Deka-Deutschland Nebenwerte „Wir sind Entdecker“


In Deutschland gibt es zahlreiche „Hidden Champions“ – dabei handelt es sich um weniger große und bekannte, aber innovative Marktführer. Markus Turnwald managt Deka-Deutschland Nebenwerte und setzt in diesem Fonds auf die aus seiner Sicht vielversprechendsten dieser Unternehmen. Er verrät, ob und wie diese Erfolgsstory weitergeht.


TEXT: Peter Weißenberg

Herr Turnwald, Nebenwerte haben sich für den renditeorientierten Anleger in den vergangenen Monaten zur Hauptsache entwickelt: Indizes wie MDax oder SDax steigen noch schneller als die Schwergewichte im Dax …
… das liegt auf der Hand.

Wieso?  
Es gibt im Dax einige Branchen, die vom Wirtschaftsaufschwung zuletzt nicht so profitierten und als Kursbremse gewirkt haben. Das ist bei den Nebenwerten anders und deshalb kann etwa der SDax im Fünfjahresvergleich den Dax abhängen.

Vielversprechende Unternehmen

Das bedeutet umgekehrt: Die Bedeutung der schwächelnden Branchen ist dort kleiner?  
Genau. Banken, Airlines oder Versorger haben die Dynamik des Dax eingebremst. In den Indizes kleinerer Unternehmen ist die Verteilung der Sektoren breiter - und die “Bremsklötze” können den Schwung nicht so stark aufhalten
 
Breite Verteilung klingt gut - heißt für Sie aber auch eine wesentlich unübersichtlichere Auswahl. 
Ich werde ja nicht für leichte Arbeit bezahlt (lacht) … Im Ernst: Ich sage lieber, das Angebot ist vielfältiger. Und das ist nicht der einzige Grund für die stärkere Dynamik unter den kleineren Unternehmen.

Was kommt noch dazu?
In den vergangenen Jahren haben Übernahmeprämien den Index angetrieben. Ob beim Pharmakonzern Stada, Geldautomatenhersteller Wincor Nixdorf oder Maschinenbauer Kuka: Viele Übernahmen haben die Kurse befeuert. Dazu kommt das stärkere Gewinnwachstum. Das liegt ja auch in der Natur der Sache.

Warum?
Wer kleiner ist, kann prozentual schneller wachsen. Zudem sind viele der Spezialisten erst einmal auf einem regional besonders lukrativen Markt unterwegs und können dort schnell an Größe gewinnen. Bei großen Banken und Airlines bekommen sie diese Dynamik so nicht hin. Lassen Sie es mich so sagen: Im Dax sind die Dickschiffe, in den kleineren Indizes die Schnellboote.

Klingt aber auch gefährlicher. Passen Sie die Investitionsquote bei Deka-Deutschland Nebenwerte nach der jüngsten Börsen-Rally etwas an?
Natürlich spielen auch hohe Kurse und Charts eine Rolle. Aber wissen Sie: Ich bin ein klassischer Analyst - und damit groß geworden, bei den Firmen in die Tiefe zu schauen. Täglich. Intensiv. Welche Produkte bringen die? Wie sehen die Märkte aus? Was leistet das Management? Wie sind die Erwartungen? Und da sehe ich einen ungebrochenen Wachstumstrend bei den Firmen, die wir auswählen.

Ändern sich denn gerade die besonders wachstumsträchtigen Branchen? Etwa durch die Zinsänderungen oder geplante Infrastrukturprogramme in den USA?
Wir sehen schon, dass da einzelne Firmen profitieren. Etwa Wacker-Neuson, ein Baumaschinen-Hersteller, bei dem die Nachfrage anzieht. Bei solchen Trends spielen wir mit, klar. Umgekehrt könnten manche Windkraftanlagen-Hersteller einen schwereren Stand haben, wenn Subventionen für Erneuerbare Energien zurückgehen. Und beim Thema steigende Zinsen könnten natürlich Immobilientitel leiden. Aber das ist immer nur ein Teilaspekt in unserer Analyse von Nebenwerten.

Wie sind denn die deutschen Nebenwerte historisch gesehen bewertet?
Die Luft wird natürlich dünner. Wir haben keinen Schnäppchenmarkt mehr. Aber das ist nur eine relative Betrachtung.

Wieso?
Weil es noch reichlich „Hidden Champions“, also heimliche Gewinner, gibt, gerade unter noch kleineren Unternehmen.

Verraten Sie ein paar Namen?
Ungern.

Vielleicht nicht die ganz geheimen Werte …
Verstehen Sie bitte, dass ich Einzeltitel nicht nennen darf. Aber es gibt aussichtsreiche Trends wie feinfühlige Roboter für die Industrie 4.0. Oder auch Geschäftsmodelle von Software-Dienstleistern, die sich auf Kunden mit Nachholbedarf bei der Digitalisierung spezialisiert haben.

Würden die Anleger die Namen solcher Firmen kennen?
Sie sind hartnäckig (lacht). Aber um die Frage zu beantworten: Die Mehrheit wohl eher nicht. Wir sind Entdecker, das ist unsere Aufgabe. Wir wollen uns mit dem Blick auf diese Perlen auch ein wenig von den etablierten Größen aus MDax und SDax lösen. Denn diese Indizes sind nicht die einzige Benchmark. Deutschland ist das Eldorado der Mittelständler. Eine Goldgrube, in der man manchmal buddeln muss.

Die deutsche Wirtschaft ist durch isolationistische Tendenzen etwa in den USA potenziell bedroht. Wie sehen Sie die Gefahren für die Nebenwerte?
Die sind weniger gefährdet als manche denken. Denn an vielen dieser Weltmarktführer geht kein Weg vorbei in ihrer Nische.

Wie meinen Sie das?
Nehmen Sie mal die Firma Stabilus. Die haben mit dem Produkt Powerise eine elektrische Türöffnung, die in der Autoindustrie bei Kofferräumen und Türen immer größere Verbreitung findet. Mercedes, BMW, Tesla … Wer Premium sein will, kommt an Stabilus nicht vorbei. Da werden auch eventuelle Strafzölle wenig dran ändern. Zudem entscheiden in vielen kleineren Unternehmen auch noch starke Gründerfamilien. Die sind oft schneller, mutiger und flexibler.

Wird die Börse jetzt wieder für mehr Familienunternehmen interessant?
Inhaltlich auf jeden Fall: Die Kapitalbeschaffung wird natürlich leichter, die gestiegene Aufmerksamkeit nutzt den Unternehmen bei der Expansion. Aber natürlich gibt es manchmal auch Vorbehalte aufgrund der zahlreichen Verpflichtungen.

Wie etwa Quartalsbilanzen oder Roadshows für Analysten, die als lästig empfunden werden können?
Ganz genau. Wir wollen aber für Verständnis werben und beim Börsengang ermutigen. Wir sind ja keine Heuschrecken. Auch 2017 werden wir eine Reihe von Börsengängen interessanter Nebenwerte sehen. Da bin ich ganz sicher.

Wir hatten ja vorhin schon mal das Thema Industrie 4.0 gestreift. Beim Thema Digitalisierung sehen manche Marktbeobachter deutsche Unternehmen etwa im Feld Datenmanagement im Rückstand gegenüber Wettbewerbern aus Übersee. Gilt das auch für Ihre Nebenwerte-Stars?
Ich sehe den Rückstand da nicht. Es ist ja nicht wie damals beim MP3-Musikformat, das in Deutschland erfunden wurde - und wo das Geschäft allein in den USA und Asien gemacht wurde.

Aber ein Technologie- oder Social-Media-Unternehmen wie Snap Inc. mit Snapchat sieht man gerade nicht in Deutschland.
Korrekt. Bei diesen App- und datengetriebenen Unternehmen fehlt es in Deutschland noch etwas. Es ist auch nicht ganz leicht, Geschäftsmodelle zu bewerten, die zuweilen bisher nur Verluste gemacht haben. Wir in Deutschland sind aber ohnehin mehr industriell als technisch geprägt. Aber wir können mit einem digitalen Vorsprung punkten.

Wie kommt das?
Etwa, indem viele Nebenwerte-Firmen von jeher stark durch die Großbranche Autoindustrie geprägt sind und damit aber auch dem Zwang unterliegen, intelligent zu automatisieren. Die Digitalisierung und gezielte Datenverarbeitung ist da eine logische Erweiterung des Angebot-Portfolios. Das zeigt sich auch daran, dass deren Produkte weltweit so stark gefragt sind.

Ein schwacher Euro stützt gegenwärtig exportorientierte Firmen aus Deutschland. Wie groß sind die Auswirkungen für die Nebenwerte-Unternehmen, wenn die Euro-Kurse wieder steigen?
Da hilft eben die starke Stellung der „Hidden Champions“ in ihrer jeweiligen Industrie, um das abzufedern. Natürlich können diese Unternehmen inzwischen auch auf solche Schwankungen reagieren, indem sie Produktionsstätten in den USA oder China errichten.

Würden Sie den Anteil an Nebenwerten in einem breit angelegten Aktien-Portfolio jetzt noch erhöhen?
Dazu müsste ich schon in das jeweilige Portfolio schauen. Aber ganz klar: Nebenwerte gehören dazu. Mein Vorteil ist die Nähe zu den Aktien im Fonds: Ich fahre selbst zu den Unternehmen, schaue mir diese an. Jeden Tag stehen zwei, drei Meetings auf der Agenda. Und da kann ich schon aus erster Hand beurteilen, wie stark der Mittelstand ist. Dieser große bunte Strauß an tollen Branchen und Firmen hat immer neue Blumen parat. Wir spielen die ganze Breite dieses Angebotes - und das macht unsere Nebenwerte auf lange Sicht konjunkturresistenter.

Sie sind so ein richtiger Nebenwerte-Fan.
Ja. Das ist ein Kernsegment für Deutschland. Ich bin mir sicher: Der Mittelstand wird auch in zehn Jahren noch viele großartige Ideen haben. Wir bleiben auf Kurs.

Allein verbindliche Grundlage für den Erwerb von Deka Investmentfonds sind die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen, die jeweiligen Verkaufsprospekte und die jeweiligen Berichte, die Sie in deutscher Sprache bei Ihrer Sparkasse oder Landesbank oder von der DekaBank Deutsche Girozentrale, 60625 Frankfurt und unter www.deka.de erhalten.