Nachhaltigkeit Von Konjunkturturbulenzen bis zur CO2-Kompensation

Nicht nur auf Hauptversammlungen tritt die Deka für ihre Anleger ein. Gut 2.000 mal im Jahr treffen sich Deka-Experten zum konstruktiv-kritischen Dialog mit Unternehmen – im Juli ging es zum Beispiel zur Lufthansa.


TEXT: Daniel Evensen

Am 7. Mai in Bonn: Vanessa Golz spricht auf der Lufthansa-Hauptversammlung. Die Deka-Expertin für Nachhaltigkeit und Corporate Governance kritisiert eine „überraschende Gewinnwarnung“ und das „Flugchaos bei Lufthansa und Eurowings im Sommer 2018“. Lob gibt es aber auch: für die geplante Flottenerneuerung. Und Golz‘ Wort hat Gewicht, denn zu ihrem Job gehört es, die Interessen der Anleger zu vertreten und das Stimmrecht für die 7,4 Millionen von Deka-Kunden gehaltenen Lufthansa-Aktien auszuüben.

Jetzt, rund zwei Monate später, trifft sie zusammen mit der Deka-Analystin Nora Franken im Aviation Center, der Zentrale direkt am Flughafen Frankfurt, erneut auf Vertreter der Lufthansa. Für ein vertiefendes Gespräch und um nachzuhaken. Dabei im Fokus: gute Unternehmensführung, Nachhaltigkeit und die Zukunftsstrategie der Lufthansa. „In der verantwortungsvollen Unternehmensführung sehen wir den Schlüssel für die langfristige Wertsteigerung des Investments – deshalb haben wir da ein besonderes Auge drauf“, erklärt Golz. Und genau das ist auch den Privatanlegern wichtig, wie gerade eine aktuelle YouGov-Umfrage bestätigte.

Aktionäre sind Eigentümer

„Die Aktionäre sind die Eigentümer der Lufthansa und spielen damit für uns per se eine wichtige Rolle“, betont auch Dennis Weber, Leiter Investor Relations bei der Lufthansa. „Und natürlich beeinflusst das Feedback der Investoren unser Handeln und die Ausrichtung der Lufthansa.“ So hat der Konzern seine Dividendenpolitik geändert und will künftig höhere Anteile des Gewinns ausschütten – auch als Reaktion auf Gespräche mit institutionellen Anlegern. Auch ein neues System für die Management-Vergütung wurde eingeführt.

Heute interessiert Deka-Analystin Nora Franken vor allem, wie sich die aktuelle Konjunkturschwäche auf die Kranichlinie auswirkt. Weber berichtet von Bremsspuren auf der Kurzstrecke, aber anhaltender Stärke auf der Langstrecke. Im wichtigen Bereich der Geschäftskunden sei die Lage von Branche zu Branche unterschiedlich. „Wir bemerken besonders die Probleme in der Automobil- und Chemieindustrie.“

Vanessa Golz setzt beim Thema Gewerkschaften ein: „Wie ist der Kontakt zur Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO? Und drohen eventuell beim Kabinenpersonal neue Streiks?“ Dann hakt sie beim Klimaschutz nach: „Zeigen sich Folgen der neuen Flugscham?“ „Bislang sehen wir noch keine Rückgänge der Passagierzahlen wegen dieses Themas, wir beobachten aber nicht nur, sondern werden hier selbst immer aktiver“, sagt Claudia Hügel, in der Unternehmensstrategie der Lufthansa Group für das Thema Nachhaltigkeit verantwortlich. „Die Lufthansa zählte zu den ersten Airlines, die Biokraftstoffe für Flugzeuge getestet haben. In den nächsten Jahren werden wir einen zweistelligen Milliardenbetrag in moderne Langstreckenflugzeuge mit geringerem Kerosinverbrauch investieren.“

Auch die Möglichkeit der Kompensation, bei der Passagiere für jedes Flugticket einen bestimmten Beitrag für Klimaschutzprojekte spenden, soll noch prominenter bei den Buchungen angezeigt und unterstützt werden. „Mit unseren großen europäischen Geschäftskunden haben wir gerade mit sehr viel positivem Zuspruch ein Pilotprojekt umgesetzt“, so Hügel. „Im kommenden Februar starten wir ein weiteres Programm, um die Kompensation noch bekannter zu machen und zu fördern. Seit Anfang des Jahres kompensieren wir auch unsere eigenen Dienstreisen zu 100 Prozent.“

Helmut Tolksdorf, verantwortlich für die Finanzkommunikation bei der Lufthansa, macht noch auf einen weiteren Punkt aufmerksam: „Wenn unserer Kooperationspartner Deutsche Bahn ein ebenbürtiges Angebot bereitstellt, streichen wir auch innerdeutsche Strecken. Das haben wir bei der Verbindung von Köln/Frankfurt schon vor langer Zeit gemacht. Dieses Jahr entfällt die Strecke Nürnberg/Berlin.“

Nachhaltigkeit im Fokus

Nicht nur bei diesem Treffen von Deka und Lufthansa: Wenn sich Investoren mit Unternehmen austauschen, nehmen die Themen Nachhaltigkeit und Corporate Governance – also die gute Unternehmensführung – immer mehr Raum ein. „Es gibt wohl kaum noch einen Großaktionär, für den Nachhaltigkeit nicht ein maßgebliches Kriterium bei der Anlageentscheidung ist und wir begrüßen diese Entwicklung“, sagt Dennis Weber.

Die Lufthansa engagiere sich schon lange für Nachhaltigkeit, dafür stehe auch ihr Vorstandschef Carsten Spohr. Hinzu komme eine Besonderheit der Luftfahrtbranche, so der Leiter Investor Relations: „Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit gehen bei uns an einem zentralen Punkt Hand in Hand: Ein neues Flugzeug ist etwa 25 Prozent effizienter als das Vorgängermodell – das ist gut für die Umwelt. Es entlastet uns aber auch bei einem zentralem Kostenblock, dem Kerosin.“

Auch Deka-Analystin Franken bestätigt, dass die Nachhaltigkeit für ihre Arbeit wichtiger geworden ist: „So wie das Geschäftsmodell, die Marktstellung oder das Unternehmenswachstum sind heute auch viele Aspekte der Nachhaltigkeit relevant für den Aktienkurs und damit für mein Urteil.“ Übrigens: Wie Nora Franken die Lufthansa bewertet, ist an diesem Tag kein Thema. Die Aktien-Ratings der Deka werden nicht veröffentlicht, sondern exklusiv im Fondsmanagement genutzt; im Dienste der Fondsanleger.

Stand: 21.08.2019