Marktausblick Zinsflaute bis 2030

Zinssparer müssen sich voraussichtlich noch viel länger mit mickrigen Erträgen zufrieden geben als sie sich vorstellen können. Wegen der wieder steigenden Inflation drohen ihnen schmerzhafte Kaufkraftverluste auf ihr Vermögen.


TEXT: Daniel Evensen

Die Finanzkrise ist abgehakt, die Weltwirtschaft wächst so dynamisch wie lange nicht und die Inflationsraten stabilisieren sich um die 2 Prozent. Alles wieder im grünen Bereich – da müssten die Sparzinsen doch auch bald auf ein normales Niveau zurückkehren, oder?

Klingt einleuchtend, die Volkswirte der Deka können jedoch kaum Zinshoffnung verbreiten. Laut ihren Prognosen wird die Europäische Zentralbank nur zögerlich aus ihrer sehr lockeren Geldpolitik aussteigen. Denn EZB-Chef Mario Draghi will auf keinen Fall den Aufschwung in der Eurozone gefährden.

Die Deka-Experten sehen den Fahrplan wie folgt: Ende dieses Jahres wird die EZB ihr Ankaufprogramm für Anleihen beenden, im Sommer 2019 folgt dann voraussichtlich die Erhöhung des Einlagensatzes für Banken und ein knappes Jahr später könnten endlich auch die für Sparverträge wichtigen Leitzinsen erstmals steigen.

„Bis wieder spürbare Zinsen auf dem Sparkonto ankommen, wird es allerdings 2021 werden“, prognostiziert Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Und das auch nur nominal, nicht real – also nach Abzug der Inflation. Kater: „Angenommen, der Sparzins wird im Jahr 2022 etwa 1 Prozent erreichen, die Inflation aber bei 2 Prozent liegen, dann verliert das Geld der Sparer unterm Strich weiter an Kaufkraft.“

Konkurrenz unter den Baby-Boomern

Dabei ist der Inflationsausgleich sowieso nur das Minimalziel der Sparer, eigentlich wollen sie ihr Vermögen und ihre Kaufkraft mit der Verzinsung mehren. Dies wird mit Sparbuch und anderen Zinspapieren aber auf absehbare Zeit schwierig bleiben. Schuld daran sind nicht so sehr die Notenbanken, als vielmehr die vielen anderen Sparer. Volkswirt Kater formuliert es so: „Überall in der entwickelten Welt steigt das Angebot an Kapital und die Nachfrage fällt dahinter zurück.“ Das Angebot stammt vor allem von den geburtenstarken Jahrgängen, den sogenannten Baby-Boomern. Sie sind zurzeit noch beruflich aktiv und legen Geld für ihren Ruhestand in der Zukunft zurück.

Anlagemöglichkeiten händeringend gesucht


So viel Kapital wird aber von der Wirtschaft und den Staaten, von dort stammt die Nachfrage überwiegend, zurzeit gar nicht benötigt. Im Gegenteil: Viele Unternehmen – man denke nur an Apple oder Google – sitzen selbst auf Milliardenreserven, die sie mit ihren Gewinnen angehäuft haben und nun anlegen müssen. Hinzu kommen Staatsfonds aus den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Norwegen, die mit gigantischen Beträgen auf die Suche nach rentablen Investments gehen. Allein der norwegische Staatsfonds ist mehr als 840 Milliarden Euro schwer. Wenn aber die Nachfrage nach Anlagemöglichkeiten hoch und das Angebot niedrig ist, dann gibt es eben keine ordentlichen Zinsen. Mit einem Ende dieser für Sparer ungünstigen Konstellation ist erst um das Jahr 2030 zu rechnen, wenn für viele der Baby-Boomer der Ruhestand beginnen wird.

Folgen des Niedrigzinses

Auf bessere Zinsen zu warten ist somit zwecklos. Was tun? „Wagen Sie etwas mehr Risiko und beteiligen Sie sich direkt an dieser wachsenden Wirtschaft, indem sie etwas von ihrem Geld in Aktien und Unternehmensanleihen investieren“, meint Ulrich Kater.

Stand: 15.02.2018