Interview „Unsere Zertifikate sind handverlesen“

Vor rund sechs Jahren hat die Deka ihre ersten Zertifikate für Privatanleger aufgelegt – heute zählt sie hier bereits zu den Marktführern. Der Chef der Produktmanager Hussam Masri erklärt, woran das liegt und mit welchen Zertifikaten die Anleger auch in unruhigeren Zeiten positiv abschneiden können.


TEXT: Daniel Evensen

Herr Masri, 2018 ist bisher eher ein durchwachsenes Jahr für die Wertpapiermärkte. Waren die Renditechancen mit Zertifikaten entsprechend mager?
Auf keinen Fall. Zertifikate zeichnen sich ja gerade dadurch aus, dass sie bei steigenden, seitwärts tendierenden und sogar fallenden Märkten positive Erträge erzielen können. Noch dazu weiß ich als Anleger von vornherein, wie mein Ergebnis bei welcher Marktentwicklung ausfallen wird. Ich kenne auch schon vorab mein Risiko und die Laufzeit. Zertifikate sind da absolut transparent.

Spricht dann aktuell mehr für Zertifikate als für Fonds?
Es gibt da kein Entweder-oder, weder heute noch in Zukunft. Fonds UND Zertifikate sind die richtige Herangehensweise. Mit Fonds kaufen Anleger die gesamte Expertise der Deka ein. Die Fondsmanager investieren – unterstützt durch unsere Analysten und Volkswirte – nach bestem Wissen und Gewissen weltweit in die Märkte. Sie analysieren Regionen, Branchen und Einzeltitel, achten auf Währungen, die Wirtschaftsentwicklung und passen das Portfolio permanent an die Marktaussichten an. Fonds, Dachfonds und Vermögensverwaltung bilden somit das langfristige Kerninvestment. Und dieses lässt sich auf verschiedene Weise ergänzen – nicht zuletzt mit Zertifikaten, mit denen Anleger sehr zielgenau Chancen wahrnehmen oder ihr Depot diversifizieren können.

Hussam Masri ist Direktor im Produktmanagement der Deka


Wie kann so eine Ergänzung konkret aussehen?
Nehmen wir eine Anlegerin, die denkt, dass die Aktienmärkte in den kommenden zwölf Monaten vielleicht nicht viel besser laufen werden als in den vergangenen zwölf. Sie könnte Zerti­fikate beimischen, die gerade bei zwischenzeitlich schwächeren Kursen Gewinne ermöglichen. Da gibt es einiges zur Auswahl, aber besonders beliebt sind derzeit Express-Zertifikate.

Was macht sie so begehrt?
Zum einen ihre Verzinsung, je nach Ausgestaltung sind 3, 4 oder mehr Prozent jährlich möglich. Zum anderen sind die Laufzeiten mit maximal fünf bis sechs Jahren überschaubar.

Express stellt man sich aber irgendwie schneller vor.
Moment, bereits nach einem Jahr kann eine vorzeitige Rück­zahlung erfolgen, wenn sich der Basiswert – beispielsweise der Aktienindex Euro Stoxx 50, Daimler oder Lufthansa – stabil entwickelt. Sehr gefragt sind Express-Zertifikate mit einer ver­gleichsweise tiefen Barriere von 60 Prozent des Startwerts. Das bedeutet: Erst wenn der Basiswert 40 Prozent oder mehr im Vergleich zu seinem Kurs beim Start des Zertifikats abrutscht, fallen Verluste an.

Ein komfortabler Puffer - aber es gibt auch Anleger, die sich Angebote mit ordentlicher Verzinsung ganz ohne Aktien­marktrisiko wünschen. Werden sie bei Zertifikaten fündig?
Durchaus, ein Klassiker sind Stufenzinsanleihen. Bei acht Jah­ren Laufzeit sind aktuell rund 0,75, bei zehn Jahren etwa 1 Prozent Zins per anno erzielbar. Eine neuere, sehr interessante Struktur sind Zinsdifferenzanleihen mit Zielzins. Bei diesen haben wir einfach den von Anlegern so geschätzten Express-Mechanismus in ein Rentenprodukt eingebaut. Der Me­chanismus kann die lange Lauheit von 15 Jahren unter bestimmten Bedingun­gen stark verkürzen. Anleger haben dann die Aussicht auf durchschnittlich rund 2 Prozent Zinsen jährlich.

Wir könnten sicher noch eine Stunde über weitere Zertifikate­typen sprechen. Verwirrt die Vielfalt die Anleger nicht?
Wichtig ist, sich gut zu informieren – etwa auf unserer Zerti­kfikate-Website und beim Sparassen-Berater. Die Deka trägt aber schon vorab ihren Teil dazu bei, dass Anleger vernünftige, zu ihnen passende Produkte finden, indem sie das Angebot be­grenzt. Wir betreiben hier keine Maschinerie, die wie am Fließ­band Zertifikate emittiert. Unsere Auswahl ist handverlesen und auf private Kunden und deren Anlagebedarf zugeschnitten.

Handverlesene Zertifikate? Wie muss man sich das vorstellen?
Wir sitzen jede Woche zusammen und rechnen durch, welche Basiswerte und Optionen die attraktivsten Strukturen ergeben.

Sagen Sie nach der Analyse auch mal· Das lohnt sich nicht, das lassen wir besser bleiben?
Absolut. Oder wir überlegen, wie wir es lohnend machen. Etwa, indem wir die Laufzeit etwas verlängern, um eine bes­sere Verzinsung zu erreichen. Wir bieten übrigens überhaupt keine Zertifikate auf Unternehmen an, die unser Research negativ beurteilt. Auch das unterscheidet uns von anderen.

Wirkt sich diese Selbstbeschränkung nicht auf den Absatz aus?
Ja, und zwar zum Glück sehr positiv. Ich bin überzeugt, dass die Sparkassen-Berater und ihre Kunden unsere Vorarbeit zu schätzen wissen. Seit wir 2013 die ersten Zertifikate für Privat­anleger aufgelegt haben, erfreut sich unser Angebot einer sehr guten Resonanz. Wir steuern 2018 wieder auf ein absolutes Rekordjahr zu.

Stand: 13.11.2018