Geldpolitik Zinswende in den USA

Die US-Notenbank Fed hat erstmals seit 2008 die Leitzinsen gesenkt. Auch deutsche Zinssparer dürften den Trendwechsel zu spüren bekommen.


TEXT: Daniel Evensen

Am Mittwochabend hat Fed-Präsident Jerome Powell die Entscheidung verkündet: Nach einer Reihe von Zinsanhebungen in den Vorjahren sinkt der Leitzins nun von einer Spanne von 2,25 bis 2,50 Prozent auf eine Spanne von 2,00 bis 2,25 Prozent. „Es handelt sich um einen Versicherungsschritt“, erläutert Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater. „Eine Überlegung war, globalen Risiken zu begegnen. Ein zweiter Grund betrifft die nach Einschätzung der Fed zu niedrige Inflationsrate in der ersten Jahreshälfte.“

Aus Sicht der Deka-Volkswirte gab es allerdings bislang keinerlei deutliche Hinweise darauf, dass die global weiterhin schwache Konjunktur zu einer spürbaren Wachstumsverlangsamung der US-Wirtschaft geführt habe. Kater: „Insbesondere die Auslastungsgrade gemessen am Bruttoinlandsprodukt als auch am Arbeitsmarkt scheinen weiterhin eher anzusteigen.“ Insofern komme der Zinsschritt im Vergleich zu früheren Schwächephasen ungewöhnlich früh. „Wir gehen gleichwohl davon aus, dass die Fed noch einen weiteren Zinsschritt abwärts in diesem Jahr machen wird, wahrscheinlich im September“, sagt Kater.

Kehrtwende bei den Zinsen

Die Europäische Zentralbank hatte noch gar keine Anstalten gemacht, den Leitzins von 0 Prozent auf ein etwas höheres Niveau zu bringen. Angesichts des sich verschlechternden Wachstums in Europa und des Richtungswechsels der amerikanischen Fed ist damit auch nicht mehr zu rechnen. Im Gegenteil: Im September wird EZB-Präsident Mario Draghi voraussichtlich weitere Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft verkünden. Damit rückt auch die Rückkehr von Sparzinsen in immer weitere Ferne.

Wie Anleger auf diese Geldpolitik reagieren können, lesen Sie hier.

Stand: 01.08.2019