zielgröße von 100.000 Euro zu kommen.

Das Geheimnis hinter diesem Anstieg ist besagter Zinseszins-Effekt. Er ergibt sich, wenn einmal erzielte Gewinne wieder angelegt werden und ihrerseits neue Gewinne abwerfen. Das Vermögen steigert sich so exponenziell.

Irrtum 6: Die beste Altersvorsorge ist eine Immobilie.

Eigener Herd ist Goldes wert und gerade in Zeiten niedriger Zinsen setzen viele Menschen alles daran, mit teils sehr hohen Krediten den Weg in die eigene Immobilie zu schaffen. Fernziel: mietfrei Wohnen im Alter. Die ideale Vorsorge, meinen viele. Doch diese Vorstellung kann kräftig trügen.

Denn zum einen ist eine Immobilie niemals wirklich kostenfrei: Zwar fallen keine Mieten mehr an, aber Wohngeld für die Hausverwaltung, Reparaturen, Instandhaltung, Renovierung und Versicherungen können erhebliche Kosten verursachen. Vor allem, wenn die Immobilie genau wie ihr Besitzer, ein paar Jahrzehnte älter geworden ist. Monatlich können dann die Kosten leicht wieder vierstellige Summen erreichen. Dazu kommt: Wie das Platzen der Immobilienblase in Spanien und den USA schon gezeigt hat, geht es auch bei den Haus- und Wohnungspreisen nicht immer automatisch nach oben.

Außerdem ist eine Immobilie – wie der lateinische Name schon andeutet – nicht besonders flexibel: Vielleicht war das Häuschen auf dem Lande als die Kinder noch zuhause waren das ideale Heim. Aber wie sieht das ein paar Jahrzehnte später für das Rentnerehepaar aus? Und wer kauft abseits von größeren Städten ein Haus mit großem Garten, das zwei Senioren nur noch Kosten und viel Arbeit beschert? Die Immobilie kann aber auch schon vorher zur Last werden, wenn berufsbedingt ein Umzug ansteht oder sich die Lebenssituation aus anderen Gründen radikal ändert. Diese Last aber ist schwer abzuschütteln.

Dazu kommt: Geld, das in einer Immobilie auf Jahrzehnte gebunden ist, fehlt für andere Formen der Vorsorge. Eine Alternative könnte zum Beispiel die Investition in Aktien- und Immobilienfonds sein. Die Chancen stehen dabei gut, dass sich eine Wohnung mit den Erträgen ein paar Jahrzehnte später ohne großen Immobilienkredit bezahlen lässt.

Irrtum 7: Im Ruhestand kein Geld mehr in Aktien anlegen.

Nur ja kein Risiko – vor allem, wenn man nicht mehr im Berufsleben steht: Diese Überzeugung tragen die Deutschen besonders oft mit sich herum. Selbst in der heutigen Niedrig- oder Nullzinszeit liegen darum immer noch Milliardensummen auf Sparkonten oder in Festgeldern – und nach Abzug der Teuerungsrate werden die durch die Realzinsfalle Jahr für Jahr weniger wert. Mit Sicherheit.

Grundsätzlich ist es natürlich richtig, im Alter keine finanziellen Abenteuer mehr zu starten. Aber wer heute 66 Jahre alt ist, hat oft noch zwei Jahrzehnte oder mehr vor sich. In denen kann ein Teil des Vermögens durchaus noch arbeiten – und muss es, wenn das Vermögen real nicht kleiner werden soll.

Gute Berater können hier maßgeschneiderte risikojustierte Geldanlagestrategien anbieten, bei denen ein Teil der Erträge auch wieder regelmäßig die Altersbezüge aufbessert; für mehr Vergnügen in der dritten Lebensphase. Aber natürlich kann man so auch frühzeitig das Erbe für die nächste Generation erhalten und mehren. Eine gute Vorsorge für die Altersvorsorge von Sohn, Tochter oder Enkel.


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Stand: 26.09.2019