Investmentsteuerreform Auf Anleger kommen Änderungen zu


Seit Anfang Januar 2018 ist das Investmentsteuerreformgesetz in Kraft, das einen Systemwechsel in der Besteuerung von Investmentvermögen in Deutschland nach sich zieht. Die gute Nachricht vorweg: Die meisten Privatanleger dürften durch die Reform unter dem Strich nicht mehr Steuern zahlen als bisher. fondsmagazin gibt einen Überblick über die wichtigsten Punkte der Reform.


TEXT: Volker Tietz

Ab 2018 zahlen deutsche Fonds auf bestimmte inländische Erträge 15 Prozent Steuern aus dem Fondsvermögen. Das ist neu, denn bisher hat der Gesetzgeber Fondsanleger im Wesentlichen wie Direktanleger behandelt. Nur die Anleger wurden besteuert, aber nicht der Fonds.

Künftig versteuern deutsche Fonds anfallende Dividenden, Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien, sofern diese Einkünfte aus Deutschland stammen. So soll die Konformität des Europarechts sichergestellt werden. Der Gesetzgeber behandelt dann deutsche und ausländische Fonds hinsichtlich der Einkünfte aus Deutschland steuerlich gleich.

Steuerbelastung steigt nicht

Die vermutlich wichtigste Nachricht für Privatanleger: Die Steuerbelastung soll unter dem Strich nicht steigen, denn Anleger erhalten einen Ausgleich dafür, dass der Fonds besteuert wird. Dies geschieht über Teilfreistellungen, die bei der Abgeltungssteuer berücksichtigt werden. Die Höhe des steuerfreien Anteils richtet sich dabei nach der Art des Fonds.

Die Anleger zahlen für die Ausschüttungen des Fonds und Gewinne aus dem Verkauf von Fondsanteilen teilweise keine Abgeltungsteuer. Bekommt beispielsweise ein Anleger aus einem Aktienfonds eine Ausschüttung von 250 Euro, muss er nur 175 Euro versteuern, da der Fonds auf die Dividenden schon vorab Steuern gezahlt hat. Demnach beträgt die Quote für die teilweise Freistellung bei Aktienfonds in diesem Beispiel 75 Euro bzw. 30 Prozent. Diese 30-Prozent-Freistellung gilt für Aktienfonds, für Mischfonds liegt sie bei 15 Prozent. Deutlich höher ist sie bei Offenen Immobilienfonds: Mit Anlageschwerpunkt in Deutschland liegt der Satz bei 60 Prozent, mit Anlageschwerpunkt im Ausland sogar bei 80 Prozent. Ob der Fonds diese Bedingungen erfüllt, ergibt sich aus den Anlagebedingungen.

Und wie verhält es sich mit Fondsanlegern, die keine Steuern auf Einkünfte aus Kapitalvermögen zahlen und daher auch nicht von den Freistellungen profitieren? Nach Berechnungen des Bundesfinanzministeriums zahlen sie im Schnitt nur knapp drei Euro mehr pro Jahr.

Neben der beschriebenen Vorabbesteuerung gibt es eine zweite bedeutende steuerliche Änderung. So fällt der Bestandsschutz für Fondsanteile, die vor 2009 erworben wurden, seit dem 1. Januar 2018 weg. Aber auch hier kann für das Gros der Anleger Entwarnung gegeben werden: Die Folgen des Wegfalls werden für die meisten Privatanleger durch einen Freibetrag von 100.000 Euro pro Anleger (Ehepaare/eingetragene Lebenspartner mit Oder-Depots 200.000 Euro) deutlich abgemildert.

Bisher war es so, dass Veräußerungsgewinne aus Fondsanteilen, die Anleger bis Ende 2008 erworben hatten, steuerfrei blieben. Nach der neuen Gesetzgebung zahlt der Anleger aus der fiktiven Veräußerung der Alt-Anteile zum 31. Dezember 2017 keine Steuern – bis dahin gilt der Bestandsschutz. Seit dem 1. Januar 2018 muss der Anleger die Wertsteigerungen der Alt-Anteile grundsätzlich versteuern, sobald er sie veräußert. Für diese steuerpflichtigen Veräußerungsgewinne besteht der Freibetrag von 100.000 Euro.

Beratung ist wichtig

Natürlich kann dieser grobe Überblick nicht alle Besonderheiten aufzeigen, da letztlich die persönliche, steuerliche Situation des jeweiligen Anlegers entscheidend ist. Aufgrund der Besonderheiten der künftigen Besteuerung ist jeder Einzelfall individuell zu betrachten. Ihr Sparkassenberater vor Ort hilft Ihnen gerne weiter.

Stand: 12.01.2018