Interview „Wir sind Fitnesstrainer“

Die Aufgaben der Deka erschöpfen sich nicht in der Auswahl aussichtsreicher Wertpapiere. Die Bank nimmt auch aktiv Einfluss auf eine zukunftsorientierte und nachhaltige Ausrichtung der Unternehmen, in die ihre Fonds investieren. So Michael Schmidt aus der Deka-Geschäftsführung.


TEXT: Peter Weißenberg

Herr Schmidt, der Dax hat in den vergangenen 30 Jahren eine Erfolgs­story geschrieben. Hat damit auch die Deka leichtes Spiel mit ihren Fonds?
Nein, die wechselvolle Geschichte so mancher Dax-Papiere verdeutlicht, dass die Zugehörigkeit zum Leitindex noch keine Garantie für Gewinne ist. Wir als Großanleger wählen darum aktiv aus.

Michael Schmidt, Geschäftsführung Deka Investment

Wie macht die Deka das?
Erstens beurteilen wir die Zukunfts­fähigkeit von Aktiengesellschaften vor dem Hintergrund struktureller Trends. Zweitens setzen wir diese Erkenntnisse in Anlageentschei­dun­gen für unsere Fonds um – chancenorientiert und risikobewusst. Drittens begleiten wir die Unternehmen in einem aktiven Dialog nach der Devise: Innovation fördern, Wandel begleiten, Wirkung erzielen.

In der abgelaufenen Hauptversammlungssaison hat die Deka häufig und kritisch das Wort ergriffen. Warum?
Weil wir in einer besonderen Zeit leben: Unternehmen müssen sich nicht nur den tiefgreifenden Veränderungen durch die Digitalisierung stellen. Sie treffen zugleich auf eine steigende gesellschaftliche Sensibilität für ökologische und soziale Effekte des unternehmerischen Handelns. Wir sehen genau hin, ob die Unternehmenslenker ihren Anforderungen gerecht werden. Erkennen wir Defizite, sprechen wir das im Interesse unserer vielen Fondsanleger in den Hauptversammlungen offen an.

Können Sie konkrete Beispiele nennen?
Bei der Aktionärsversammlung von RWE haben wir kritisiert, dass der Versorger wegen seines hohen Braunkohleanteils nach wie vor zu den größten Luftverschmutzern Europas zählt. Wir fragen uns, ob der Vorstand die Zeichen der Zeit erkannt hat. Bei VW haben wir eine grundlegende kulturelle Erneuerung und eine zukunftsweisende Aufstellung mit weniger Verbrennungsmotoren angemahnt. Die Unternehmen brauchen überzeugende Strategien, um ihre langfristige Ertragskraft zu sichern. Dann bietet die Industrie 4.0 – verbunden mit einem neuen Wertebewusstsein – auch gewaltige Wachstumschancen.

Welche zum Beispiel für Autohersteller?
Nehmen Sie die Shared Economy. Die Menschen machen sich immer mehr Gedanken über Ressourcenverschwendung und wollen möglicherweise ohne eigenes Auto mittels Carsharing mobil bleiben. Also müssen die traditionellen Anbieter die Initiative ergreifen, um mit neuen Geschäftsmodellen auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben.

Sie geben entsprechende Denkanstöße?
Wir sind da manchmal Fitnesstrainer – und diskutieren mit Firmen, wie sie den Wettbewerb anführen können.

Und das auch mit mehr wirtschaftlicher Nachhaltigkeit?
Ja, denn wir nehmen eine besondere treuhänderische Verantwortung für unsere Fonds wahr – diese äußert sich nicht zuletzt darin, dass wir Unternehmen, in die wir investiert sind, beim nachhaltigen Wandel begleiten. Darüber hinaus ermutigen wir unsere Kunden, bei der Geldanlage auch auf Nachhaltigkeit zu setzen, und stellen ihnen dafür verschiedene Fondslösungen zur Auswahl – ein Angebot, das auf immer regeres Interesse stößt.